Andreas Rüdig

Trigamie

Die Heirat wird auch Vermählung genannt, wobei Vermählung wohl in inzwischen ein veraltetes Wort ist. Unter der Heirat versteht man die standesamtliche und / oder kirchliche Eheschließung. Die Funktion einer Heirat? So wird die Beziehung zwischen zwei Menschen einschließlich der Kinder, die daraus herausgehen, legitimiert. Die Heirat gibt es in allen menschlichen Gesellschaften.

Jacqueline?

Ja, Timotheus?

Ich liebe dich.

Ich liebe dich auch.

Heirate mich.

Aber gerne.


Miriam!

Jau, was gibt`s?

Ich liebe dich.

Ich liebe dich auch.

Ich würde dich gerne heiraten.

Dann tu es doch.

Möchtest du mich denn auch heiraten?

Joú. Hab ich doch gerade gesagt.




Timotheus!! Du heiratest mich jetzt auf der Stelle.

Aber ja doch, Ruth-Esther.



Das Hochzeitsfest feiert man am Tage der Eheschließung. Der Polterabend ist die Vorfeier des eigentlichen Hochzeitsfestes und findet am Abend vor der eigentlichen Hochzeit statt. Dabei werden nach altem Brauch Porzellan zerschlagen, nicht aber Sachen aus Glas. Die Scherben sollen dem Brautpaar Glück in der Ehe bringen.

Ein Festmahl bzw. die abendliche Feier bilden wohl den Mittelpunkt der Feier. Der Hochzeitstanz sowie vergnügliche Gesellschaftsspiele wie Brautraub, Brautschuhversteigerung, Prüfungsaufgaben für die Braut und Hindernisse für die Hochzeitsnacht sind wohl auch heute noch sehr beliebt.


Uff, der Heiratsmarathon wäre geschafft. Die Hochzeit mit Ruth-Ester war kurz und schmerzlos. Beim Standesbeamten fand eine kurze Zeremonie statt. Am Ende unterschrieb der Mann die Heiratsurkunde und schon war der Verwaltungsakt „Eheschließung“ abgeschlossen.

Bei Miriam sah die Sache schon ein wenig schwieriger aus. Sie wollte mit Irokesenschnitt, dekorativer Sicherheitsnadel in der Nase, schwarzen Lippen, einer Kette vom linken Ort zu einem rechten Backenzahn und Punkerklamotten vor den Standesbeamten treten. „Wenn du mich nicht so liebst, wie ich bin, können wir die ganze Veranstaltung ja auch sein lassen,“ behauptete sie. Also heirateten wir nur kirchlich. Dort verzichtete sie dann auf Gesichtsdekoration.

Meine Eltern waren von dem weißen Hütchen (einschließlich Gesichtsschleier), dem kurzen rosafarbenen Kleid, den kilometerlangen, eierfarbenen Strümpfen und den weißen Plateauschuhen durchaus begeistert. „Wir wußten ja gar nicht, wie hübsch Miriam ist,“ behauptete mein Vater hinterher. „Sie ist ja richtig schön.“

Bei Jacqueline gestaltete sich die Angelegenheit schon etwas schwieriger. Wo sollten wir nur heiraten? Ohne daß es auffallen würde, daß mich drei so unterschiedliche Frauen begehren? „Es soll romantisch sein,“ forderte Jacqueline. „Ganz in weiß und allem, was dazu gehört. Also fuhren wir an die französische Mittelmehrküste, nach Monaco, um genau zu sein. Dort konnten wir dann wie gewünscht heiraten.

Die Hochzeitsnacht ist die erste gemeinsame Nacht der frisch verheirateten Brautleute. Früher war diese Nacht besonders wichtig. Schließlich untersagten die damaligen rigorosen Moralvorstellungen den vorehelichen Geschlechtsverkehr. So konnte sich das Brautpaar das erste Mal sexuell vereinigen und der Mann herausfinden, ob seine Frau noch Jungfrau war.

Timotheus!

Ja, Jacqueline?

Du bist keine Jungfrau mehr.

Aber, Jacqueline, mein Turteltäubchen, woher willst du das wissen?

Du hast einen blauen Fleck auf deiner Männlichkeit. Wer hat dich geschlagen?

Niemand. Es war ein Fußball, der mich traf.

Ach, Timotheus, du Ärmster, wer war denn der Schütze?

Ja, wer war es denn? Elmar, glaube ich, soweit ich mich erinnere.

Aber du kennst doch gar keinen Elmar!

In meinem Bekanntenkreis gibt es keinen Elmar; das ist wahr: Es war ein Junge von der Straße. Als er sich entschuldigte, nannte er mir seinen Namen.

Timotheus!! Du lügst. Gestehe endlich.

(tränenüberströmt) Aber Jacqueline! Du verletzt mich.

(verärgert) Timotheus! Gestehe! Oder soll ich meinen rechten Schwinger `rausholen?


„Heiratsschwindler“ wird eine Person genannt, die Heiratsabsichten vorspiegelt, um von dem Partner (m/w) Geld oder Sachwerte zu erhalten. Unter strafrechtlichen Gesichtspunkten handelt es sich um Betrug.


(Duisburger Generalanzeiger)

„Ich liebe sie alle drei.“ Mit diesen Worten beendet Timotheus sein Schlußwort vor Gericht. Er war der Trigamie angeklagt. Das Gericht verurteilte ihn und seine Frauen zu einem Jahr gemeinsamen Gefängnis. „Das ist keine doppelte Bestrafung. Das ist Unterricht,“ begründet das Gericht seine Entscheidung. „Wenn er wirklich alle drei liebt, soll er es auch lernen, mit allen drei Frauen gleichzeitig klarzukommen.

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