Fritz Lenders

schwarze Burg und rote Rosen ( Teil 3 )

... was für ein Chaos.

Die Hunde winselten, die Pferde drängten sich zusammen und schnaubten ängstlich, 26 Menschen stöhnten und ein fremder Mann zwischen den Bäumen schrie wie ein Idiot.

" ...ich werde nicht erzählen, ich habe nichts gesehen. Bitte laßt mich einfach heimgehen "

... na toll. Jetzt begann er auch noch zu heulen.

Und von dem mal abgesehen.., sie konnten die Worte seiner Sprache auch nur irgendwie deuten.
Er  sprach ein gewisses deutsch, aber durch sein flennen und durch seine scheinbar äußerst einfache Abstammung..., wollten die Worte nicht klar aus dem Mund kommen sondern sprudelten als Kauderwelsch zwischen den Heullauten hervor.

Wiederlich und erbärmlich...!!

Dies war der erste Gednke von Helene Berchtold.
Andrerseits, und das mußte man ihm zugestehen, hätte jeder Normalsterbliche einen Schock bekommen, wenn aus dem Nichts, plötzlich eine Horde von Menschen und Tieren aus dem Nichts auftauchte.

Und als er wieder zu schreien begann, kramte eine der Krankenschwestern in ihrer Tasche, ging auf den Mann zu ... und Helene hörte es nur noch brummen..., als ihm die  brave medizinische Pflegerin einen Elekroschocker an den Hals hielt und den Kerl niederstreckte.

Mit einem letzten Quietschen sank er zu Boden und zappelte wie ein Fisch auf dem Trockenen.
Und endlich war Ruhe.

Einer der Soldaten fixierte ihm die Hände mit Handschellen und warf ihn über den Rücken eines Pferdes.

Irgendwie war jeder ratlos, was sie mit dem Mann machen sollten.
Töten konnten sie ihn nicht, aber mitnehmen war auch ein Problem.

Sie hatten ohnehin schon genug zu schleppen, da waren die geschätzten 65 kg  des Waldmenschen eine unangenehme zusätzliche Bürde.

Aber was wesentlich wichtiger war..., woher kam der Typ und wohin würde er laufen, wenn sie ihn gehen ließen.

Everie schüttelte dem Mann am Bein , was zur Folge hatte, daß dieser wie wild strampelte und ziemlich unsanft vom Pferd plumpste.

" Biede, biede ..., ich werd nicht tun euch Böses, noch werd ich rufen Freind.. "

Der Mann versuchte panisch mit Everie zu reden.

" Jetzt beruhige dich und sag mir.. wer bist du woher kommst du und wohin willst du ? "   Everie sprach ruhig und langsam mit deutlichen Worten.

" Ich komm von Herr Bruno. Soll schauen Burg und sagen ist Menschen derer viele oder nur Weibsvolk und Vasallen . "

Er rappelte sich auf und blickte ängstlich in die Runde.

"Woher kommen und wie fliegen als Vogel durch die Luft ?"
Und sein Blick fixierte die Frauen in ihren Schutzausrüstungen...
" Und haben Frauen als Kämpfer und Pferd zu reiten.. ebenso auch Hund zu essen "

"Kommen aus dem großen Land von Westen oder steigen direkt von den Wolken und möchten töten alle Menschen ? "

Everie zog den Mann in eine stehende Position.

" Woher wir kommen, würdest du ohnehin nicht verstehen. Aber wir gehen zur Burg. Du wirst uns begleiten, denn wie schon erwähnt, warst du ja auf dem Weg dorthin."

Und in die Runde gewand winkte er zum Zeichen, sich fertig zu machen.
Die Pferde musten aufgezäumt werden und soviel wie möglich an den Sätteln befestigt werden.
Jeder hatte noch mit den Folgen der Zeitreise zu kämpfen und daher dauerte es sicher fast eine Stunde, bis sie aufbrechen konnten.
Da sie sozusagen einen Gefangenen hatten, durfte sich dieser als nützlicher Träger erweisen und bekam einen Rucksack angeschnallt der er mehr oder weniger gerne dahinschleifte.

Die Menschen früher waren durch die Bank ausgelaugt und unterernährt.
Daher auch nicht besonders belastbar.
Zumindest die ärmeren Leute des Volkes.
Und daher waren die etwa 25 - 30 kg des Rucksackes schon eine gewaltige Aufgabe für Waldmensch.

Noch etwas weniger als 3 Stunden, bis der Hubschrauber landen würde. Und es waren noch gute 4 km zurückzulegen.

Für normale Verhältnise wäre dies ein Klacks gewesen. Doch in dieser Situation wuste man ja nicht, was für Überraschungen noch am Wegesrand lauerten.
4 von den Soldaten gingen als Vorhut und 6 von den Kämpfern bildeten die Rückendeckung.

Zäh zog sich die Menschenraupe wie ein Tausendfüsler durch den Wald.
Immerhin hatten die 4 Pferde doch schon einiges an Gepäck auf ihren Rücken und so konnte sich ein gewisses Tempo bilden.

Nach etwa eineinhalb Stunden Fußmarsch durch den Wald, sahen sie die Burg oben am Hügel.
Naja, eigentlich war es ein Schloß mit 4 Türmen und einem seichten Graben rundum.
Der Zugang zur  Burg war mit einer hochziebaren Brücke aus Holz quer über den Graben ..durch ein Tor gesichert. 
Es war nicht erkennbar ob und wenn ja.., wie viele Wachen anm Tor auf die Burg aufpasten.

Aber eigentlich war in der damaligen Zeit eher ein Posten oben am Turm und meistens 2 Männer an der Pforte.

" Hörzu..., wir müssen auf das Schloss und du wirst uns dabei helfen. Wir  gehen mit den Pferden zu viert und du sprichst mit den Leuten. "
Everie sah dem Mann tief in die Augen.
" Wenn alles gut geht, kannst du wieder nach Hause gehen und bekommst einiges an Essen  als Proviant mit "
Beim Wort essen leuchteten die Augen des Mannes auf wie kleine Leuchtkugeln.

" sollte es Probleme geben, bist du der erste, welcher das Zeitliche segnet. Ich hoffe das ist dir klar. ? ! "

" Joshua, Henrik und Helene Ihr kommt mit mir  und die Herren aus Amerika müssen sich , nachdem wir durch das Tor gekommen sind, sofort zum Sturm bereit machen. Viel Zeit zum Planen bleibt uns nicht."

Everie hatte, wie auch jeder aus der Truppe... einen äußerst wirksamen Stromschocker und das sollte fürs erste den Weg frei machen.
Hoffentlich!!!

Falls es Probleme gab, würden die Soldaten innerhalb von 30 Sekunden die 100 m  vom Waldrand zum Burgbrücke zurückgelegt haben.
Ein Scharfschütze muste am Waldrand bei den anderen Leuten bleiben, nur für den Fall daß von oben, also vom Turm aus ein Angriff zu erwarten stand.
Aber wie wollten eventuelle Verteidiger denn die Burg schützen ?
Mehr als Pfeil und Bogen hatten sie wohl kaum zur Verfügung.
Der Scharfschütze hatte mit seinem Gewehr eine präzise Reichweite von 500 m
Also mehr als genug um Gefahr von Oben auszuschalten.

Everie näherte sich mit seinem Trupp langsam der Burg.

Der Mann aus dem Wald ging neben Everie und rief zum Tor hinüber :
" gewährt uns Einlaß, wir sind Händler und Reisende aus dem fernen Land von Westen."

In den Brustkästen der Vier Forscher trommelten die Herzen gegen die Rippen.
Es war eine atemberaubende Situation.
In Kürze würden sie Kontakt mit Menschen haben, die vor 1000 Jahren lebten. 
Da war eine zu erwartende Auseinandersetzung wohl gerechtfertigt.
Die Leute in der Burg hatten ja nichts getan und würden sozusagen enteignet werden...
Obwohl..und das mußte man auch dazusagen.. zu ihrem Besten.

Am Tor wurde ein Kopf sichtbar mit einem blechernen Helm auf den Haaren.
Rein von der Sauberkeit und der Körperhaltung könnten der Torwächter und ihr neuer Weggefährte eigentlich Brüder sein.

Das Männlein am Tor war ebenso zaundürr und mit zerschlissenen Kleidern angezogen wie der Waldmensch.

"Gemach, gemach.. ihr lieben Leute. Habt ihr Waffen dabei und was ist in den Taschen ? " 
Und mit seinen Worten kamen zugleich noch zwei weitere Wachmänner aus dem Schatten der Türe.

Mißtrauisch und erstaunt betrachteten sie die Schutzausrüstung der Vier Wissenschaftler und am meisten Erstaunen bereiteten die Militärstiefel an den Beinen der Vier.

Vermutlich hatten sie zum ersten mal in ihrem Leben Wanderstiefel gesehen.

Everie griff in die vordere Tasche seines Pferdes und zog einen Leinensack mit 2 Laib Brot, einem Räucherschinken und 2 Flaschen Wein heraus.
Essen und Trinken waren die Garantie zum Überleben in der damaligen Zeit.
Und so bekam das Gastgeschenk auch die entsprechende Aufmerksamkeit.
Fleisch war eigentlich generell den höheren Herrschaften vorbehalten.
Und damit konnte auch erklärt werden, daß die Aufmerksamkeit etwas nachließ.

in dem Augenblick, als die Vier mit ihren Pferden durch das Tor schritten, gefolgt vom Waldbegleiter...,
zogen sie ihre Stromschoker aus den Taschen und blickten sich schnell rundum.
Keine große Menschenmenge war sichtbar.
Und auf alle Fälle waren hier am Tor nur die 3 Wächter anwesend.

An den hinteren Gebäuden im Burghof sahen sie zwei Kinder um die Ecke staunen.. aber sonst war es leer.

" Wir haben hier noch ein kleines Geschenk für euch..."

Und mit diesen Worten setzten auch Joshua gemeinsam mit Henrik und eben Everie... die Stromgeräte den Männern an den Hals.
Und als diese zuckend umfielen..
drehte sich Helene im Tor um und drückte auf die Signalhupe in ihrer hand.
Ein grelles Pfeifen wie man es eben von den Signalhörnern der Bahnarbeiter kennt, kreischte sich den Weg in Richtung Wald.

Und in dem Augenblick, als der Waldrand förmlich zum Leben erwachte, wurde es auch im Burghof sehr lebendig.
Von seitlich hinten rannte ein Mann auf Joshua zu und rammte ihm voller Wucht einen Dolch in die Seite.
Mit so einer Kraft, daß es Joshua Müller von den Füßen riss.
Und während Joshua erstaunt im Staub am Boden lag, und den Dolch betrachtete, der sich in der stichsicheren Weste verfangen hatte,, drehte sich Helene um un streckte den vierten Mann ebenfalls nieder. Mit Ihrem Stromschockgerät.

Während die Soldaten den vier Hunden folgten und in den Hof stürmten. machten sich oben am Balkon mehrere Männer daran, ihre Bögen zu spannen.

Und nach einem sehr gefährlichen Regen von Pfeilen..., der zum Glück keine Schäden anrichtete..., knalle es zweimal.
Die Soldaten hatten zwei der Bogenschützen angeschossen und mit entsetzten Schreien brachen diese zusammen.

Mittlerweile waren auch die restlichen Begleiter im Burghof und  zwei der Soldaten  zogen schnellstmöglich das Tor zu..., während die Anderen rundum mit ihren Gewehren in Stellung gingen.

Es waren noch knapp eineinviertel Stunden, bis zur Landung des Hubschraubers.

Und es war atemberaubend.
Das Abenteuer ihres Lebens begann
und die Erde sollte in Kürze ihre erste " Antibiotische KUR " bekommen...
Hoffentlich







 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.03.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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