Eveline Dächer

Alleinsein feiern

Wir kommen hungrig aus dem Schnee.
Gehen wir essen oder kochen wir selbst?
Wir entscheiden uns für das Letztere. Jedoch soll es,
nach diesem schönen Tag, auch etwas Besonderes sein.
“Ich decke schon mal den Tisch,“ruft mein Mann mir zu.
“Ja, aber bitte, besonders schön“, meinte ich
und gab ihm Tischdecke und Servietten.
Ich öffne den Kühlschrank.
Ja, was soll ich denn kochen?, Was haben wir überhaupt?
Nach einigem Schnufen, entnehme ich dem Kühlschrank erst einmal Schweineschnitzel.
Da diese aber sehr groß sind, teile ich sie.
Dann sind da noch Champignons und Brokkoli,für die ich mich entscheide.
Hieraus kann man gewiß ein schmackhaftes Essen zaubern.
Zuerst suche ich nun ganz kleine Kartoffeln aus - für jeden 3 Stück,
ja, das genügt. Ich putze den Brokkoli, teile ihn in kleine Röschen,
richte ihn mit den Kartoffeln in einem Topf an und bringe es zum Kochen
Die Schnitzel werden gewürzt, paniert und in der heißen Pfanne gebraten.
Doch wie sieht es vorher mit einer Suppe aus?
Schnell lasse ich einen Eßlöffel Butter aus, gebe langsam etwas Mehl dazu
und lasse es durchschwitzen, Zwischenzeitlich ist das Gemüse knackig gegart,
mit dem Gemüsewasser lösche ich die Schwitze ab, rühre ein Töpfchen
saure Sahne darunter, füge noch eine EckeKräuterfrischkäse dazu und
schmecke mit einem Schuß Weißwein und Kerbelblättern ab.
Hmmmmmm, köstlich! Die Suppe wird warm gestellt.
Dann haben wir ja noch die frischen Pilze, ok, das Hors d´heuvre.
Kurz abspülen, leicht in Butter schwenken, sehr scharf mit Curry würzen
mit einem Schuß Sahne und einem mariniertem Rapunzelsträußchen garnieren.
mein Mann hat den Tisch wunderschön gedeckt, wir wählen einen trockenen
italienischen Weißwein dazu.
Heinz zündet die Kerzen an, ich richte die Blumen und bitte zu Tisch,
der Wein funkelt in dem Kristallgläsern, die Musik bringt uns in richtige Stimmung.
Wir freuen uns, mal allein zu sein, küssen uns ganz zärtlich und setzen
uns zu Tisch. “Prosit mein Schatz, auf uns,“ sagt mein Mann.
Wir genießen die Suppe, wirklich köstlich!
Plötzlich schellt es an der Haustür.Unser Jüngster poltert herein.
“Hmmm, wie festlich ! Gibt es was zu feiern?“
“ja, dein Vater und ich feiern Alleinsein“
“Aha, habt ihr auch was für mich zu essen ? Habe einen Mordshunger ?“
Für solchen Kohldampf hab ich eigentlich nicht gekocht,
wir wollten nur eine Kleinigkeit genießen........
Wie gut, dass ich die großen Schnitzel geteilt hab,
es gibt für jeden statt 3 eben nur 2 Kartöffelchen und das Gemüse reicht auch.
Ich richte alles sehr dekorativ auf einer vorgewärmten Platte an,
die ich dann auf dem Tisch plaziere.
“OH das siehst aber lecker aus!“, Der Jüngste schnappt sich die Platte,
natürlich nicht ohne zu fragen: “Ich darf doch, oder?“
Er bedient sich ausgiebig, Ich schaue meinen Mann an, der zuckt nur die Schulter,
“Was soll es? Es wird schon reichen, wir haben ja schon Suppe gehabt.“
Die romantische Stimmung ist im Eimer.
Es gibt noch Eis als Dessert.
Wieder geht die Klingel, nanu, wer kommt denn noch?
Sonst, wenn man jemanden braucht, zur Arbeit oder sonst einer Hilfe,
ist samstags niemand da,alles ist ausgebucht . Heute i s t Samstag!
“Hallo, gibt es hier was Besonderes?“
“Ja, unsere Eltern feiern Alleinsein.“
“Aha, und was willst du denn hier?“
“Das wollte ich dich auch gerade fragen“
“Hast du auch Hunger?“ “Nein, eigentlich nicht, aber was gibt es denn?“
Ich hab verstanden.
Haue noch ein Schnitzel in die Pfanne, eine Hand voll Champignons,
lösche mit Wein ab, füge etwas Sahne hinzu.
Wir staunen, wie es unserem Großen schmeckt.
“Beim Spülen kann ich leider nicht helfen“meint der Jüngste,
“muß gleich wieder weg, bin sowieso schon zu spät,
Tschüss dann, danke war übrigens lecker!“
Ich bekomme einen flüchtigen Kuß und weg ist er.
Mein Mann und Reiner helfen, wir trinken danach noch ein Glas Wein.
Als er geht kann er sich nicht verkneifen zu fragen:
“Wann feiert ihr wieder Alleinsein?“





















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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.09.2004. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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