Andreas Rüdig

Besuch in Mülheim an der Ruhr

Es ist ein sonniger und recht warmer Samstagmittag, als ich am Mülheimer Hauptbahnhof ankomme. Irgendwie ist das Gebäude ja schon merkwürdig. Die Gleise für die Eisenbahn, Straßenbahn und Busse sind zwar alle deutlich voneinander getrennt. Als Besucher erhält man aber trotzdem den Eindruck, daß alle in einem einzigen Gebäude  untergebracht sind, so fließend sind die Übergänge; vom Forum - Einkaufstempel ist man nur durch eine einzige Tür getrennt. Im Forum sind Freßstationen,  Drogerie, Parfümerie, Schreibwaren und Bücher gleichermaßen vertreten. Über drei Etagen erstrecken sind die Gänge; man muß aufpassen, daß man nicht plötzlich und unverhofft in der Fußgängerzone landet.
Wie lang ist die Fußgängerzone vom Hauptbahnhof bis zu ihrem Ende? Rund 1 Kilometer, schätze ich mal. Einen attraktiven Eindruck macht sie auf mich nicht. Zum einen gibt es viele Baustellen. Und auch der ortsansässige Einzelhandel überzeugt nicht. Citibank und Nationalbank sind hier genauso vertreten wie Vodafone, Woolworth, dm, Kaufhof und wer sonst noch als Verdächtiger in Frage kommt.
Ich habe mir noch nie Gedanken darüber gemacht, wie für mich die ideale Stadt aussieht. Mülheim ist jedenfalls weit davon entfernt. Zu brav und bieder wirkt die Bevölkerung, die ich an diesem Tage in der Fußgängerzone bummeln sehe. Unterer Durchschnitt scheint mir die Innenstadt zu sein.
Auch das Rathaus ist nur wenig anschaulich. Es ist eines jener verschachtelten Gebäudekomplexe, das sich über 2 durch Straßenüberführungen verbundene Gebäude auf 2 Straßenseiten und Anbauten erstreckt. Doch es ist nicht nur die Großbaustelle, die zu dem unangenehmen Gesamteindruck beiträgt.  Es ist kein Ort, der zum Verweilen einlädt. Als Verwaltungsbau zu repräsentativ, als Repräsentationsbau zu abweisend - so könnte man das Gebäude beschreiben.
Eigentlich könnte die nahegelegene Ruhr - Promenade ein Ort der Ruhe und des Müßiggangs sein. Doch oh wehe! Die Privatklinik Mülheim, nahe der Flußbrücke gelegen, wird derzeit abgerissen. Selbst an diesem Samstagnachmittag ist der Bagger zur besten Fußballzeit aktiv und verkündet mit viel Lärm von seiner Arbeit. Auf einer Bank die wärmende Sonne genießen und zu einem Buch zu greifen - dieses Vergnügen ist hier nur bedingt möglich. Schade, daß dieses Kleinod derzeit kaum nutzbar ist. Also erklimme ich die riesig erscheinende Treppe und überquere die Brücke über die Ruhr.
Die Stadthalle ist einer jener klobigen Repräsentativbauten, die nur aus der Ferne hübsch wirken. Da heute keine Veranstaltung stattfindet, kann ich das Gebäude von von außen betrachten.
Schloß Broich auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist eigentlich nur ruinenhaft erhalten. Doch hier befindet sich nicht nur Gastronomie. Auch das Historische Museum der Stadt Mülheim ist hier untergebracht. Klein und ausbaufähig ist es. Historische Waffen (Lanzen, Gewehre) werden hier genauso gezeigt wie Gemälde der Herren von Broich oder ausgegrabene Keramiken. Zum Glück ist der Eintritt frei. Also trete ich ein. Ich erlebe eines jener Liebhabermuseen, die eher ein Ort der Muße sind als wirkliche Information bieten.
Den MüGa - Park mit seinen riesigen Rasenflächen und für die Jahreszeit immer noch üppigen Blumenbeeten schaue ich mir nur noch oberflächlich an. Er ist rege besucht an diesem Tag. Eltern spielen mit ihren Kindern auf dem nahegelegenen Spielplatz, Jugendliche Fußball auf einer Rasenfläche. Typisches Freizeit- und Wochenendverhalten von Jugendlichen im Ruhrgebiet? Ja, irgendwie schon; insbesondere dann, wen ander attraktive Freizeitangebote nicht ersichtlich sind.
Ziele wie Schloß Styrum, Kloster Saarn, das Haus Ruhrnatur oder das Büromuseum im Rathaus erspare ich mir an diesem Tag. Angesichts der vorgerückten Stunde würde mir auch die Zeit dafür fehlen. Immerhin belohnt mit die Zeit im MüGa für all´ das, was ich mir erst später ansehen werden.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.10.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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