Paul Rudolf Uhl

Ganymed 1


Ganymed 2084                (getippt vor der Rechtschreibreform!)
 
Auf der Erde schreiben wir den 23. Dezember des Jahres 2084. Vieles hat sich verändert, wenn wir es mit dem einst­mals so viel zitierten Jahr 2000 vergleichen:
 
Die Wissenschaft hatte ab 2003 bereits enorme Fortschritte gemacht, besonders im Bereich der Gen- Forschung. Die Pharma- Riesen konnten neue Medikamente entwickeln, die viele Krankheiten heilten oder stark verzögerten. Der AIDS ­Forschung gelang 2011 eine rettende Entdeckung: mit dem neuen Medikament Alogyros 239 wurde der von der Pharma-Industrie mutwillig in Umlauf gebrachte Virus endgültig besiegt - leider zu spät, denn Afrika, das 1960 noch 277 Millionen Einwohner hatte, war durch die Seuche fast völlig entvölkert; es gab nur noch 35 Millionen Einwohner in ei­nem Erdteil, der über 30 Mio. Quadratkilometer groß war. Die afrikanischen Regierungen schlossen mit den USA und Großbritannien einen Pakt zur Wiederbevölkerung. Dabei sollten genmanipulierte Embryonen eingesetzt werden. Die Folgen waren bestürzend: in Südafrika und in den nördli­chen Staaten am Mittelmeer waren Gen-Banken entstanden und es wurden typische, gesunde und intelligente Afrikaner geklont. 10 Jahre später gab es 40 Millionen männliche Schwarze, die absolut identisch waren, nur durch unter­schiedliche Namen zu unterscheiden! Sie waren gehorsam,hatten einen sanguinischen Charakter und nur einen gerin­gen Fortpflanzungswillen. 38 Millionen weibliche Schwarze standen ihnen gegenüber, alle auch mit hervorragenden ge­netischen Eigenschaften und kerngesund...
 
Ein anderes Ergebnis hatte das Klonen in Europa. Hier konnten nun Rinder gezüchtet werden, die mit 100 % iger Sicherheit nicht an BSE erkrankt waren. Es gab 9 verschie­dene Kuh-Rassen und der Geschmack des Fleisches war wirklich gut. Männliche Rinder wurden nicht mehr benötigt, Stiere gab es nur noch vereinzelt in Zoos und Frei­zeitparks.
 
Bericht Janosz Fargar:

Ich bin Janosz Fargar, 27 Jahre alt und arbeite seit 3 Jah­ren im Gen- Forschungsinstitut von Kapstadt in Afrika. Ich bin weiß, meine Eltern sind Ungarn und vor 15 Jahren nach Afrika ausgewandert. Mein Job ist medizinisch- technischer Angestellter im mittleren Staatsdienst der hiesigen Regie­rung und ich verdiene heute, im Januar 2018, recht gut. Jedenfalls besser, als ein weißer Facharbeiter.
 
Meine Aufgabe ist es, im Labor menschliche - männliche ­Geschlechtszellen zu duplizieren. Die Arbeit ist streng ge­heim und über das " wie“  darf ich nicht sprechen… Die ko­pierten Samenzellen werden anschließend in ein Zucht­gefäß gegeben, Nährmaterial aus dem Gefrierschrank zu­gesetzt und während der nächsten 36 Stunden mindestens 6 Mal im Mikroskop kontrolliert, ob sich das Material normal verhält. Dazu wurden mir zum Vergleich einige Bildtafeln zur Verfügung gestellt. Weicht die Entwicklung des Materi­als von den Abbildungen ab, muß ich sie vernichten...
 
Mein Kollege nebenan vereinigt die Samenzellen mit ge­züchteten Eizellen, die ebenfalls auf Einheitlichkeit kontrol­liert sind und die er von einem weiteren Kollegen zugeführt bekommt.
Dann geht das vereinigte Material in den Zuchtcohobittor. In diesem Labor überwachen zwei Kollegen etwa 400 Co­hobittorgefäße und stellen sicher, daß sich die entstehenden Zellhaufen in der Nährlösung normal entwickeln.
Nach zwei Wochen werden die Zellgebilde implantiert. Das geschieht an weiblichen, schwarzen Gefangenen, die von Gerichten zu Zwangsarbeit im Institut verurteilt sind Die Frauen sind sterilisiert und haben tagsüber Küchen­, Garten - oder Reinigungsarbeiten zu verrichten.
Zum Zeitpunkt der Geburt der "Produkte“kommen die Frauen in die Krankenstation des Instituts, wo der Geburts­vorgang chemisch eingeleitet wird. Die Produkte werden den Frauen nur 6 Wochen zum Säugen belassen, dann wer­den sie von Nursen, später von Erziehern betreut und in staatlichen Kindergärten und Internats- Schulen erzogen. Das geklonte Baby ist tägliche Selbstverständlichkeit.
Männliche Produkte werden ab den 16. Lebensjahr zu Wach- Schutz - und Regierungssoldaten ausgebildet und sie müssen einmal monatlich - nach sorgfältiger ärztlicher Un­tersuchung auf Viren- und Seuchenbefall - Samen spenden, der dann eingefroren wird und irgendwann einmal auf mei­nem Labortisch landet.
Weibliche Produkte werden zu Hausfrauen ausgebildet und mit 18 Jahren zur Vermietung an bevorrechtigte Personen vor­bereitet. Zwischen dem 12. Lebensjahr und Ihrer Vermie­tung werden ihnen etwa dreimal jährlich Eizellen entnom­men, die im Institut für die angestrebten Zwecke korrigiert und bis zu ihrem Einsatz eingefroren werden. Anschließend werden die Mädchen sterilisiert, um zu verhindern, daß sie sich unkontrolliert vermehren.

Ich gehöre zu dem privilegierten Personenkreis des Landes, die sich gegen geringes Entgelt solche Mädchen als Haus­hälterin anstellen (mieten) dürften, allerdings müßte ich sie nach (niedrigem) Tarif entlohnen und verköstigen. Ich dürf­te auch mit dem Miet- Mädchen schlafen, was die Entloh­nung aber erhöhen würde. Da ich aber (noch) Single bin und bei meiner Mutter wohne, werde ich vorläufig keine beschäftigen - noch gibt es einige frei aufgewachsene Mädchen, die ich kennen lernen und evtl. heiraten könnte, aber es werden immer weniger...
 


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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.09.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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