INHALT:
Schönhagen, ein kleines Dorf an der Ostsee. Gerade ist der 16-jährige Hauke mit der Mutter und dem jüngeren Bruder Henri hierhergezogen. Aus der Großstadt direkt in die Einöde - kann es etwas Schrecklicheres geben?
Hauke ist total gefrustet, er will mit den "Bauerntölpeln" in seiner neuen Umgebung nichts zu tun haben. Aber alles kommt ganz anders: Er verliebt sich in Maren, ein Mädchen aus dem Dorf, und verbringt mit ihr die schönste Zeit seines Lebens. Auch die problematische Situation in der Familie verbessert sich – nicht zuletzt durch Klaus, den neuen Freund der Mutter.
Dann zerbricht die Beziehung zwischen Hauke und Maren. Hauke, der die Trennung nicht verkraftet, driftet in eine Parallelwelt ab, verliert zusehends den Kontakt zur Wirklichkeit. Alles scheint auf eine Tragödie zuzulaufen...
Kalte Luft strömte herein, als ich die Haustür aufmachte. Die Straßenlaternen brannten schon, in ihrem Licht zeichnete sich Nebel ab. Ich schlug den Jackenkragen hoch, wickelte den Schal fester. Ein schneller, prüfender Blick: Gegenüber parkten ein paar Autos, Menschen sah man nirgends.
Plötzlich bekam ich wieder Schiss. Musste es wirklich sein? Gab es nicht doch einen Ausweg, irgendeinen? „Reiß dich zusammen“, fluchte ich leise und zwang mich, rauszugehen. Mit einem Ruck zog ich die Tür hinter mir zu.
Stille.
Wo waren die Verkehrsgeräusche? Der Autolärm, das Rumpeln der Züge? Konnte man wirklich nichts hören? Vielleicht ein Flugzeug am Himmel? Stimmen? Schritte? Ich hielt die Luft an, bewegte mich nicht mehr, konzentrierte mich total auf die Umgebung.
Nein, da war tatsächlich gar nichts. Nur eine einzige, tiefe Ruhe, wie ich sie bisher noch nie erlebt hatte.
Ich stand in einer fremden Welt. Hinter mir der Reihenhausblock, so niedrig, als hätten sie einfach ein paar Etagen weggelassen. Zwischen Block und Gehweg ein Streifen mit Vorgärten, begrenzt durch Jägerzäune: kurzgeschorener Rasen und säuberlich abgezirkelte Blumenbeete mit umgegrabener, nasser Erde. Auf der anderen Straßenseite eine Wiese, in etwa so groß wie ein Fußballfeld, links davon eine Handvoll Einfamilienhäuser. Nirgends kam ein Lebenszeichen aus ihnen, hinter keinem Fenster brannte Licht.
An der Ecke wäre ein Zigarettenautomat, hatte Henri gesagt. Ob das stimmte? Ich spähte in die Richtung, aber es war schon zu dunkel, um etwas zu erkennen. Egal, jetzt gab es kein Zurück mehr.
Die Gartentür quietschte leise beim Öffnen. Mir blieb fast das Herz stehen: In der Stille wurde der Ton zum ohrenbetäubenden Kreischen! Aber nichts passierte. Keine Haustür klappte auf, kein Fenster öffnete sich, niemand guckte neugierig – Glück gehabt! Erleichtert ging ich raus auf den Weg.
Noch immer war es ungewohnt, wieder saubere, blanke Gehwegplatten unter sich zu spüren, nicht mehr knirschenden Streusand. Er wurde jetzt überall weggefegt – eigentlich ein typisches Zeichen, dass der Winter endgültig vorbei war. Lange genug gedauert hatte er ja. Aber von Frühling merkte man auch noch nichts, Sonne und Wärme ließen auf sich warten. Es war eine komische, unwirkliche Zwischenzeit.
Der Block zog langsam an mir vorüber. Bis auf ihre unterschiedlichen Anstriche – grün, gelb, braun, orange – sahen die einzelnen Häuser immer gleich aus: Links neben der Haustür war das Küchenfenster, auf der anderen Seite die kleine Luke der Toilette im Erdgeschoss. Im ersten Stock lagen immer drei gleichgroße Fenster nebeneinander, das rechte mit Milchglasscheibe, weil es zum Badezimmer gehörte. Darüber kam schon das Dach. Auf einigen Treppen standen Blumentöpfe, aber nie wuchs etwas darin.
Eine aufgeräumte, saubere Welt. Ich hatte hier nichts verloren, war ein totaler Fremdkörper. Hinter den dunklen Fenstern schienen plötzlich überall Augenpaare aufzutauchen. 'Was ist das für einer?', hörte man es flüstern, und 'Was will der hier?' Panik kroch in mir hoch, der Weg wurde immer länger. Mensch, wo blieb nur der verdammte Automat? Wahrscheinlich gab es ihn gar nicht – so ein Vollidiot, dieser Henri!
Ich wollte schon aufgeben und umkehren, als ich ihn doch noch entdeckte: an der Außenwand des letzten Hauses. Man musste durch den Vorgarten gehen, um hinzukommen. Durfte man das überhaupt? Mensch, wer war so blöd, einen Zigarettenautomaten mitten auf ein Privatgrundstück zu setzen? Als ich zwischen den Blumenrabatten hindurchging, rechnete ich jeden Augenblick damit, dass ein Hund anschlug oder mich jemand aus dem Dunkel anbrüllte. Hastig zog ich eine Schachtel und sah zu, dass ich wieder auf die Straße kam.
„Keine Panik!", sagte ich mir beim Zurückgehen und versuchte ruhig zu bleiben, langsam und konzentriert einen Fuß vor den anderen zu setzen. Aber ohne es zu wollen wurde ich wieder schneller. Schließlich rannte ich fast.
Großes Aufatmen, als ich endlich wieder zur Haustür kam!
***
Ich hockte im Sessel und starrte Löcher in die Luft. Der Wecker tickte, die Zeit verrann, versickerte, verschwand im Nichts. Waren es Minuten? Stunden?
Der Arbeitslärm draußen auf dem Flur wollte einfach nicht enden. Unermüdlich schleppten Hartmann, Klaus und Henri Sachen nach oben. Bugsierten sperrige Teile durch den engen Treppenaufgang, riefen sich Kommandos zu. Nicht immer klappten ihre Manöver: Einmal rammten sie mit voller Wucht das hölzerne Treppengeländer – das Quietschen klang wie ein verzweifelter Aufschrei.
Vorhin hatte ich ja noch mitgeholfen. Aber seit meine eigenen Sachen oben waren, saß ich lieber hier und hörte mir an, wie sie da draußen keuchten und schnauften. Hatte ich ein schlechtes Gewissen? Na gut, vielleicht ein bisschen.
Nachher beim Abendbrot würden sie über mich herfallen, garantiert. Ich konnte jetzt schon ihr Gemotze hören: ‘Hauke, der faule Sack!’, ‘Hat uns total hängen lassen!’ und so weiter, blah blah. Egal! War es meine Idee gewesen, aus der Nordstadt wegzuziehen in ein elendes Kaff am Ende der Welt?
Zum x-ten Mal wanderte mein Blick durch diesen fremden Raum, der jetzt mein Zimmer sein sollte: Ein langgezogenes Rechteck, fast ein Schlauch. Ich saß an einer der Längsseiten, nicht weit weg von der Tür. Neben mir ein Tischchen für Aschenbecher, Zigaretten und Feuerzeug, dahinter ein zweiter Sessel. Unter dem Fenster der Schreibtisch, der sich einklappen ließ. Gegenüber ein Regal, das Bettsofa und schließlich der Kleiderschrank.
Außer der Sitzecke, die Klaus mir vermacht hatte, waren alle Möbel frisch aus dem Einrichtungshaus. Mein altes Zimmer war eine Ansammlung von Sperrmüll gewesen: ein speckiger Sessel, ein Schrank, der jeden Augenblick zusammenbrechen konnte, ein durchgelegenes Bett und so weiter. Früher hatte ich nie darüber nachgedacht, aber plötzlich wunderte ich mich, dass ich es in dem ollen Plunder so lange ausgehalten hatte.
Es war ein Bestechungsversuch, ganz klar. Die neuen Möbel sollten mich dazu bringen, das miese Spiel mitzuspielen, die Nordstadt einfach hinter mir abzuhaken. Aber da konnten sie lange warten. Hieß ich etwa Henri? Dieser Idiot von Bruder war selbst total gegen den Umzug gewesen. Aber kaum hatten sie ihm neue Sachen versprochen, war er zum Gegner übergelaufen – wieder mal typisch!
Auch auf Hartmann war ich sauer – so was nannte sich also Kumpel. Muttern und Klaus hatten ihn als Helfer geholt, gegen Bares. Schön und gut, aber musste man sich deshalb gleich so reinhängen? Er ackerte wie ein Bekloppter, wollte den Job perfekt erledigen, sich keine Blöße geben. Das war für ihn fast eine Frage der Ehre.
Wie schaffte Klaus es bloß immer, die Leute so einzuspannen? Irgendwas war an ihm, das alle begeisterte, sie dazu brachte, sich komplett für ihn aufzuopfern. Ein bisschen Lohn obendrauf tat dann ein Übriges.
Eigentlich hatte ich ja gedacht, dass Hartmann anders wäre, nicht so ein Umfaller. Großer Irrtum: Auf ein Fingerschnippen von Klaus hatte er sofort die Seiten gewechselt. Jetzt machte er gemeinsame Sache mit den anderen.
Und morgen verdrückte er sich wieder in die Nordstadt, ließ mich hier hängen – dieser elende Verräter!
***
Die Rockpalast-Nacht fing an. Ich hatte den Fernsehton weggedreht, ließ die Musik über meine Anlage kommen: Die Sendung wurde parallel im Radio übertragen, in Stereo. Gerade zeigten sie noch Ausschnitte von früheren Konzerten, alte Interviews und so Zeugs. Wenn nur das Bild besser gewesen wäre: Ständig verwischte es, wurde zu Schnee, alles Hin- und Herrücken der Zimmerantenne half nichts. Wahrscheinlich war man hier draußen einfach zu weit ab für normalen Empfang.
Hartmann hing wie ein Toter im Sessel – der Umzug hatte ihm den Rest gegeben. „Ohne ihn wären wir heute nicht fertig geworden“, hatte Klaus vorhin behauptet. „Geschuftet wie ein Tier hat der.“ Toll, dafür war er jetzt nicht mehr zu gebrauchen. Ich hatte eigentlich gehofft, noch ein bisschen mit ihm zu quatschen, immerhin war es unser letzter gemeinsamer Abend. Das konnte ich wohl vergessen.
Endlich der große Moment: The Who betraten die Bühne! Würden sie es noch bringen? Immerhin gingen sie stramm auf die 40 zu. Erst klangen sie tatsächlich etwas lahm, vor allem bei den Sachen vom letzten Album. Aber allmählich kamen sie in Fahrt, hauten einen Hit nach dem anderen raus. Bei „Who Are You?“ sprang der Funke dann endgültig über: Plötzlich stimmte alles, sie rockten wie in Trance. Daltrey ließ das Mikro durch die Luft wirbeln, dass man dachte, es fliegt weg, Townsend machte seine Windmühle an der Gitarre. Sogar die Lichtshow, bei The Who ja eigentlich Nebensache, sah auf einmal super aus. Sie hatten es also noch drauf, die alten Recken, ihnen machte keiner was vor! Bloß schade, dass Keith Moon nicht mehr dabei war. Kenney Jones mühte sich redlich, aber er blieb die ganze Zeit irgendwie steif, hatte einfach nicht diese entfesselte Power.
Hartmann bekam nicht mehr viel mit, er nickte ständig ein. Gerade sank ihm wieder der Kopf auf die Brust. Dabei hatte er sich vorhin noch am lautesten auf das Konzert gefreut – wirklich bitter!
Zwischen seinen Fingern steckte eine qualmende Zigarette. Gespannt beobachtete ich, wie sie immer weiter runterbrannte. Jeden Augenblick würde sie ihm die Pfoten versengen – geschah ihm recht, dem Penner! Dann hatte ich doch Erbarmen, nahm ihm den Glimmstängel aus der Hand. Zog selbst noch ein paarmal dran und drückte ihn im Aschenbecher aus.
Es war schon ein komisches Gefühl, endlich im eigenen Zimmer rauchen zu dürfen. Aber das riss es auch nicht mehr raus. Gern wäre ich zum Qualmen weiterhin auf die Straße gegangen, wenn wir dafür in der Nordstadt geblieben wären.
Zu allem Unglück fing heute Nacht auch noch die Sommerzeit an. Sie klauten einem einfach eine komplette Stunde. Hieß: Das Alleinsein hier draußen, in dieser verdammten Einöde, würde noch früher losgehen.
Bei diesem Gedanken blieb mir regelrecht die Luft weg.
***
Den dritten Tag war ich jetzt schon hier, und bis auf den kurzen Gang zum Automaten am Samstag hatte ich noch keinen Fuß vor die Tür gesetzt. Am liebsten wäre ich gar nicht mehr rausgegangen, auf ewig in meinem Zimmer geblieben. Aber das hätte auch nichts genützt. Selbst wenn ich in den Hungerstreik getreten wäre – Muttern hätte den Umzug niemals rückgängig gemacht. Eher wäre ich hier oben jämmerlich verreckt.
Hartmann, der Glückliche: Er war gestern mit Klaus in die Nordstadt zurückgefahren. 60 Kilometer lagen jetzt zwischen uns. Spontan bei ihm vorbeischauen, auf eine Zigarette, ein Bierchen – plötzlich ging das nicht mehr. Mensch, wir kannten uns seit Ewigkeiten, hatten immer alles zusammen gemacht – und von einem Tag auf den anderen war da nur noch Leere. Leere und endlose Langeweile. Robinson Crusoe konnte nicht beschissener dran gewesen sein als ich jetzt. Hauke Jansen auf seiner einsamen Insel.
Ich spürte eine Mordswut: Alles hatten sie mir weggenommen, regelrecht von mir abgeschnitten, diese Schweine! Mein komplettes Leben war auf dem Müllhaufen gelandet. Am liebsten hätte ich geschrien, den ganzen Frust aus mir rausgebrüllt, die anderen richtig schön zusammengestaucht. Aber sie waren alle ausgeflogen: Muttern zum Einkaufen, Henri unterwegs mit irgendwelchen neuen Kumpels und Klaus auf Arbeit.
Klaus – erst hatte ich ihn im Verdacht gehabt, hinter der Idee mit dem Umzug zu stecken. Er wohnte ja selbst irgendwo in dieser Gegend, mit Frau und zwei kleinen Kindern. Wenn er demnächst wie geplant geschieden war, wollte er ganz zu uns übersiedeln. Er hatte also zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Bei uns konnte er sich einnisten, gleichzeitig waren seine Kids nicht weit weg.
Aber Muttern schwor immer hoch und heilig, dass der Hauskauf allein ihre Idee gewesen wäre. Die Nordstadt hätte uns „kaputtgemacht“, behauptete sie. Nur Hochhäuser und Beton, besprühte Wände, eingeschlagene Scheiben, demolierte Sitzbänke und Spielplätze. Dazu der ganze Müll, den die Leute einfach aus den Fenstern schmissen statt in die Container. Wir hätten das nicht mehr nötig, meinte sie, könnten uns endlich was Besseres leisten. Super – und jetzt saß ich hier, durfte in der Nase bohren.
Die Schule mussten Henri und ich natürlich auch wechseln. Er war hier auf der Realschule angemeldet, ich kam auf irgendein „Kreisgymnasium“ in Eckhorst, 30 Kilometer entfernt. Auf die tägliche Fahrerei freute ich mich schon.
Wenigstens kamen jetzt erst mal die Osterferien. Zwei Wochen Gnadenfrist, bevor es hier richtig losging.
***
Schule wechseln – das klang übel.
In der Nordstadt brauchte man das nicht, da gingen alle aufs KBZ, das Kurt-Schumacher-Bildungszentrum. Gymmis, Haupt- und Realschüler – alles unter einem Dach. Irgendwo im Keller war auch eine Sonderschule. Das Gebäude hatte verdammte Ähnlichkeit mit einem UFO, mehr als 3.000 Leute wuselten herum in diesem Monster aus Stahl, Plastik und Glas. Einige kürzten „KBZ“ gern noch weiter ab – zu „KZ“.
Das war hart, aber es passte. Wer sich bei uns nicht knallhart durchsetzte, wurde früher oder später selbst plattgemacht. Die Lehrer hackten auf den Schülern rum, die Schüler revanchierten sich, indem sie die schwachen, gutmütigen Lehrer terrorisierten. Auch unter den Schülern selbst herrschte Kriegszustand, permanentes Hauen und Stechen. Man musste unbedingt Verbündete finden, sich einer Gruppe anschließen, notfalls selbst eine Gang gründen. Wer allein blieb, sah keine Sonne mehr.
Hartmann war das beste Beispiel. Früher hatte ihn keiner dabeihaben wollen, höchstens als nützlichen Idioten, als Ventil, um Dampf abzulassen. Regelrecht gequält hatten sie ihn. Wenn ich nicht angefangen hätte, ihn zu beschützen, wäre es ihm schlecht ergangen. Irgendwann hätten sie ihn endgültig fertiggemacht.
Wir kannten uns seit der ersten Klasse. Damals waren wir mit unseren sieben Jahren die beiden Ältesten gewesen – vielleicht der Grund, weshalb Frau Blank, die Klassenlehrerin, uns nebeneinander setzte. Begeistert war ich darüber erst mal nicht: Hartmann konnte ziemlich nervig sein, er machte andauernd Stress, störte den Unterricht. Ständig hatte er Panik, zu kurz zu kommen. Wenn er nicht ganz vorn dabei war, nicht die erste Geige spielte, flippte er aus, drehte total durch. Warf Sachen durch die Gegend, trat gegen Stühle, kippte den Tisch um. Er musste festgehalten werden, bis es vorbei war. Manchmal bekam er Schreikrämpfe, dann stopfte ihm Frau Blank einfach einen Lappen in den Mund.
Seinen Eltern war es anscheinend egal, was er trieb. Mehr als einmal lieferten ihn die Bullen im Klassenzimmer ab. Später erfuhr ich, dass Hartmanns Mutter schon frühmorgens zu ihrem Putzjob musste. Und sein Vater, der arbeitslos war, stand meistens erst mittags auf, weil er sich am Abend vorher die Hucke zugesoffen hatte. Niemand interessierte sich also groß für Hartmann und dessen jüngere Schwester Bettina. Kein Wunder, dass er ab und zu „vergaß“, in die Schule zu kommen, lieber durch die Gegend stromerte.
Prügeln konnte er sich überhaupt nicht. Jede, buchstäblich jede Klopperei verlor er, sogar gegen Mädchen. Ein einziger, gut gesetzter Schlag, und es war vorbei. Er fing an zu heulen, rannte weg, alles mögliche – er war wirklich eine total Null. Trotzdem legte er sich ständig mit irgendwelchen Leuten an. Meistens wollten sie ihn bloß verarschten und zur Weißglut bringen, aber das kapierte er nicht. Immer wieder ging er ihnen auf den Leim, wollte die Sache schließlich mit Fäusten regeln, und dann gab's Saures. Irgendwie stand ihm „Schlag mich!“ auf die Stirn geschrieben, und natürlich erfüllten ihm alle diesen Wunsch.
Er war also selbst schuld an seinem Schicksal, trotzdem tat mir der Kerl leid. Alle Welt benutzte ihn als Fußabtreter, sie schlugen und vermöbelten ihn, wo sie konnten – es war heftig. Aber typisch KBZ. Irgendwann hatte ich genug. Ich fing an, ihn zu verteidigen, lenkte den Ärger auf mich, den er sich gerade mal wieder eingehandelt hatte. Weil ich eher schmächtig war, wurde ich meistens unterschätzt. Aber ich war schnell, außerdem hatte ich Stehvermögen, konnte viel einstecken, geduldig auf meine Chance warten. Und die kam fast immer.
Als Gegenleistung für meine Schutzdienste nahm Hartmann mich nachmittags mit auf Tour. Außerhalb der Schule hatte er jede Menge Kumpels. Viele waren älter als wir, sie rauchten, hatten Waffen. Einige klauten wie die Raben in den Supermärkten und verhökerten ihre Ware untereinander – Klamotten, Werkzeug, technische Geräte. Manchmal ging es zu wie auf dem Basar. Bei einer Gruppe waren wir ziemlich oft. Ich hatte jedes Mal Muffe, wenn wir hingingen, trotzdem kam ich immer wieder mit. Sie waren die Größten, jeder in der Nordstadt kannte ihre Namen. Da war Holgi, so was wie der Kopf der Gang. Er hatte schon häufiger mit den Bullen zu tun gehabt, war sogar mal im Jugendknast gewesen. Wolkan konnte Karate und Kung-Fu. Manchmal machte er sich einen Spaß daraus, Leute auf die Matte zu legen, wenn sie ihm blöd kamen. Salami, der eigentlich Selim hieß, klaute ständig Mofas und kurvte damit rum, dabei war er erst zwölf. Der Härteste war Ramos. Er hatte eine echte Knarre, die er wie einen Schatz hütete. Einmal ließ er uns näher ran. Das sei eine Polizeiwaffe, erklärte er, eine P6 von SIG Sauer. Und zum Beweis, dass er sich mit dem Ding auskannte, ließ er das Magazin rausspringen. Wir waren natürlich mächtig beeindruckt.
Bei mir zu Hause lief es ähnlich wie bei Hartmann: Niemanden kümmerte es, was ich tagsüber trieb. Muttern arbeitete in der Nordstadt-Klinik. Sie kam erst spätabends oder nachts zurück, wenn Henri und ich schon in der Falle lagen. Ursprünglich hatte sie in der Klinik-Kantine angefangen, als ungelernte Kraft. Später war sie ins Büro gewechselt, hatte nebenbei einen Abschluss als Sekretärin gemacht. Auch danach hatte sie sich laufend weitergebildet und war immer höher aufgestiegen. Mittlerweile lief ohne sie nichts wohl mehr in dem Laden. Dafür musste sie aber endlos Überstunden schieben.
Vaddern machte einen Deppenjob, überwachte auf der Werft irgendwelche Maschinen. Abends genehmigte er sich gern noch ein Schlückchen in der „Schwarzen Hand“, einer berüchtigten Spelunke am Einkaufszentrum, in der so manches Monatsgehalt komplett versoffen wurde. Wenn er spätabends oder nachts endlich nach Hause kam, natürlich jedes Mal völlig blau, kriegte er meistens seinen Moralischen. Saß stundenlang in der Küche und jammerte. Wie mies der Job wäre, dass er die Schnauze voll hätte, ohne uns längst abgehauen wäre und solche Sachen. Zwischendurch hörte man ihn in die Spüle reihern.
Am Anfang hatte Muttern immer versucht, ihn zu beruhigen und zu trösten, aber irgendwann war ihr wohl der Geduldsfaden gerissen. Mittlerweile gab sie Contra, wenn Vaddern in der Küche seine nächtliche Show abzog, manchmal klatschte es auch laut. War ihr da die Hand ausgerutscht? Ich wollte es gar nicht so genau wissen, wollte am liebsten überhaupt nichts sehen und hören von dem ganzen Elend. Keine Ahnung, wie ich es immer schaffte, wieder einzupennen.
Mitleid war es garantiert nicht, was ich Vaddern gegenüber empfand. Eher Horror, dass man so runterkommen konnte. Aber schlussendlich war mir der Typ egal. Er war eh bloß unser Stiefvater. Der richtige hatte vor Ewigkeiten die Biege gemacht, ich konnte mich kaum noch an ihn erinnern. Muttern hatte dann schnell wieder geheiratet, seitdem gab es halt Vaddern und sonst nichts.
Genau genommen hatten wir sogar Glück mit ihm gehabt. Wenigstens prügelte und randalierte er nicht, wie so viele andere in der Nordstadt. Höppner im zehnten Stock zum Beispiel flippte fast jeden Abend aus. Pausenlos hörte man es da oben scheppern und klirren, dazwischen kreischte die Frau unverständliches Zeugs. Eric, der Sohn, hatte ständig geschwollene Lippen und Veilchen. Es hieß sogar, dass Höppner es mit seiner Tochter trieb. Dann lieber eine Flasche wie Vaddern.
Und ich konnte jeden Nachmittag mit Hartmann losziehen, ohne dass es dämliche Fragen gab. Die Treffen mit ihm, die Besuche bei Holgis Clique – das alles war mir bald wichtiger als jede Scheiß-Familie. Holgi und seine Leute waren schlicht die Größten. So wie sie wollten Hartmann und ich später auch sein. Am besten noch gefährlicher. Unsere Gang sollte die heftigste werden, die es in der Nordstadt je gegeben hatte. Die Leute würden sich unsere Namen nur zuflüstern, aus Angst, weil wir so berüchtigt waren, aber auch aus Ehrfurcht, weil sie uns bewunderten.
Es machte Spaß, sich mit Hartmann solche Geschichten auszudenken. Obwohl ich insgeheim natürlich wusste, dass sie ein Traum bleiben würden. Hartmann und gefährlich – wie sollte das wohl funktionieren? „Hartmann“ – allein dieser Name stand für einen schlechten Scherz. Aber darüber dachte ich nicht nach.
Nach der Vierten kam er auf die Hauptschule. Erst sollte ich dort auch hin, aber dann meinte unser Lehrer für Schreiben und Lesen, ich wäre am Gymnasium besser aufgehoben. Ergebnis: Als die Schule wieder losging, waren Hartmann und die anderen plötzlich weit weg. Zehn Minuten musste man durchs riesige Gebäude laufen, um sie zu sehen. Klar, ich besuchte sie so oft wie möglich, trotzdem war es jetzt anders als früher: Viele Leute, über sie quatschten, kannte ich nicht. Auch die Namen ihrer neuen Lehrer hatte ich noch nie gehört.
Bald verbrachte ich nicht mehr jede Pause drüben im Hauptschultrakt. Das Gerenne nervte auf Dauer, außerdem gab's auch in meiner neuen Klasse ein paar Leute, die ganz nett waren. Aber nicht bloß am KBZ sah ich Hartmann jetzt seltener, auch nachmittags unternahmen wir immer weniger zusammen.
Schließlich verloren wir uns komplett aus den Augen. Ich hörte rein gar nichts mehr von ihm, wusste nicht mal, ob er überhaupt noch in der Nordstadt wohnte.
***
Tag Numero fünf. Muttern, Henri und ich saßen beim Essen: Koteletts mit Stampfkartoffeln und Gemüse. Schmeckte eigentlich ganz lecker – ich hatte gar nicht gewusst, dass Muttern so gut kochen konnte.
Von jetzt ab sollte es täglich eine gemeinsame Mahlzeit geben: mittags, so lange Muttern Urlaub hatte, und abends, wenn sie wieder zur Arbeit musste. Bisher hatten Henri und ich immer in der Schulkantine gegessen. In den Ferien, wenn dort zu war, hatte Muttern uns morgens vor der Arbeit Geld hingelegt, damit wir uns selbst was zum Beißen kauften. Meine Kohle war natürlich meistens für Süßigkeiten und Comics draufgegangen, später für Tabak.
„Willst du heute nicht mal rausgehen?“, fragte sie, als ich mir gerade einen zweiten Berg Püree auf den Teller schaufelte.
Ich warf ihr einen extra genervten Blick zu. Ging das jetzt schon wieder los? Was kümmerte es sie, dass ich die ganze Zeit drinnen hockte? Überhaupt: Wieso interessierte sie sich plötzlich dafür, was ich trieb? Ich wollte nicht, dass sie anfing, in meinem Leben herumzuschnüffeln. Bisher war ich immer gut alleine klargekommen.
Drei Wochen hatte sie freigenommen, um sich „gemeinsam mit uns einzuleben“, wie sie es nannte. Drei volle Wochen – so lange war sie vorher nie zu Hause gewesen. Es fühlte sich verdammt komisch an, sie auf einmal ständig zu sehen.
Neulich hatte sie mir geraten, hier neue Freunde zu finden. „Freunde finden“ – wie das klang! So was erledigte man doch nicht wie Hausaufgaben. Entweder es ergab sich oder eben nicht. Diese plötzliche Fürsorglichkeit ging mir absolut auf den Zeiger, sie wirkte aufgesetzt, unehrlich. Nach ihrem Urlaub würde garantiert alles wieder werden wie bisher in der Nordstadt.
„Weshalb gehst du nicht mal mit Henri los?“, fragte sie. „Der kennt hier schon Leute. Vielleicht kannst du dich da ja anschließen.“
Vor Schreck blieb mir glatt das Essen im Hals stecken. Mit Henri losgehen? Diesem Riesenbaby, das aussah, als wäre es gerade zehn geworden? Hatte sie noch alle Tassen im Schrank?
In Wirklichkeit war Henri 15, also bloß ein Jahr jünger als ich. Wir waren sogar zusammen eingeschult worden – zum Glück in unterschiedliche Klassen. Inzwischen ging er einen Jahrgang tiefer, weil er in der Siebten sitzengeblieben war. In der Nordstadt hatte er sich nachmittags immer mit Jüngeren herumgetrieben. Dort war er natürlich der Big Boss gewesen, der alle nach Lust und Laune herumkommandieren konnte. Wer nicht parierte, bekam Kloppe oder flog ganz raus. „Henri und seine Minirocker“ hatte man sie überall genannt. Oder auch „die Müllmänner“, weil sie gern in die Müllcontainer der Wohnblöcke stiegen und sich dort einnisteten. Es hieß immer, sie hätten da drinnen regelrechte Höhlensysteme angelegt, in denen sie hausten, ähnlich wie die ganzen Penner und Obdachlosen der Gegend.
Und mit so einem Idioten sollte ich jetzt durch die Gegend ziehen? Ernsthaft? Muttern kapierte wirklich gar nichts, sie behandelte mich noch immer wie den kleinen Jungen aus der Grundschule.
Aber diese Zeiten waren lange vorbei!
***
In der Achten waren die ganzen Sitzenbleiber in unsere Klasse gekommen, Dominik, Thorsten, Gerhard, Zucki und so weiter. Mit einem Schlag wurde alles anders, keine Spur mehr von der drögen Langeweile in der Schule, wie bisher. Die Neuen waren älter, selbstbewusster und irgendwie cooler, schnell entstand eine Clique um sie herum. Unser verbindendes Element war das Rauchen. Es unterschied uns von den anderen, den Strebern und Schnarchnasen. In den Pausen verdrückte sich unser Trupp immer gesammelt vom Schulgelände, um eine zu qualmen. Ab und zu zogen wir auch eine Tüte durch.
Nach den letzten Sommerferien kamen noch mehr Leute, die bei uns eine Ehrenrunde drehen mussten. Jetzt war endgültig Party angesagt. Wir machten uns einen Spaß daraus, den Unterricht regelrecht zu sabotieren, alles im Chaos versinken zu lassen. Von den Scheiß-Lehrern ließen wir uns gar nichts mehr sagen, die kriegten nur Druck. Manchmal schafften wir es, dass sie heulend rausliefen, das feierten wir immer wie einen Sieg.
Auch in der Nordstadt herrschte seit einiger Zeit Aufbruchstimmung. Überall bildeten sich Cliquen, formierten sich um, lösten sich wieder auf, alles war ständig in Bewegung. Der Treffpunkt ergab sich meist zufällig: eine Sitzbank, ein Spielplatz in der näheren Umgebung – was sich gerade anbot. Man hockte zusammen, laberte, machte Quatsch. Wenn man Bock hatte, drehte man eine Runde, zeigte sich unter den Leuten.
Ich gehörte nirgends fest dazu, war bald hier dabei, bald dort. Aber genauso wollte ich es. Wenn man unabhängig blieb, bekam man besser mit, was im Viertel lief.
Eines Nachmittags hing ich mit ein paar Kumpels bei mir vor der Haustür ab. Piet war dabei, ein Typ aus dem Nachbarblock, der schon als Knirps die Keller der Gegend aufgebrochen hatte. Und Marcel, der in meine Parallelklasse ging. Wie die meisten der Gymmis am KBZ wohnte er nicht direkt in der Nordstadt, sondern in der Jahn-Siedlung, einem Nachbarstadtteil. Die Leute von dort galten eigentlich als Schnösel, mit denen sich keiner abgab, aber Marcel war eine Ausnahme. Er schimpfte am lautesten von allen über sein Viertel, nannte es immer „Bonzennest“, wollte es am liebsten abfackeln und so weiter. Auch sonst gab er sich extra hart. Zum Beispiel kannte ich keinen, der so viel klaute wie er.
Wir saßen also bei mir vor der Haustür und laberten. Zum x-ten Mal musste Marcel eine Schachtel Camel rumreichen, aus der wir uns bedienten. Sie war Teil seines letzten Raubzuges: Zehn Stangen hatte er angeblich aus dem Edeka-Markt im Einkaufszentrum rausgetragen. Wie, das blieb sein Geheimnis.
„Nachher kommt noch ein alter Bekannter“, meinte Piet irgendwann. Ich dachte mir nichts dabei und fragte nicht weiter nach. Wenig später sah ich aus den Augenwinkeln einen Typen auf uns zusteuern. Ich hatte das Gefühl, ihn zu kennen, aber der Groschen wollte und wollte nicht fallen. Erst als der Kerl sich direkt vor uns aufbaute, kam mir die Erleuchtung: Es war Hartmann. Und war es doch nicht. Meine Fresse, wie der sich verändert hatte! Das Haar hing ihm lang und verfilzt auf die Schultern herab, über der Lippe und am Kinn spross dichter, rötlicher Bartflaum. Sein Gesicht war kantig und knochig geworden, es zeigte keine Spur mehr von der alten Gutmütigkeit, die den ständigen Schlägen getrotzt hatte. Dazu dieser Blick – etwas Berechnendes, fast Heimtückisches lag in ihm, das einem unwillkürlich Respekt einflößte.
Wir quatschten über harmlose Sachen. Was gerade abging in der Nordstadt, wie cool es früher gewesen war und ähnliches. Es war wie ein vorsichtiges gegenseitiges Abtasten – an diesen neuen, fremden Hartmann mussten wir uns erst mal gewöhnen. Er und Piet gingen seit kurzem in eine Klasse. Piet hatte ihm erzählt, dass wir uns heute hier treffen würden, und Hartmann hatte sofort zugesagt, vorbeizukommen.
Diese erste Begegnung dauerte nicht lange, aber von nun an sah ich Hartmann wieder öfter. Mit dem Looser und Prügelknaben aus der Grundschule hatte er keine Ähnlichkeit mehr. Er wirkte abgehärtet, gestählt. Man hatte das Gefühl, ihm besser nicht blöd zu kommen. Die alten Sticheleien und Witzchen, mit denen wir ihn früher immer aufgezogen hatten, ließen wir jetzt lieber bleiben – auf einmal hatten alle ein bisschen Muffe vor ihm.
Zu recht, wie sich bald zeigte. Eines Nachmittags latschten Piet und ich gemeinsam mit Hartmann runter zum Einkaufszentrum, um Bier zu holen. Auf der Betonmauer neben dem Edeka-Markt saßen oft Alkis und soffen. Auch heute lungerte dort ein Typ rum, etwas älter, stämmig gebaut, in der Hand die unvermeidliche Bierdose, schon ziemlich einen im Kahn. Als wir an ihm vorbei zur Eingangstür gingen, laberte er uns blöd an. Früher wäre Hartmann bei dieser Sorte sofort abgehauen. Jetzt machte er halt, guckte den Säufer neugierig, fast provozierend an.
„Was willsu, Milchgesicht?“, brüllte der, „ist das hier’n Zoo, oder was?“ Er stand auf, warf die halbvolle Dose in die Ecke, Bierschaum spritzte durch die Gegend. Der Platz vorm Ladeneingang war mit einem Mal wie leergefegt. Piet nickte mir beschwörend zu. Ich verstand, wollte Hartmann am Ärmel greifen und in den Laden ziehen. Notfalls dem Besoffenen irgendwas Lustiges zurufen, zur Besänftigung. Aber der Typ holte bereits aus. Scheiße, dachte ich, das geht nicht gut.
Hartmann, der den Schlag längst erwartet hatte, sprang zur Seite. Die Faust rauschte weit an ihm vorbei, fast meinte man den Luftzug zu spüren. Der nächste Schlag kam, und wieder wich Hartmann problemlos aus. Das wiederholte sich ein paarmal. Hartmann hatte zu tänzeln angefangen, wie ein Boxer. Der Säufer war inzwischen stark am Keuchen.
Urplötzlich knipste Hartmann sein Grinsen aus wie eine Lampe und schlug selbst zu. Fast ohne Ansatz, genau auf die Nase. Es klatschte laut. Der Typ ging nach unten, hielt sich mit beiden Händen den Zinken. Hartmann packte seine Ohren und rammte ihm mit voller Wucht das Knie in die Fresse. Der Alki taumelte, fiel, knallte mit dem Hinterkopf gegen die Betonbrüstung. Gerade wollte er sich berappeln, als Hartmann zutrat, mit der Stiefelspitze mitten ins Gesicht. Und noch mal, immer und immer wieder. Ich sah das Blut, den Körper, wie er sich zusammenkrümmte, beim nächsten Tritt wieder zurückflog, hörte das Stöhnen und Jammern. Schließlich fasste ich Hartmann an der Schulter, um ihn wegzuziehen.
Er fuhr herum wie von einem Stromschlag getroffen. Sein Gesicht war völlig bleich, um die Augenhöhlen hatten sich Schatten gebildet, zwischen den Brauen lag eine tiefe Falte. Erkannte er mich nicht? Unwillkürlich bekam ich Schiss…
Aber schon hellte sein Blick sich wieder auf. Das unheimliche Glimmen in den Augen verschwand, auch das Gesicht bekam wieder Farbe. Piet und ich nahmen ihn zwischen uns. Wir mussten schleunigst die Biege machten, bevor es Ärger gab. Um den Alki würde sich schon jemand kümmern – war nicht das erste Mal, dass da einer vorm Eingang lag.
Noch tagelang waren wir wie geplättet von Hartmanns Aktion. Hatte er in der Zwischenzeit Karate gelernt? Alles war wie programmiert abgelaufen. Jede Bewegung einstudiert und tausendmal geübt, nichts dem Zufall überlassen. Wie eine Maschine. Nur am Schluss, da war ihm ein bisschen die Sicherung durchgebrannt.
Von Piet erfuhr ich, dass er eine ganze Weile völlig von der Bildfläche verschwunden war. Aber was er in dieser Zeit getrieben hatte – keiner wusste es. Hartmann selbst schwieg sich darüber aus. Sobald man ihn auf das Thema ansprach, wurde er wortkarg und abweisend. Offenbar wollte er darüber nicht quatschen.
Die Story mit dem Alki verbreitete sich in der Nordstadt wie ein Lauffeuer. Mit einem Schlag war Hartmann anerkannt. Mehr noch: Er war jetzt eine Persönlichkeit, über die alle mit höchstem Respekt redeten. „Hartmann“ – auf einmal passte dieser Name wie die Faust aufs Auge.
In einem Punkt hatte er sich allerdings überhaupt nicht verändert: Er war noch immer der totale Vorweggeher und Klarmacher. Wusste diverse günstige Quellen für Kippen, Bier, Dope. Kannte sämtliche wichtigen Leute – Dealer, Waffenhändler, Schläger, die Bosse der großen Cliquen. Und das, obwohl er so lange weg vom Fenster gewesen war. Ich hatte eigentlich geglaubt, zu wissen, was bei uns abgeht. Hartmann belehrte mich eines Besseren. Wieder mal war er es, durch den ich unser Viertel erst richtig kennenlernte.
***
Das Essen war vorbei, ich hatte mich wieder nach oben verzogen. Träge saß ich in meinem Sessel, rauchte Kette und starrte aus dem Fenster.
Draußen goss es gerade wie aus Eimern. Das ruhige, neblige Wetter vom Wochenende hatte sich leider nicht gehalten, seit heute kam ein Schauer nach dem anderen herunter. Heftige Windböen zerrten und rissen am Hausdach, dass es nur so knarrte und knackte. Wenn es irgendwann ganz weggeflogen wäre, hätte ich mich nicht gewundert. Und immer wieder wurden die Tropfen plötzlich zu dicken Flocken, ein regelrechtes Schneegestöber entstand.
Hatte ich doch geahnt, dass der Winter noch nicht ausgestanden war! Er kam immer wieder zurück, war einfach nicht totzukriegen. Mittlerweile konnte ich mich kaum noch daran erinnern, dass es auch etwas anderes gab als Sturm, Schnee und Dunkelheit.
Am Freitag würde ich mit Muttern nach Eckhorst fahren, irgendwelche Formalitäten für meine Einschulung regeln. Die Fahrt lag mir wie ein Wackerstein im Magen. War diese neue Schule komplett anders als das KBZ oder konnte man den Wechsel dorthin locker meistern? Wie würde es überhaupt nach den Osterferien werden?
Eigentlich war für Schönhagen eine ganz andere Schule zuständig, in einem Ort namens Schmölln. Aber der Schulbus dorthin brauchte wohl ewig, weil er unterwegs sämtliche Dörfer abklapperte. Das wollte Muttern mir ersparen. Eckhorst lag auf ihrem Weg zur Arbeit, eine halbe Autostunde von hier weg. Sie würde mich morgens mitnehmen und unterwegs absetzen. Zurück sollte ich den Linienbus nehmen. Das war sicher alles gut überlegt, trotzdem klang es nervig und kompliziert. In der Nordstadt war ich zu Fuß zur Schule gegangen, gerade mal zehn Minuten hatte das gedauert.
Einen dämlicheren Zeitpunkt zum Umziehen hätte Muttern sich wahrlich nicht aussuchen können. Im letzten Halbjahr war ich schulmäßig derbe abgestürzt, hatte ein katastrophales Zeugnis eingefahren. Ein Riesengeschrei war losgebrochen, die Pauker hatten sogar damit gedroht, mich auf die Realschule zu entsorgen. Eigentlich ließ ich mir von denen gar nichts sagen, aber mit dieser Ankündigung hatten sie mich auf dem falschen Fuß erwischt. Bei uns mochte es beschissen gewesen sein, aber lange nicht so schlimm wie auf der Haupt- und Realschule. Plötzlich war mir mulmig geworden. Ich hatte mich zusammengerissen und versucht, den Karren aus dem Dreck zu ziehen, zu retten, was noch zu retten war. Mit Erfolg: Inzwischen sah es längst nicht mehr so übel aus wie im Winter. Vielleicht hätte es sogar mit der Versetzung noch geklappt.
Und ausgerechnet jetzt sollte ich auf eine neue Schule wechseln, wo ich niemanden kannte, völlig neue Lehrer bekam. Wie sollte das wohl funktionieren? Es war, als hätte mir jemand in vollem Lauf ein Bein gestellt.
Wie bisher jeden Tag würde ich bis zum Abendbrot hier sitzen bleiben. Und nach dem Essen wieder so lange fernsehen, bis ich vor der Glotze einschlief. Morgen ging dann alles von Neuem los.
Vielleicht würde ich nachher mal bei Hartmann anrufen. Über Ostern wollte ich ihn in der Nordstadt besuchen. Ostern – das waren noch zweieinhalb Wochen! Wie sollte ich die bloß rumkriegen?
***
Hartmann und ich – die erste Begegnung vor der Haustür lag noch nicht lange zurück, da trafen wir uns wieder jeden Nachmittag. Manchmal kam auch Piet mit. Es war ein bisschen wie früher, zu Grundschulzeiten: Wir streiften durchs Viertel, besuchten die verschiedenen Cliquen, hingen mit den Leuten ab.
Aber am liebsten gingen wir runter zur „Bahnschiene“. So hieß in der Nordstadt die Strecke der Hafenbahn, die hinter dem Viertel verlief. Vormittags kam hier ein Zug nach dem anderen und brachte Kohlen runter zum Kraftwerk am Kanal. Nachmittags hörte das auf, dann war die Schiene unser Reich. Hier konnten wir machen, worauf wir Bock hatten, egal ob rauchen, saufen oder kiffen. Keiner stresste deswegen rum, rief die Bullen oder sonst was. Auf die Schiene verirrte sich niemals ein Erwachsener.
Zuerst latschten wir immer ein Stückchen. Der Trippelschritt über die Holzschwellen war uns längst in Fleisch und Blut übergegangen. Schließlich setzten wir uns irgendwo hin, zogen eine Tüte durch, machten uns ein Bier auf. Es war total entspannt. Oft trafen wir Leute, die ebenfalls hier draußen herumstreunten.
Wenn wir Lust hatten, erkundeten wir das alte Militärgelände hinter der Schiene. Es war nach dem Krieg aufgegeben worden, und längst hatte sich die Natur das Gebiet zurückerobert. Zwischen den gesprengten und halb verfallenen Bunkern gab es diverse wilde Müllkippen. Die Leute schleppten ihr altes Zeugs anscheinend lieber hierher, als es ordnungsgemäß zu entsorgen. Uns sollte das nur recht sein: Wir schichteten regelrechte Gebirge aus Sperrmüll, Plastik, Kartons auf und zündeten sie an. Wenn die Flammen am höchsten loderten, warfen wir alte Spraydosen hinein, gingen in Deckung und warteten gespannt, dass sie explodierten.
Manchmal schlugen wir uns bis zum Kanalufer durch. An einem ehemaligen Hafen standen noch immer ein paar rostige Wracks herum, irgendwelche alten Tank- und Versorgungsschiffe. Wir kletterten in die stählernen Schiffsrümpfe und Steuerhäuser und suchten nach verwertbaren Gegenständen. Natürlich immer erfolglos, weil längst alles ausgeschlachtet war.
Das Gelände hinter der Bahnschiene war auch der ideale Platz für unsere Schießübungen. Wir hatten mittlerweile eine eigene Knarre, eine Walther TPH. Hartmann hatte sie besorgt, über irgendwelche Kanäle, die nur ihm bekannt waren. Für die Munition hatten wir zusammengelegt. Wir zielten auf Dosen und Flaschen, Hartmann und Piet manchmal auch auf Ratten und Kaninchen. Aber die verfehlten sie meistens. Überhaupt blieben wir alle ziemlich miserable Schützen.
Eines Tages fanden wir inmitten des Schienengeländes einen Platz, der uns gefiel. Wir schleppten zwei Sofas und einen Couchtisch von der nächsten Müllkippe heran, stellten die Sachen zusammen und hatten ein Wohnzimmer unter freiem Himmel. Sogar einen alten Kanonenofen trieben wir auf, für die Abende, die immer noch ziemlich frisch waren. Aus Mangel an Kohlen heizten wir ihn mit Pappe und Müll. Leider war immer alles fix heruntergebrannt und die heimelige Wärme, die sich einen Moment lang ausgebreitet hatte, wieder verflogen.
Aber bald brauchten wir keinen Ofen mehr. Der Sommer kam, und er wurde bombastisch: wochenlang nur blauer Himmel und Affenhitze. Wer konnte, flüchtete aus der Nordstadt und kam hierher, ins Gelände hinter der Bahnschiene. Unsere Sitzecke entwickelte sich mehr und mehr zu einer zentralen Anlaufstelle. Bald versammelte sich die halbe Nordstadt bei uns. Selbst diejenigen, die man sonst nur selten traf, die total ihr eigenes Ding machten, kamen plötzlich angelatscht.
Zum Beispiel die Leute aus der Bunker-Clique. Der Name spielte auf ihren Treffpunkt an: Sie hatten sich einen der alten Bunker hergerichtet, von denen es hinter der Bahnschiene so endlos viele gab. Ihrer sollte angeblich besonders gut erhalten sein. Aber Genaueres ließ sich nur schwer in Erfahrung bringen, denn bisher war kaum jemand dort gewesen. Die Bunker-Leute achteten peinlich genau darauf, wer bei ihnen ein- und ausging.
Aus gutem Grund: Alles Dauerhafte wurde in der Nordstadt früher oder später plattgemacht, von Chaoten und anderen Leuten, die Dampf ablassen wollten. Das AWO-Jugendheim war das beste Beispiel, immer wieder schlugen irgendwelche Psychos dort alles kurz und klein. Eigentlich gab es bei uns überhaupt keine offiziellen Gruppen oder Versammlungsorte. Cliquen bildeten sich zufällig und verschwanden ebenso schnell wieder. Treffen tat man sich, wo es gerade passte. Etwas Festes aufzubauen machte schlicht keinen Sinn.
Die Leute aus der Bunker-Clique waren die Einzigen, die diese Regel ignorierten. Sie hatten einen festen Treff, und man musste Mitglied bei ihnen werden. „Der Bunker“ – jeder im Viertel sprach diese Worte mit Respekt aus. Etwas Legendenumwobenes, geradezu Mystisches haftete ihnen an. Als wäre damit ein geheimer Zirkel gemeint, dessen Angehörige nur ihren eigenen Gesetzen gehorchten. Und irgendwie stimmte es ja auch.
Wir waren natürlich stolz wie Oskar, dass solche Stars sich jetzt ausgerechnet bei uns trafen. Klar, es lag es vor allem am Wetter. Aber statt sich eine eigene Sitzecke einzurichten zogen sie unsere vor – es war wirklich der Hammer!
Im Herbst, als Sonne und Wärme sich allmählich rar machten, folgte die nächste Überraschung: Die Bunkerleute boten uns Asyl an, als Gegenleistung. Wir waren erst mal uneins über das Angebot. Hartmann wollte nicht, er meinte, da drinnen würde unsere Dreierfreundschaft den Bach runtergehen. Mich dagegen lockte die Aussicht auf Wärme und ein Dach über dem Kopf. Die Regentage häuften sich, abends wurde es mittlerweile wieder arschkalt. Außerdem war es eine Ehre, von der Bunker-Clique aufgenommen zu werden. Alle in der Nordstadt wollten das, aber kaum jemand schaffte es – so eine Chance musste man einfach nutzen, fand ich. Piet hatte keine Meinung, aber am Ende konnte ich ihn auf meine Seite ziehen.
Und so kam der Tag, da wir zum ersten Mal den berühmten Bunker betraten. Der Eingang lag hinter einem Labyrinth aus Trümmern und war selbst aus unmittelbarer Nähe kaum auszumachen. Drinnen sah es ein bisschen wie in einer Höhle aus. Durch die Sprengung war eine Art Tunnel entstanden, ungefähr zwei Meter breit und acht Meter tief. Die Bunkerleute hatten den Boden mit Holzpaletten ausgelegt und diese wiederum mit alten Teppichen abgedeckt. Am Rand lagen überall Matratzen. Und in jeder Ecke stand ein Ofen. Der Rauch wurde durch ein abenteuerliches Geflecht aus Rohren abgeleitet. Fenster gab es natürlich keine. Petroleumfunzeln sorgten für Licht, die auch tagsüber angezündet werden mussten. Im Sommer konnte man sich Schöneres vorstellen, als hier drinnen zu hocken. Aber jetzt, im Herbst, wirkte alles heimelig und urgemütlich.
Eine gute Zeit begann: Kein Rumgerenne bei Kälte und Dauerregen mehr, stattdessen jeden Nachmittag herkommen, auf die Matratzen fläzen, mit den Leuten quatschen. Es war total lustig. Und immer mollig warm – die Kanonenöfen taten gute Arbeit. Einige in der Clique waren regelrechte Experten in Sachen Heizen. Das Kohlenschleppen ging eigentlich reihum, aber ich schaffte es immer, mich zu drücken.
So ließ es sich aushalten. Dass wir früher die Winter immer draußen verbracht hatten, konnten wir uns bald nur noch schwer vorstellen.
***
Muttern wollte zum Einkaufen fahren, in einen Nachbarort namens Söderby. Ich musste mit, tragen helfen, sämtliche Proteste verhallten wirkungslos. Es ging also raus, in Feindesland, zum ersten Mal nach sechs Tagen Stubenhocken.
Zum Glück dauerte die Autofahrt nicht lange. Der weitläufige Parkplatz vorm Supermarkt war so gut wie leer. Ich wunderte mich, wozu es in dieser gottverlassenen Gegend so einen Riesenladen gab. „Das ist hier eine Ferienregion“, erklärte Muttern. „Wenn die Saison losgeht, kommen die Urlauber. Die Geschäfte sind dann sogar sonntags offen. Danach fällt alles wieder in den Winterschlaf. Klaus hat erzählt, dass viele Läden dann zwischen eins und drei zu haben.“
Drinnen teilten wir uns auf. Muttern wieselte mit dem Einkaufswagen durch den Markt, ich stand am Fleischtresen an. Der Fleischer war ein uriger Typ mit roter Nase, Händen wie Klosettdeckeln und einem gutmütigen Grinsen. Er kannte alle Kundinnen vor mir mit Namen, redete Platt mit ihnen. Als ich drankam, schaltete er auf Hochdeutsch um, nannte mich „Junger Mann“. Seine plötzliche Förmlichkeit störte mich, weshalb auch immer.
Danach gingen wir noch zum Bäcker nebenan. Eine Kundin vor uns hatte ihr Geld vergessen. Blöde Schnarchtante!, dachte ich genervt. Sie wühlte in ihrem Portemonnaie, kramte in ihrer Handtasche, durchsuchte ihren Mantel – nichts. „Schreib’s auf“, bat sie die Verkäuferin. Die holte zu meiner großen Überraschung ein kleines Heft heraus, ein Oktavheft, wie man es für Vokabeln benutzte, und kritzelte irgendwas rein. Dann durfte die Frau gehen – mit ihren Sachen!
Ich war völlig verdattert: Anschreiben lassen – das gab es wirklich? Ich kannte es bloß aus alten Filmen. Aber wie naiv waren diese Dorftrottel von Verkäufer eigentlich? Glaubten die allen Ernstes, dass sie jemals Geld sehen würden? Das war ja besser als Klauen!
Wieder zu Hause luden wir gerade die Sachen aus dem Auto, als zwei Häuser weiter die Tür aufging. Ein Mädel kam raus, ungefähr mein Alter, ziemlich brav, aber verdammt hübsch: halblanges, dunkelbraunes Haar, fast schwarze Augen, ein bisschen südländisch. Sie latschte in unsere Richtung, ihre stattlichen Möpse waren ordentlich am Wippen. Und die ganze Zeit guckte sie uns an. Als sie mit uns auf einer Höhe war, kam der Hammer: „Hallo“, sagte sie und strahlte übers ganze Gesicht.
„Hallo, Guten Tag“, grüßte Muttern, ebenfalls total freundlich.
Dann war das Mädel vorbeigezogen. Ich stierte ihr hinterher, völlig konfus. Was war das denn gewesen? Einfach „Hallo“ zu sagen, als wären wir schon alte Bekannte. Dazu dieses Grinsen! Und Muttern hatte sofort zurück gegrüßt.
„Kanntest du die?“, fragte ich.
„Nein, aber bei den Nachbarn kann man doch mal höflich sein.“
Ich glotzte sie wohl ziemlich begriffsstutzig an.
„So ist das hier eben“, sagte sie und lud weiter Sachen aus.
Als wir fertig waren, ging ich wieder nach oben, drehte mir eine Zigarette. Die Abendsonne spiegelte sich in den Fenstern des Nachbarblocks. Die Reflexion schien in mein Zimmer, zeichnete über dem Rauchtischchen ein goldgelbes Rechteck an die Wand. Im Lichtstrahl sah man Qualm und Staubteilchen tanzen.
Immer wieder musste ich an die Begegnung von eben zurückdenken, vorm Haus. Die Kleine wollte mir gar nicht mehr aus dem Kopf. Wie sie Muttern und mich angeschaut hatte – ohne jede Scheu oder gar Angst. Und dann dieses Lächeln…
Ich merkte, dass ich richtig durcheinander war.
***
In Sachen Mädchen war ich ein echter Spätzünder. Alle hatten sich nach und nach eine Freundin zugelegt, nur ich war bis zuletzt allein rumgelaufen. Immer wenn sich mir ein weibliches Wesen näherte, hatte ich mir vor Angst fast in die Hose gemacht.
Diese verfluchte Schüchternheit! Dazu kam, dass ich leider beschissen aussah: Spargel-Tarzan, käsiges Gesicht, Pickeln. Und zu allem Unglück musste ich seit der Siebten eine Brille tragen. Ich setzte sie zwar nur in der Schule auf, während des Unterrichts, aber das blöde Teil gab meinem Selbstvertrauen endgültig den Rest. Welches Mädel wollte schon eine Brillenschlange als Freund?
Der Wind drehte sich erst in der Bunker-Clique. Ich kapierte, dass es vor allem eine Frage der Lautstärke war. Man musste die Klappe aufmachen, voll auf Angriff gehen, dann funktionierte es. Sachen wie Aussehen spielten dann überhaupt keine Rolle. Allerdings waren die Mädchen im Bunker auch anders, nicht so eingebildet und kompliziert wie zum Beispiel in der Schule. Bloß Schwäche durfte man bei ihnen nicht zeigen, das nutzten sie sofort aus. Man musste unbedingt die Oberhand behalten, der Boss bleiben. Aber das war leicht.
Als ich erst mal Blut geleckt hatte, legte ich voll los. Baggerte, knutschte, fummelte, was das Zeug hielt. Ich wollte möglichst schnell alles nachholen, was ich vorher verpasst hatte. Am Ende hatte ich außer Pimpern so ziemlich alles ausprobiert. Und fast sämtliche der zahlreichen Mädchen im Bunker abgearbeitet. Jedenfalls kam es mir so vor. Und ich erzählte es auch überall so.
Das schöne, sorgenfreie Cliquenleben – es hätte von mir aus immer so weitergehen können. Leider wurde dieser Wunsch nicht erhört.
Eines Nachmittags betrat ich den Bunker, und mir blieb vor Schreck fast das Herz stehen: Dort saßen die Solterbeck-Brüder, neben ihnen Salami und Wladdi, also Wladimir, weiter hinten erkannte ich Krause, Ramos und noch ein paar andere. Das übelste Gesocks, das die Nordstadt zu bieten hatte – es war komplett bei uns versammelt! Bei diesen Typen musste man mit allem rechnen; wer denen in die Finger geriet, konnte sein Testament machen. Selbst Hartmann, der sonst alle Welt kannte, hielt sich von ihnen fern. Salami und Ramos hatten ja früher zur alten Clique um Holgi gehört, aber mittlerweile waren die beiden völlig runtergekommen. Weshalb wir sie als Knirpse so bewundert hatten, konnte ich jetzt rein gar nicht mehr verstehen.
Irgendjemand aus unserer Truppe hatte anscheinend den Schnabel nicht gehalten und ihnen erzählt, wo der Bunker zu finden war. Ich tippte auf einen der Neuzugänge. Die Clique war in der letzten Zeit ziemlich groß geworden – leider auf Kosten der Sicherheit, wie sich jetzt herausstellte.
Die Solterbeck-Leute fühlten sich schon ganz wie zu Hause: Lümmelten auf den Matratzen rum, bedienten sich an unserem Alk-Vorrat, ohne lange zu fragen. Unsere eigenen Leute saßen wie ein Häuflein Elend dazwischen. Obwohl wir eigentlich in der Überzahl waren, wagte es niemand, einen Muckser zu tun. Alle machten gute Miene zum bösen Spiel.
Nach zwei Stunden zogen sie geschlossen wieder ab. Allgemeines Aufatmen, aber insgeheim wussten wir, dass die Sache nicht ausgestanden war. Tatsächlich kamen sie schon nach ein paar Tagen wieder. Diesmal hatten sie ihren eigenen Stoff mitgebracht, sie ließen sich volllaufen und fingen bald untereinander Streit an. Als Ramos und Wladdi aufeinander losgingen, machten wir die Biege. Von draußen hörten wir die Fetzen fliegen. Am nächsten Tag sah es im Bunker aus wie nach einer Explosion. Überall leere Flaschen und Scherben. Der Boden voller Matsch und Schmodder. Neben einem der Öfen lag eine Machete mit blutverschmierter Klinge, auf einigen Matratzen prangten Blutflecken. Anscheinend waren sie mit Messern aufeinander losgegangen – typisch! Es dauerte ewig, bis wir einigermaßen klar Schiff gemacht hatten.
Nun kamen sie fast täglich. Von uns dagegen traute sich kaum noch einer in den Bunker. Wer hatte schon Bock, dort zwischen lauter Psychos zu sitzen und um sein Leben zu fürchten? Stattdessen trafen wir uns jetzt bei Bodo vor der Haustür. Beratschlagten, was man tun könnte, palaverten endlos rum. Die Leute aus der Kiffer-Fraktion waren partout gegen Gewalt. Sie meinten, die Sache müsse sich irgendwie friedlich lösen lassen – diese naiven Idioten! Hartmann, Piet, Bodo und mir war sofort klar, dass es bloß ein einziges Mittel gab, um solche Gestalten wieder loszuwerden: Schläge, so übel, schmerzhaft und blutig wie möglich. Alles andere brachte nichts, war bloß Zeitverschwendung. Wenn wir jetzt nicht knallhart durchgriffen, konnten wir den Bunker abschreiben.
Schließlich gelang es Bodo, alle vom Mitmachen zu überzeugen, inklusive der Kiffer. Wir rotteten uns in voller Truppenstärke vor der Haustür zusammen. Ralf, dessen Alter bei einem privaten Sicherheitsdienst arbeitete, verteilte Schlagstöcke, auch ich ergatterte einen. Wir warteten, bis es dunkel war, dann stürmten wir den Bunker. Die Solterbeck-Leute hielten gerade mal wieder ein Besäufnis ab und checkten null, was abging. Ich hämmerte mit meinem Schlagstock wie ein Berserker auf alles ein, was sich bewegte, zermatschte einigen Leuten ordentlich die Fresse. Die Schlacht war schnell gewonnen, sie rannten wie die Hasen. Wobei wir auch dreimal so viele Leute waren wie sie, dazu kam der Überraschungseffekt.
Natürlich waren wir mächtig stolz. Zwar hatten sich einige vor der Aktion regelrecht eingeschissen, aber wen interessierte das jetzt noch? Wir waren die Sieger, hatten ihnen gezeigt, wo der Hammer hängt, das allein zählte.
Ab sofort postierten wir Wachen am Bunkereingang und in der näheren Umgebung, die Alarm schlagen sollten, wenn sich irgendwo eine Solterbeck-Nase zeigte. Und viele von uns waren jetzt bewaffnet, mit Messern, Schlagringen, Gaspistolen und Tschakus, für den Fall der Fälle. Aber Solterbecks und Co. tauchten nicht mehr auf. Hatten sie ihre Lektion gelernt? Waren sie tatsächlich von ihrem Drang geheilt, sich bei uns einzunisten? So richtig mochte ich dem Frieden nicht trauen.
An einem Sonntag Anfang November stand Hartmann bei mir vor der Tür: „Der Bunker ist abgefackelt“, meinte er bloß. Ich griff mir die Jacke, und wir gingen los. Schon von weitem konnte man die Bescherung sehen: rußgeschwärzter Beton über dem Eingang, überall die verkohlten Reste des Mobiliars. Dann der Blick nach drinnen: Nur ein schwarzes, nach Qualm stinkendes Loch war übriggeblieben.
Kemal und Piet schleppten leere Benzinkanister an, die sie in der Nähe gefunden hatten. Man konnte sich leicht ausmalen, was passiert war: Sie hatten sich bei Nacht und Nebel angeschlichen, alles mit Benzin übergossen und angezündet. Die Sachen mussten wie Zunder gebrannt haben. Ich war bloß erstaunt, dass sie diese Aktion überhaupt hinbekommen hatten – anscheinend hatte ihnen der Alk das Hirn noch nicht völlig weggefressen.
Alle standen ratlos da. Bodo und Jönck erzählten, die Feuerwehrleute wären mit ihren Fahrzeugen im Gelände stecken geblieben. Sie hatten letztendlich die Brandstelle nur einkreisen und sichern können. Becky, einer aus der Kiffer-Fraktion, schoss eifrig Fotos – er wollte sich an die lokalen Medien wenden. Naiver Trottel!, dachte ich. Die interessierte das doch einen Dreck.
Die ganze Zeit versuchte ich, ebenfalls wütend und enttäuscht zu sein, wie die anderen. Aber ich bekam es nicht hin, hatte im Gegenteil das Gefühl, als ginge mich das alles hier nichts mehr an. Eigentlich hatte ich nie wirklich daran geglaubt, dass es mit dem Bunker auf Dauer funktionierte. Und jetzt war halt passiert, was in der Nordstadt am Ende immer passierte: Die Alkis kamen und machten alles platt. Das war halt der normale Gang der Dinge, daran konnte man nichts ändern. Schließlich hatte ich keine Lust mehr, mit den anderen an irgendeinem Haufen verkohlter Trümmer zu stehen und zu jammern. Ich drehte mich um, sagte „Tschüss“ und ging nach Hause.
Auf einmal war die legendäre Bunker-Clique bloß noch eine x-beliebige Truppe, ohne Dach über dem Kopf, ohne irgendetwas, das uns zusammenhielt. Halt einer der zahllosen versprengten Haufen, wie sie in der Nordstadt kamen und gingen. Jeden Nachmittag lungerten wir bei Bodo vor der Haustür rum. Die Anwohner ließen uns, sie hatten mitbekommen, was passiert war. Trotzdem war die Stimmung einfach total beschissen; wir zofften, stritten, machten uns an. Einige von uns überlegten, etwas Neues aufzuziehen, zum Beispiel hinter der Bahnschiene eine Bude aus Holz zu bauen. Aber den Reden folgten nie Taten, der Glaube an ein solches Projekt war endgültig dahin. Die Polizei ermittelte wegen Brandstiftung, einige von uns wurden als Zeugen vernommen. Natürlich blieb alles ohne Ergebnis.
Eines Nachmittags kam Grundmann mit einem dunkelroten Veilchen an. Zwei aus der Solterbeck-Truppe hätten ihn nach der Schule in die Mangel genommen, berichtete er. Kurz darauf präsentierte uns Köpke einen derben Bluterguss in der Rippengegend und erzählte eine ähnliche Story.
Sie hatten uns also noch immer auf dem Kieker. Das mit dem Bunker genügte ihnen anscheinend nicht, sie wollten Rache bis zuletzt. Aber anstatt die Sache offen auszutragen, verlegten sie sich auf Guerilla-Taktik. Schlugen aus dem Dunklen zu und verschwanden wieder. Wie sollten wir uns dagegen wehren? Nur noch in Gruppen unterwegs sein? Völlig unmöglich! Wir wohnten in völlig unterschiedlichen Gegenden der Nordstadt, gingen im KBZ auf verschiedene Schulzweige, hatten andere Stundenpläne.
Immer mehr unserer Leute bekamen nun ihr Fett weg, es ging Schlag auf Schlag. Sogar Bodo erwischte es, sie richteten ihn übel zu: Rippenbruch, Gehirnerschütterung, diverse Platzwunden im Gesicht. Ausgerechnet Bodo, einen unserer stärksten Leute!
Erst jetzt dämmerte uns, mit wem wir uns eigentlich angelegt hatten. Jeder hatte plötzlich nur noch Schiss um den eigenen Arsch, immer mehr Leute blieben weg, die Clique schrumpfte von Tag zu Tag. Das Wetter tat das seinige, um die Auflösung zu beschleunigen: Erst regnete es pausenlos, dann kam der Schnee. Bei Bodo vor der Haustür fror ich jetzt immer wie ein Schneider, meine Füße waren nur noch Eisblöcke.
Die Solterbeck-Leute veranstalteten bald regelrechte Treibjagden auf uns. Erst mochte es ihnen ja wirklich um etwas wie Ehre gegangen sein, immerhin hatten wir ihnen ziemlich auf die Zwölf gegeben. Aber jetzt wollten sie sich nur noch an unserer Angst hochziehen, diese Psychos! Einen nach dem anderen griffen sie sich, nahmen ihn in die Mangel. Eigentlich war es bloß eine Frage der Zeit, bis ich an die Reihe kommen würde. Und schließlich passierte es.
An diesem Abend herrschte dichtes Schneetreiben, die Straßen waren wie ausgestorben. Ich hatte bei Piet einen Film geguckt und wollte nur nach Hause. Mir war übel, mein Schädel dröhnte. Ich hätte besser nicht so viel trinken sollen.
Zunächst registrierte ich gar nicht richtig, dass da ein paar Gestalten von der Seite herankamen. Erst als sie sich in einer Reihe vor mir aufbauten, erkannte ich sie: Wladdi war dort, Salami, Kongo und noch andere. Es war, als hätte mir jemand einen kalten Lappen ins Gesicht geklatscht.
Hektisch suchte ich nach einer Fluchtmöglichkeit. Aber nun kamen sie von überall: aus Hauseingängen, Büschen, vom Spielplatz am Ende des Blocks. Selbst die verschneite Wiese hinter dem Edeka-Markt war plötzlich voller schwarzer Schatten – Abhauen konnte ich vergessen.
Ich hatte nur noch Angst, nackte Angst. Gleich würden sie mich zum Krüppel schlagen. Wahrscheinlich waren dies die letzten Momente, die ich gesund erlebte. Ich hätte am liebsten um Gnade gefleht.
Einen Augenblick lang passierte nichts, sie genossen anscheinend den Überraschungseffekt. Dann trat jemand aus ihrem Kreis vor – Kongo. Ich roch seine Alkoholfahne, den Rauch in seinen Klamotten. Aber er zögerte. Spürte er meine Angst? Wurde sie über meinen Blick, meine Haltung sichtbar, ohne dass ich es wollte? Seine Schläge kamen merkwürdig langsam, fast schwerfällig. Als hätte er Mitleid, würde nur seine Pflicht tun. Ich überlegte, wegzuspringen und ihm selbst ein paar reinzusemmeln. Aber das hätte alles nur noch schlimmer gemacht, deshalb hielt ich still, ließ es über mich ergehen. Ich spürte, wie meine Lippe aufplatzte, die Nase zu bluten anfing. Und hoffte mit jedem Schlag, dass es jetzt gut sein würde.
Meine Rechnung ging nicht auf. Als ich schon ziemlich benommen war, packten mich welche von hinten. Ich wurde zur Lieferzone des Einkaufszentrums geschleppt, wo um diese Zeit niemand mehr war. Sie stellten mich vor das geschlossene Eisentor, und es ging in die nächste Runde. Mit jedem Schlag in die Fresse knallte mein Kopf gegen die Gitterstäbe, und ich sah Sterne, ganze Feuerwerke, die am Nachthimmel explodierten. Irgendwann ließen sie mich einfach in den Schnee kippen. Wahrscheinlich bearbeiteten sie mich dann noch weiter, aber das bekam ich nicht mehr richtig mit.
Als ich die Augen aufmachte, rieselten Schneeflocken auf mich herab. Mühsam rappelte ich mich hoch. Sofort fing alles an, sich zu drehen; das Blut lief mir wieder aus Nase und Mund, der verschneite Boden vor mir sprenkelte sich rot. Instinktiv griff ich in den sauberen Schnee an der Seite, schmierte mir die kalte, weiße Masse ins Gesicht – es half, das Bluten hörte auf, auch das Schwindelgefühl wurde besser.
Zu Hause dann der Blick in den Badezimmerspiegel: Ein blaues Auge prangte in meinem Gesicht, meine Ober- und Unterlippe waren aufgeplatzt. Ich sah völlig zermatscht aus. Immerhin fehlte kein Zahn. Dafür hatte ich am ganzen Körper Blutergüsse. Und alles tat mir weh.
Muttern erzählte ich am nächsten Tag, dass ich in eine ehrliche Prügelei Mann gegen Mann verwickelt worden war. Zwar hätte ich dem Typen eine Abreibung verpasst, aber beim Hobeln fielen eben auch Späne. Damit gab sie sich zufrieden. Ich durfte an diesem Tag sogar zu Hause bleiben, musste nicht in die Schule.
Die Schmerzen ließen bald nach. Ich hatte anscheinend keine ernsthaften Schäden davongetragen, jedenfalls keine körperlichen. Aber etwas war doch anders seit jener Nacht: Ich bekam nun immer regelrechte Panikattacken, wenn ich draußen unterwegs war. Glaubte Schatten zu sehen, die mich verfolgten, Gestalten, die mir ans Leder wollten. Ständig war ich auf der Hut, versuchte unübersichtliche Stellen zu meiden, hatte eine starke Abneigung gegen weite Flächen, wollte nicht wieder leichte Beute werden. Sämtliche Wege im Freien gerieten zur Qual. Irgendwie war bei mir der Faden gerissen, ich fühlte mich nur noch erschöpft und müde.
Hartmann riet mir, das alles nicht so schwer zu nehmen, sonst würde ich bald durchdrehen und anfangen, weiße Mäuse zu sehen, wie die Alkis. Er selbst steckte das Ganze viel besser weg als ich, obwohl er natürlich auch Kloppe bekommen hatte, und das nicht zu knapp. Außerdem war er in der Hauptschule deutlich näher dran am Geschehen. Stimmte es, was er sagte? War ich womöglich ein Schlappschwanz, zu weich für die Nordstadt?
Auch in Sachen Mädchen merkte ich, dass bei mir die Luft raus war. Der permanente Bagger-Ton, immer auf Anmache, auf Angriff – ich brachte das nicht mehr. Meine Schwäche wurde natürlich sofort ausgenutzt. Die Mädchen zogen alles, was ich sagte, gnadenlos durch den Kakao. Jeder Satz von mir erntete schallendes, geradezu hysterisches Gelächter. Sie fanden immer einen Anlass, mich zu verarschen und hochzunehmen. Irgendwie konnte ich sie sogar verstehen. Früher hatte ich sie ziemlich mies behandelt, mir eine nach der anderen gegriffen und wieder fallengelassen. Und jetzt kam die Antwort, wurden alte Rechnungen beglichen.
Manchmal hätte ich am liebsten gerufen: „Kapitulation! Ihr habt gewonnen!“ Aber wie hätte das vor den anderen ausgesehen? Wohl oder übel musste ich mich zusammenreißen und Contra geben. Oder lieber ganz die Klappe halten. Bald stand ich nur noch in der Gegend rum, sagte nichts mehr. Ich wollte nicht wieder ein gefundenes Fressen für die Weiber werden.
Wer mag, kann die Geschichte weiterlesen unter https://www.wattpad.com/story/337772859-von-au%C3%9Ferhalb
Vorheriger TitelNächster TitelSchönhagen, ein kleines Dorf an der Ostsee. Gerade ist der 16-jährige Hauke mit der Mutter und dem jüngeren Bruder Henri hierhergezogen. Aus der Großstadt direkt in die Einöde - kann es etwas Schrecklicheres geben?
Hauke ist total gefrustet, er will mit den "Bauerntölpeln" in seiner neuen Umgebung nichts zu tun haben. Aber alles kommt ganz anders: Er verliebt sich in Maren, ein Mädchen aus dem Dorf, und verbringt mit ihr die schönste Zeit seines Lebens. Auch die problematische Situation in der Familie verbessert sich – nicht zuletzt durch Klaus, den neuen Freund der Mutter.
Dann zerbricht die Beziehung zwischen Hauke und Maren. Hauke, der die Trennung nicht verkraftet, driftet in eine Parallelwelt ab, verliert zusehends den Kontakt zur Wirklichkeit. Alles scheint auf eine Tragödie zuzulaufen...Uwe Fuchs, Anmerkung zur Geschichte
Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Uwe Fuchs).
Der Beitrag wurde von Uwe Fuchs auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.10.2011.
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von Cornelia Hödtke
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