Klaus-Jürgen Langner

Tschilpi, Sternchen und der unsichtbare Gartenzwerg

Tschilpi, Sternchen und der unsichtbare Gartenzwerg
 
Ach ja, das war schon ein seltsames Zusammentreffen gewesen zwischen  Tschilpi, dem Eichelhäherjungen, und Sternchen, unserer kleinen Katze. Aber seitdem beschlossen die beiden die Welt zusammen kennenzulernen. Es gab ja so viel zu entdecken schon in unserem Garten. Da habe ich selber lange gebraucht, bis ich den Dritten in meiner Geschichte persönlich kennengelernt hatte. Krucznibolsky oder so ähnlich, das war unser unsichtbarer Gartenzwerg. Er hatte einmal eine Gartenfee über den Haufen gerannt und die hatte ihn zur Strafe gleich für sieben Jahre unsichtbar werden lassen. Zuerst hatte ihn das gar nicht so sehr gestört, denn auf die Weise konnte er viel Schabernack anrichten und wurde doch nie entdeckt. Aber auf Dauer war es doch nicht so interessant, denn er konnte bald nicht einmal ein Gespräch anfangen. Wer unterhält sich schon mit jemandem, den er gar nicht sehen kann. Und seit langem schon suchte unser Gartenzwerg nach einer Möglichkeit, wie er sich eben doch bemerkbar machen konnte. Zuerst versuchte er es mit ständigem Singen. Das war gar nicht schlecht, aber die meisten im Garten glaubten, dass da irgendwo der Wind mit einer Glockenblume spielte. Danach bediente er sich des Rasensprengers, um auf sich aufmerksam zu machen, aber ich schaute nach oben in den Himmel, wenn ich Tropfen auf meine Glatze bekam, weil ich glaubte eine kleine Wolke konnte da wohl ihr Wasser nicht halten und sie entleerte sich heimlich grade auf die Stelle, wo ich meinen auf die Spitze getriebenen Nudismus präsentiere. Nein, das war auch kein probates Erfolgsrezept. Na, und so langsam wußte er gar nicht mehr, was er noch veranstalten konnte, um bemerkt zu werden und damit auch ein aktiver Bestandteil in unserem Gartenreich zu sein.
Tschilpi und Sternchen spielten in einer Ecke und unterhielten sich, wie es nur zwei richtige Freunde tun. Dabei waren sie noch ganz am Anfang ihrer gemeinsamen Geschichte. Sternchen lockte Tschilpi zum Komposthaufen, wo eine kleine Elfe einige Flugübungen veranstaltete. “Komm Tschilpi,wenn wir beide um die Elfe herumspringen, dann machen wir sie bestimmt so nervös, dass sie auf den Misthaufen fällt!“.
„Oh ja und dann hat sie bestimmt Kotflügel!“ antwortete das Eichelhäherjunge. Und Sternchen gluckerte hinterher:“Ja, prima, wir zwei sind gemeinsam unausstehlich“. Aber es sollte gar nicht so weit kommen, denn der unsichtbare Gartenzwerg hatte sich etwas Neues einfallen lassen. Er hatte gesehen, dass ich auf meinem schwarzen Ledersofa lag und meine herrlich weichen Filzpantoffeln unbenutzt davor lagen. Er schlüpfte also in meine teuren Pantoffeln und plötzlich galloppierten scheinbar zwei herrenlose Pantoffeln auf den Gartenwegen herum. So wollte der unsichtbare Gartenzwerg demonstrieren, dass er zu unserer Runde gehören wollte. Na, das gab eine Gekreische und und Gerenne, Tschilpi stolperte über die Katze und beide hatten das Nachsehen. Es war eine ganz neue Erfahrung auch für mich meine Fußbekleidung scheinbar selbsttätig im Garten herumspringen zu sehen.
Aber die beiden hatten jetzt einen klugen Plan. Tschilpi zwitscherte in der Luft Aufmerksamkeit hervorrufend etwas über den Pantoffeln und Sternchen schlich sich auf leisen Katzenpfoten von hinten heran und dann auf ein Kopfnicken sprangen beide zugleich auf die Pantoffeln zu und beinahe hätten sie diese auch eingefangen, aber sie hatten ja nicht mit dem unsichtbaren Gartenzwerg gerechnet, der in diesem ganzen Geheimnis steckte. So schubsten sie den armen überrumpelten Kerl aus meinen Pantoffeln, aber diese  hatten jetzt soviel Schwung vom Herumrennen bekommen, dass sie einfach weiterliefen, ohne Gartenzwerg, aber dafür bis hinauf in die benachbarte Linde, wo Tschilpi Schönfeder ihr Nest gebaut hatte.
Sternchen war nicht nur wütend, nein auch etwas traurig:“ Ich bin eine so kluge und schnelle Katze, und ich dachte, ich könnte bestimmt zwei herrenlose Pantoffeln fangen!“ weinte sie leise vor sich hin. Aber Tschilpi wußte sie zu trösten. „Ach komm, sogar bei den Menschen gibt es Leute, die berühmt wurden, obwohl sie nicht das konnten, was sie gedacht hatten. Beethoven zum Beispiel, war so taub, dass er sein ganzes Leben lang dachte er malt!“ Ach, Tschilpis seltsame Lebensweisheiten erstaunen auch mich immer wieder, Aber als Dankeschön, durfte sie meine Filzpantoffeln für ein neues kuscheliges Nest behalten!
Don, 06.08. 2012
 
 
 

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