Heinz-Walter Hoetter

Die kleine Flamme

 

Eines Tages kam eine kleine Flamme zu einer Fackel und wollte sie anzünden.

"Ich will nicht, dass du mich anzündest. Wenn ich brenne, dann sind meine Tage gezählt", schrie die Fackel außer sich vor Entsetzen.

"Du bist doch eine Fackel. Willst du denn dein ganzes Leben lang hier an der Wand kalt und nutzlos herum hängen und den Menschen kein Licht spenden? Das ist doch der Sinn deines Daseins", sagte das Flämmchen mit ruhiger Stimme.

"Wenn ich brenne, dann vergehe ich. Das Feuer zehrt an meinen Kräften, bis ich total ausgebrannt und nur noch Asche bin", rief die Fackel verzweifelt.

"Das ist wahr", entgegnete die kleine Flamme. "Aber das ist doch gerade das Geheimnis unserer Berufung. Du und ich können das Licht sein, das die Dunkelheit erhellt. Ich bin nur eine kleine Flamme, aber wenn ich dich entzünde, wird sie zu einem großen Feuer werden und viele Male heller und länger leuchten, als ich das jemals könnte. Du bist eine Fackel. Das Licht deines Feuers soll für andere leuchten, ihnen den Weg zeigen und auch Wärme schenken. Du gehst ja in Wirklichkeit nicht verloren, auch wenn du dich opfern musst. Andere werden dein Feuer weitertragen, so wie ich es weitergetragen habe. Nur dann, wenn du nicht brennen willst, werden du und ich sterben. So verstehe mich doch endlich! Ich werde bald ausgehen. Dann kann ich das Feuer nicht an dich weitergeben."

Die Fackel wurde auf einmal ganz still und dachte eine Weile über die Worte der kleinen Flamme nach, bis sie sich plötzlich nach vorne neigte und voller Erwartung sprach: "Ja, jetzt habe ich dich verstanden. Bitte zünde mich an!"

ENDE


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