Rüdiger Nazar

autobiographisch...mein Freund Peter

Mein Freund Peter Weißkopff...

er war ein Mensch...von erbärmlicher körperlicher Gestalt...hager...nein knochig...lange Haare...zum  Pferdeschwanz gebunden...Bart.

Sein Leben war eine Katastrophe...Vater  abgehauen...Mutter arbeitete in einer Bar in Berlin...er wurde als Kleinkind in ein Heim abgeschoben.

Von den Heimnonnen sexuell mißbraucht...geschlagen...gedemütigt.

So lernte ich ihn kennen...er wohnte eine Etage über mir. Ein Häufchen Elend...ein Schatten seiner selbst. Frührentner durch Krankheiten...Herzoperationen...psychisch total am Ende...etliche Psychiatrien durchwandert....ein Wanderer zwischen Normal und Wahnsinn.

Aber ein begnadeter Künstler...den keiner haben wollte...seine Werke wurden verschmäht.
OK...seine Kunst war gewöhnugsbedürftig...war skurril...etwas dämonisch...aber von einer unsagbaren Sorgfalt und Präzision.
Ich habe zum Andenken noch einige Werke von ihm in meiner Wohnung.

Wurde adoptiert von einer herrschsüchtigen Frau...einer Oberstudienrätin...die ihn züchtigte...mit Worten...die Prügel übernahm ein Nachbar...den diese darum bat...

Peter war ein armes Schwein !

Und ...ich hatte ihn irgendwie gern`!
So oft kam er zu mir in meine Wohnung...klagte sich aus...weinte so manches mal...ich sprach im Mut zu. Wir malten zusammen...handwerkten...hörten Musik...lachten und diskutierten über dieses und jenes.
Manchmal waren wir einfach nur blöd und ausgelassen...aber es tat ihm gut...tat mir gut.
Seine Werke...seine Bilder...Skulpturen...gehörten einfach in ein Museum...aber keiner wollte ihn haben...und so war er deprimiert...total erschlagen von der Ignoranz der Menschen.

Seine Krankheit machte ihm zu schaffen...und er sagte mir...jedes mal wenn ich morgens erwache...sage ich....scheiße...ich lebe noch.

Er kam nahezu jeden zweiten Tag zu mir...ich kochte...obwohl er nicht viel zu sich nahm. Seine Zahnprotese nervte ihn...so ließ er sie weg...lutschte am Fleisch herum...und so manchesmal bekam ich beim zusehen eine Gänsehaut.

Eines Tages...ich wartete...rief ihn an...keine Rückmeldung. Peter...wo bleibst du ? Er war schon vier Tage überfällig...kein Lebenszeichen von ihm. Ich rief seine Betreuung an...keiner da...sprach auf den Antrufbeantworter...
dann die Nachricht...
Peter ist gestern gestorben !
Ich stand da...den Hörer in der Hand...schluckte...ohnmächtig  irgendein ein Wort zu sagen.

Jetzt hat er wohl Frieden und Ruhe...ist sein Wunsch wohl in Erfüllung gegangen.

Wochen später...ich liege in meinem Bett...kann nicht schlafen...denke an jenes und einiges...an Blödsinn...und an Peter.
So schnell kann man aus dem Leben gerissen werden.
Über mir...über meinem Bett die schwere schmiedeeiserne Lampe mit den Kerzen...den Windlichtern...werfen ein gespenstiges Licht und Schatten an meine Wand.

Neben einem Gemälde von Peter hängt sein Foto...oh Peter sage ich...wo magst du jetzt wohl sein mein Freund.

Ich bemerke...wie der Schatten der Lampe plötzlich unruhig wird...die Flammen der Kerzen flackern...und...ich traue meinen Augen nicht...die schwere Lampe sich bewegt. Sie kreist ganz langsam rechtsherum...immer schneller werdend...dann...abrupt...steht sie still...dreht sich links herum....das Schattenspiel ist unheimlich.     ...Peter ?...

Dann erlöschen die Kerzen von alleine.

Ich glaube zu spinnen...eine Halluzination...aber nein...die Kerzen sind aus...und die Lampe schwingt hin uns her und quitscht.

Letztens sagte ich zu meiner Wölfin...Renate...komm`...ich möchte dir etwas zeigen. Ungeduldig lag sie neben mir auf meinem Bett...und nun du Schelm ? Ne...sagte ich...nicht was du denkst.

Auch sie kannte Peter gut...mochte ihn.

Ich zündete die Kerzen  an der Lampe an...der Anzahl...acht. Wie romantisch sagte sie...wie schön.
Warte ab sagte ich...warte einfach nur ab.
Wir lagen da...und betrachteten die Kerzen.
Peter rief ich...Peter !
Leise kreisend begann sich die Lampe zu bewegen...immer schneller werdend...dann pendelte sie aus...und begann sich in die andere Richtung zu drehen. Obwohl ein spärliches Licht...sah ich...das Renate kreidebleich wurde.
Wie machtst du das...sagte sie zu mir...wie machst du das ?

Peter wurde eingeäschert...sein Grab ist klein und mit einer Marmorplatte abgedeckt...
ab und zu gehe ich hin...rede mit ihm...stecke eine Kerze an...und Räucherstäbchen...die er so gerne  mochte.

Er ging von dieser Erde auf seine große Reise am 8.November 2008.






 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.08.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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