Doris E. M. Bulenda

Nepal – eine fliegende Händlerin

Nepal, Pokhara, ein hübscher kleiner Ort am Fuße des Himalaya, sehr touristisch zwar, aber mit einer umwerfenden Kulisse. Ein schöner See, in dem man allerdings wegen der Millionen von Blutegeln nicht schwimmen kann, auf dem aber hübsche Bootsfahrten angeboten werden. Ort und See werden von mehreren Sieben- und Achttausendern umrahmt. Ein gigantischer Anblick – so es denn die Wolken zulassen –, wenn man auf einem Boot in der Mitte des Sees schaukelt und diese Szenerie betrachtet.
Dazu gibt es natürlich auch alles andere, was man in einem Touristenkaff so findet. Unter anderem eine Menge kleiner, sehr guter Lokale. Und alle haben ein paar Tische und Holzbänke im Freien, sodass man eine Mango-Lassi oder einen frischen Fruchtsaft trinken und dabei die Leute auf der Straße beobachten kann. Alles wirkt dort sehr malerisch, natürlich ist dieser Ort – wie das ganze Nepal – auch sehr arm.
Ich saß nach einem längeren Spaziergang am späten Nachmittag durch Pokhara eben an so einem Tisch auf einer Holzbank, einen herrlichen frischen Fruchtsaft vor mir und genoss die Szenerie. Ein junges Mädchen kam an, fragte, ob sie sich ein bisschen zu mir setzen dürfe, sie wäre so müde.
Sie sah auch wirklich sehr müde und erschöpft aus. Also nickte ich zustimmend. Das Mädchen nahm einen großen Rucksack vom Rücken und stellte ihn neben sich ab. Dann erzählte sie mir, sie sei eine Tibeterin, sie lebe in einem tibetischen Flüchtlingscamp, das noch ungefähr zwei Stunden Laufweite entfernt sei. Bergauf natürlich. Sie machte einen sehr netten und sympathischen Eindruck und ich hörte mir interessiert an, was sie so erzählte.
Sie wäre schon zeitig am frühen Morgen vom Camp heruntergekommen und sei den ganzen Tag in Pokhara herumgelaufen, erzählte sie weiter. Sie hätte versucht, ein bisschen Geld zu verdienen, sie würde Sachen verkaufen. Leider hätte sie den ganzen Tag noch kein einziges Stück verkauft, jetzt müsse sie wieder zwei Stunden bergauf nachhause laufen – und das, ohne ein einziges Geschäft gemacht zu haben.
Wie gesagt, sie sah sehr müde und erschöpft aus. Und während sie mir ihre Geschichte so erzählte, hatte sie den Rucksack geöffnet und einen Teil ihrer Waren ausgebreitet. Da gab es Schmuck: Ringe, Armbänder, Ketten, Ohrringe – alles, was das Frauenherz so begehrt. Interessiert beugte ich mich über den Tisch.
Dieses tibetische Mädchen hatte echt schöne Stücke. Keine allzu wertvollen Dinge, Silberschmuck vor allem, mit kleinen Halbedelsteinen verarbeitet. Aber echt hübsche Sachen. Ich spende ja immer gerne für die notleidende einheimische Bevölkerung – wenn ich nur irgendeinen hübschen Tand dafür bekomme. Böse Zungen behaupten, ich sei der fleischgewordene Traum jedes Souvenir-Händlers – kann schon sein. Jetzt war's mal wieder soweit. Ich schaute mir ein paar der Schmuckstücke genauer an.
Dann probierte ich zwei Ringe an, einer hatte einen Amethyst in einer Blütenfassung, der andere war ein schlichter Silberring. Genau mein Geschmack. So fragte ich nach dem Preis, feilschte ein wenig – das ist in den meisten asiatischen Ländern ein Muss, man verliert sonst das Gesicht, wenn man den ersten Preis gleich akzeptiert. Die Tibeterin kam mir natürlich mit dem Preis entgegen, wir waren uns schnell einig.
Ich bezahlte und zog die Ringe sofort an. Freute mich an den schönen Stücken, die ich mir da gekauft hatte. Das Mädchen räumte ihre restlichen Waren wieder ein, sie freute sich offensichtlich auch, dass sie an diesem Tag doch noch was verkauft hatte. Verabschiedete sich und machte sich sichtlich zufrieden auf den Heimweg. So war's ein guter Abschluss des Tages für uns beide.
 
 

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