Paul Theobald

Die drei Wünsche

Ich war mit meiner Frau auf den Frankenthaler Wochenmarkt zum Einkaufen gegangen. Da sich meine bessere Hälfte mit einer Schulfreundin im Café Mirou traf, hatte ich Zeit, durch die Stadt zu schlendern. Vor mir ging eine alte Frau, die sich sehr mit ihren Taschen abmühte, um diese nach Hause zu bringen. So sprach ich sie an und fragte, ob ich ihr helfen soll. „Das ist aber nett!“ war ihre Antwort und so trug ich ihre Taschen ein Stück ihres Weges. Als wir an der Ecke Wormser Straße/Jakob-Rettig-Straße angekommen waren, sagte die alte Frau zu mir: „Jetzt bin ich gleich zu Hause und komme alleine zurecht. Sie können abstellen und zurück des Weges gehen!“ Sie wollte mir 5,-- € geben, was ich aber ablehnte, und so sprach sie zu mir: „Dafür, dass sie mir geholfen haben und kein Geld annahmen, haben sie drei Wünsche frei, denn ich bin eine Fee, die Wünsche erfüllen kann!“ Ich verabschiedete mich und glaubte der alten Frau kein Wort.
Als ich an der Ecke Karolinenstraße/Johannes-Mehring-Straße angekommen war, wo ich mich mit meiner Frau wieder treffen wollte, war sie immer noch da. Ich wartete und wartete. Wie oft hatte mir meine Frau erzählt, dass sie von ihrer Schulfreundin aufgehalten wurde, weil dieser immer noch etwas einfiel, was zu erzählen war. So langsam wurde ich sauer und dann immer wütender. Und so sagte ich: „Ich wünschte, der Schulfreundin würde der Stuhl an ihrem Hintern kleben bleiben!“ Als meine Gattin kam, sagte sie zu mir: „Du glaubst ja gar nicht, was passiert ist. Als ich und meine Schulfreundin das Café verlassen wollten, konnte diese nicht aufstehen. Sie klebte mit ihrem Hintern an dem Stuhl fest. Es gab ein heilloses Durcheinander. Alle Personen, die sich im Café aufhielten, standen auf, um festzustellen, ob sie auch an ihrem Stuhl festkleben. Aber nur bei meiner Schulfreundin war dies der Fall. Die Polizei kam und der Cafébetreiber beteuerte seine Unschuld. „Dies sei noch nie vorgekommen, dass ein/e Besucher/in seines Cafés vom Stuhl nicht aufstehen konnte“ erklärte er den Polizisten. Doch diese glaubten ihm nicht und haben ihn zum Verhör mitgenommen!“
Ich erzählte meiner Frau, dass mir die Fee versprochen hatte, drei Wünsche zu erfüllen. Und so kam meine Frau dahinter, warum ihre Schulfreundin im Café von ihrem Stuhl nicht mehr aufstehen konnte. Als wir zu Hause angekommen waren, fing meine Frau an, den Haustürschlüssel zu suchen. Es ist eine Spezialität meiner besseren Hälfte, diesen immer ganz unten in der Tasche zu haben, in der die eingekauften Waren sind. So musste sie vor der Haustür alle Waren aus ihrer Tasche auspacken, um an den Schlüssel zu kommen. Als wir endlich in der Wohnung waren, war mir dies so auf den Magen geschlagen, dass ich dringend auf die Toilette musste, wo ich, als ich es brauchte, feststellte, dass kein Toilettenpapier vorhanden war. Schon vorige Woche hatte meine Frau gesagt, dass sie noch dieses einkaufen muss, hatte es aber vergessen. Und so rief ich zu ihr aus der Toilette heraus: „Ich wünschte, du hättest es letzte Woche getan!“ – und schon hatte ich Toilettenpapier in der Hand. Somit ging auch mein zweiter Wunsch in Erfüllung.
Meine Frau sagte danach zu mir: „Jetzt wollen wir aber genau überlegen, was wir mit dem dritten Wunsch machen. Zwei Wünsche sind auf dumme Art und Weise in Erfüllung gegangen!“, sagte sie zu mir und fing an aufzuzählen, wem geholfen werden muss: „Ihre Mutter braucht einen Rollstuhl, unsere Tochter ein neues Bad, der Sohn ein neues Auto und eine Garage, ihr Bruder benötigt eine größere Wohnung“ und so ging es weiter. Bis ich sagte: „Wenn doch nur dein Mund zugeklebt wäre, dass dieser einmal still steht!“ und schon war es geschehen.

Jetzt sind mir drei Wünsche erfüllt worden. Aber zu Reichtum bin ich nicht gekommen, sondern bin arm geblieben. Vielmehr muss ich hoffen, die alte Frau nochmals zu treffen und sie bitten, mir noch zwei Wünsche zu gewähren, damit die Schulfreundin meiner Frau vom Stuhl befreit und das Pflaster vom Mund meiner Frau entfernt wird.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.11.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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