Angie Pfeiffer

Sternenliebe

Mitten im weiten Weltall gab es einmal einen Stern. Er war nicht besonders groß, aber er leuchtete heller als viele seiner Brüder. Von der Erde aus sah man ihn in jeder Nacht am Himmel stehen. Zudem leuchtete er immer an derselben Stelle, was ihn besonders machte. Denn so sorgte er dafür, dass die Seefahrer einen Punkt am Himmel fanden an dem sie sich orientieren konnten und sich so nicht verirrten. Aber auch für die ganz normalen Menschen leuchtete er, sorgte dafür, dass sie sich des Nachts nicht verliefen. Er fühlte sich wohl, weil er gebraucht wurde.
Früher hatte er sich in einem ganz anderen Teil des Universums aufgehalten, aber dort hatte er sich nicht mehr wohl gefühlt. Er hatte sich nämlich in ein strahlend schönes Sternenmädchen verliebt und war ihm gefolgt, um immer bei ihm zu sein. Zuerst hatte das Sternenmädchen mächtig viel von Liebe erzählt, aber bald schon leuchtete es nicht mehr für ihn, ließ ihn einfach stehen und zog weiter, immer der großen Liebe hinterher, die es wohl niemals finden würde. Der kleine Stern war allein zurückgeblieben, grämte sich, fühlte sich enttäuscht und traurig. Um ein Haar hätte er aufgehört zu leuchten, doch nach einer langen, einsamen Zeit beschloss er, sich einen neuen Platz zu suchen. Von nun an wollte er keinem Mädchen mehr trauen und aus lauter Liebe alles aufgeben.

In einer besonders klaren Nacht leuchtete der Stern noch heller als sonst. Da schaute ein Mädchen zum Himmel hinauf. Von allen Sternen fiel ihm nur der eine auf. Sein sanft funkelnder Schein ließ es für einen Moment alle Sorgen vergessen und es fühlte sich unendlich glücklich.
„Du bist der allerschönste Stern der Welt“, flüsterte es sanft.
Der Wind trug diese leisen Worte hoch hinauf, bis zu dem Stern. Er schaute sich dieses seltsame Geschöpf genau an und obwohl es kein strahlendes Sternenmädchen war, sondern nur ein ganz normales Menschenkind, fühlte er ein ganz besonderes Funkeln, das ihn für einen Augenblick sehr glücklich machte.

Von nun an, erstrahlte der Stern jeden Abend allein für das Menschenkind. Es schien ihm, als würden die Augen des Mädchens heller als jeder Sternenschein leuchten. Wenn es den Kopf in den Nacken legte, um ihn andächtig zu betrachten, dann leuchteten ihre Funkelaugen nur für ihn. Allmählich und ohne dass er es wollte, verliebte sich der Stern in das Menschenmädchen. Vielleicht auch, weil er ahnte, dass es ihn auch liebte.
Oft streckte das Mädchen sehnsüchtig die Arme aus, um den Stern zu umfassen. Aber weil das Mädchen auf der Erde lebte und der Stern im Weltall schwebte konnten die beiden sich immer nur ansehen und niemals berühren. Manchmal, wenn der Wind gut gelaunt war, trug er Worte der Liebe hin und her, aber meistens war das nicht der Fall.

Schließlich wurde das Mädchen sehr traurig und weinte bitterlich. Der Stern sah seine Tränen. Er wurde selbst ganz unglücklich. Er wollte zu ihm hinunter kommen und es trösten, aber er zögerte. Wenn er seinen Platz verlassen würde, so würde ein anderer Stern seine Aufgabe am Himmel übernehmen. Er würde nie wieder zurückkehren können. Schon einmal war er bitterlich enttäuscht worden. Was, wenn auch dieses Mädchen ihn nicht mehr haben wollte, nachdem er alles für es aufgegeben hätte? War es ihm mit dem treulosen Sternenmädchen nicht genau so ergangen? Hatte er sich nicht geschworen, keinem Mädchen mehr zu trauen?
Doch während der Stern nachdachte, wurde das Menschenmädchen immer trauriger. Seine Augen leuchteten nicht mehr, kein Lächeln erhellte sein Gesicht. Schließlich hob es gar nicht mehr das Gesicht zum Himmel um den Stern zu betrachten und Zwiesprache mit ihm zu halten. Da fasste der Stern einen kühnen Entschluss.
Er nahm seinen ganzen Mut zusammen, schwebte sacht zur Erde und landete sanft direkt neben dem Menschenmädchen. Er hatte schreckliche Angst, dass das Mädchen ihn doch nicht haben wollte. Aber als es ihn mit großen Augen ansah, entdeckte er wieder das Leuchten, das ihn von Anfang an so sehr entzückt hatte, ihm so viele Glücksmomente geschenkt hatte. Nun, wo er ganz nah bei dem Mädchen war, bemerkte er sogar nicht mehr. Er sah, dass seine Augen vor lauter Liebe leuchteten. Da wusste der Stern, dass er die richtige Entscheidung getroffen hatte.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.07.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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