Marlene Remen

HALLO, ICH BIN MARCEL 19

In all den Jahren habe ich mir auch noch ein paar andere Hobbys
zugelegt. In meinen Räumen im Dachgeschoß legte ich mir ein Modell-
Eisenbahn-Anlage an und habe mir immer etwas Neues dazu gekauft.
Vom Wohnraum aus führten die Schienen in das kleine, nie fertig
gewordene Badezimmer und wieder zurück. Hat mir viel Spaß gemacht,
nur Mama nicht. Sie hatte immer Angst, auf irgendeine Lok oder etwas
Anderes zu treten. Auch die Unordnung, wie sie es nannte, gefiel ihr nicht.
Ab und zu hat sie es aber doch geschafft, aufzuräumen und sauber zu machen.
Mit dem Ergebnis, daß ich nichts mehr wieder gefunden habe, hatte eben meine
eigene Ordnung, aber sie sagte immer :

"Du wirst langsam, aber sicher zum Messie, mach doch mal endlich Ordnung !!"
War doch alles O.K., für mich jedenfalls, nur für sie nicht, ach ja.
Dann entdeckte ich die Freude am Hubschrauberfliegen. Nein, keinen Richtigen.
einen Modell-Hubschrauber, natürlich. Erst einen ganz Kleinen, den ließ ich aber erst
mal nur in unserer Küche fliegen und habe damit unsere Kater erschreckt.
Sie brauchten das Ding nur zu sehen, schon waren sie weg, lustig. Danach habe ich mir
einen viel Größeren gekauft, einen, wo sogar eine Kamera eingebaut war. Den habe ich
mit in den Garten genommen und dort fliegen lassen, war gar nicht so einfach, ihn zu
steuern. Direkt neben unserem Garten ist der große Spielplatz des Kindergartens und an
einem Samstagnachmittag bin ich darauf und habe den Hubschrauber von dort gestartet.

Klappte auch ganz gut, bis zu dem Moment, wo er von einer Windboe erfaßt worden ist
und ich ihn nicht mehr gesteuert bekam. Was dann kam, glaubt mir kein Mensch, aber,
er hat seinen eigenen Flug ja aufgenommen. Er ist über das ganze Kindergartengelände,
über die Häuser und die Straße, dort auch über die Häuser bis zur Paralellstraße.
Ich hatte schon längst keine Möglichkeit mehr, seinen Flug zu beeinflussen. Dann habe
ich ihn nicht mehr gesehen, bin überall rum gerannt und habe gefragt, wo er abgeblieben ist.
Am Spätnachmittag kam dann ein Mann, der in der Paralellstraße wohnt und sagte mir,
er wäre in seinem Vorgarten gelandet, lag auf dem Kopf und wäre ganz schön lädiert.
Aber ich war doch froh, ihn wieder zu haben.

Ja. so gingen die Jahre dahin, immer die gleichen Abläufe. die gleiche Arbeit in der Firma,
die zwar oft sehr schwer war, mir aber trotzdem Freude gemacht hat. Zu Hause gab es auch
immer was zu tun, eine altes Haus ist wie ein altes Auto, welches immer gewartet werden muß.
Eine neue feste Freundin hatte ich nicht gefunden, nur lose Freundschaften. Wie hätte ich sie
auch finden sollen, ich ging ja nirgendwo hin ? Mama sagte oft zu mir :
"Geh doch mal unters Volk, verkriech dich nicht nur in die Arbeit oder in den Garten, da kannst
du nichts finden. Du hast doch auch dein eigenes Leben, denk nicht nur an uns, auch wenn es
schön ist, dich bei uns zu haben." Sie hatte ja Recht, aber ich glaube, der Zug war längst
abgefahren.......



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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.12.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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