Klaus Gödtner

Das Ende

Das Ende
Es war so eine Nacht wie ich sie in den letzten Jahren schon oft erlebt hatte.
Ich konnte kaum einschlafen, habe viel nachgedacht.
In der letzten Zeit türmte sich eine Sorge auf die Andere.
Grübeln war ein neues Hobby von mir geworden.
Ich musste mehrmals zur Toilette.
In meinem linken Bein spielten die Muskeln verrückt, sie waren total verspannt.
Die Gefahr, wieder einen dieser unangenehmen Krämpfe zu bekommen war groß und vermutlich war die Angst davor auch ein Grund dafür nicht in den Schlaf finden zu können.
Einer dieser vielen Blicke auf die Uhr verdutzte mich. War es nicht vor einem Moment zwei Uhr?
Und nun zeigten die Zeiger 3.15 Uhr an.
War ich doch eingeschlafen?
Merkwürdig, habe ich gar nicht gemerkt.
Um 5 Uhr würde der Wecker meine Nacht-un-ruhe beenden.
Ich hätte schon aufstehen können um die Glotze anzumachen.
Aber mein Körper war zu schwach.
Meine Blase war schon wieder gefüllt und versuchte mich dazu zu bewegen die Toilette aufzusuchen-
Wenn ich nun aufgestanden wäre, dann hätte ich mein Quartier gewechselt, mich auf das Sofa im Wohnzimmer gelegt und die Glotze eingeschaltet.
Ich hätte mich vom AsiTV berieseln lassen und vermutlich wäre ich dann eingeschlafen.
Aber ich blieb trotz der angespannten "Wasserlage" liegen.
Das Gefühl pinkeln zu müssen aber nicht aufstehen zu wollen, oder zu können ist belastend und ist ein weiterer Grund, nicht einschlafen zu können.
Ich blieb liegen und wartete, bis der Druck so groß wurde, dass es schon leicht schmerzhaft war.
Dieser Akt des Aufstehens, seinen Körper aus dem Bett zu wuchten war, wenn man kaum geschlafen hatte, sehr, sehr anstrengend.
Welches Bein sollte zuerst die Koje verlassen?
Das Richtige, oder das Falsche?
"Heute wohl mit dem falschen Bein zuerst aufgestanden, oder?"
Wer hat diesen Spruch noch nicht gehört?
Bei mir war es doch eigentlich egal, es würde auf jeden Fall das falsche Bein sein.
Sollte ich das linke von Krämpfen bedrohte Bein vorausschicken, oder das Rechte?
Dazu hätte ich mich zuerst von der Seitenlage in Bauchlage drehen müssen.
Bauchlage?- Bei dem Überdruck im Urinzwischenlager?
Genau weiß ich nicht mehr welches Körperteil zuerste die Falle verließ, aber es war erstaunlich leicht.
Es fühlte sich an, als ob ich schweben würde. Ich bewegte mich durch den kleinen Flur in Richtung Bad, aber meine Füße berührten den Boden nicht.
Ohne den Lichtschalter zu betätigen betrat ich den mit Laminat ausgelegten kleinsten Raum der Wohnung.
Es war total hell.
Der Druck in meiner Blase war verschwunden.
Mein linkes Bein war ganz locker, mein ganzer Körper war entspannt und von Müdigkeit keine Spur.
Na gut, dann eben nicht, dachte ich und bewegte mich wieder zurück ins Schlafzimmer.
Der Schreck war groß, als ich zu meinem Bett schaute, denn zwischen den Kissen und Decken lag ich selbst.
Auf dem Bauch liegend, den Kopf zur Seite gerichtet.
Aus dem leicht geöffneten Mund floß blutiger Speichel.
Ich konnte denken, aber meine Stimme war verschwunden.
Ich wollte schreien, aber es blieb still.
Ich wollte mich wachschütteln, aber es ging nicht.
Obwohl ich kein Licht angemacht hatte, war es erstaunlich hell im Zimmer.
Meine Angst verwandelte sich in eine Unruhe. Später in Verwunderung und dann in eine sorglose Gelassenheit.
Ich beobachtete meinen Körper aus einer ganz neuen Perspektive.
Ich schwebte über mir selbst.
Eine Zufriedenheit schlich sich ein.
Keine volle Blase, keine Müdigkeit, keine Krämpfe, keine Sorgen, nie wieder grübeln.
Ich war noch da, nur mein Körper war out of order.
Nach einer Zeit wurde es noch heller im Zimmer, eine Lichtkugel kam herein und ich wußte sofort wer es war.
"Da bist du ja, komm mit es warten neue Aufgaben an neuen Orten auf dich"
 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Klaus Gödtner).
Der Beitrag wurde von Klaus Gödtner auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.02.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Über den Tag hinaus von Hartmut Pollack



Poetische Gedanken über Liebe und Natur
Über den Tag hinaus zu schauen, heißt für mich, neben dem Alltag, dem normalen Alltäglichen hinaus, Zeit zu finden, um das notwendige Leben mit Gefühlen, Träumen, Hoffnungen, Sehnsüchten, Lieben, das mit Lachen und Lächeln zu beobachten und zu beschreiben. Der Mensch braucht nicht nur Brot allein, er kann ohne seine Träume, Gefühle nicht existieren. Er muss aus Freude und aus Leid weinen können, aber auch aus vollem Herzen lachen können. Jeder sollte neben dem Zwang zur Sicherung der Existenz auch das Recht haben auf romantische Momente in seinem Leben.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Abschied" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Klaus Gödtner

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Anton Wirschmeier wird vermisst von Klaus Gödtner (Humor)
Bennys Weihnachten von Monika Klemmstein (Abschied)
Lösegeld für meinen Hund. von Walburga Lindl (Autobiografisches)