Heinz-Walter Hoetter

Der letzte Mensch auf Erden

Er wollte der Menschheit ein Friedenslied singen. Der ganzen Welt die Botschaft der Liebe bringen. Er wollte die grausamen Wölfe des Krieges zähmen, um den Menschen ihre Ängste und innere Unruhe zu nehmen.


 

Er wollte nie wieder, dass Kinder vor Elend und Hunger weinen. Bei ihm sollten sie fröhlich lachen und spielen im lustigen Kinderreigen. Mit den Mächten des Bösen wollte er gnadenlos um das Gute ringen, um nach seinem Sieg der Menschheit für immer den Frieden zu bringen.


 

Doch der Kampf ging verloren, das Böse wurde bald wieder geboren. Sein suchender Blick ging von der Erde hinauf zu den fernen Sternen. Er fragte sich leise: "Werden die Menschen es jemals lernen?" Hat sich der Kampf gegen Elend, Hunger und Krieg gelohnt? Wo doch das Böse tief im Menschen noch immer lauernd thront?


 

Dann sah er nach all den vielen menschlichen Katastrophen wieder bewaffnete Männer bespickt mit Orden. Die schrecklichen Kriegstreiber befahlen abermals das weltweite Morden. Es gab schon wieder Bomben, Terror, Gewalt, Krieg und Tod, auch religiöser Natur. Sein verzweifelter Schrei hinauf zu Gott verhallte ungehört. Er fragte sich: "Was soll all das sinnlose Töten nur?"
 

Er dachte, wenn der Schöpfer schweigt in dieser Welt, dann wird es bald bitterlich kalt. Finstere Gedanken flüsterten den Menschen schon wieder ins Ohr: "Macht endlich Krieg und zwar bald!" Oh, der Tod kam dämonisch zurück auf die Erde. Die Massen jubelten und träumten von glorreichen Siegen. Aber dafür gab es nur massenhaft Särge. Einzig das war schließlich am Ende geblieben.


 

Im trüben Licht der Sonne steht der Unbekannte irgendwo an einem weiten Meer. Die Erde des Menschen, wie er sie früher mal kannte, sie ist jetzt nicht mehr. Sein Friedenslied an die Menschheit will er nicht mehr singen. Der Welt des Menschen die Botschaft der Liebe nicht mehr bringen.


 

Es streicht der Wind leise auf seine Weise sanft über das stille Meer. Die einstmals schönen Strände sind verbrannt, wüst, karg und leer. Doch der Wind, er weht einfach weiter, als wäre gar nichts gewesen. Er bläst den Gestank der Leichen fort, weit weg von diesem schrecklichen Ort, die hier verwesen.


 

Still steht der Fremde so da und schweigt benommen vor soviel Elend, Krieg und Tod. Am fernen Horizont geht langsam die Sonne unter und leuchtet dabei blutrot.

Das Erbe der Zukunft, welches die Menschheit hat ihm hinterlassen, sind nur einsame Ruinen, zerstörte Straßen, Häuser, Brücken und Gassen. Wie viele Seelen mussten die Erde am Tag von Armageddon verlassen?

Eine Träne rinnt dem Fremden auf einmal über sein karges, von tiefen Falten durchzogenes Gesicht. Dann stirbt auch er als letzter Mensch auf der Erde, aber das wusste er nicht.


 

(c)Heinz-Walter Hoetter

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