Peter Biastoch

Spaziergang am Stausee Glauchau

Doch kommen wir auf meinen eingangs erwähnten Wunsch, nach Grün und farbigen Blüten, zurück. Um unseren Pflegestress und der damit verbundene Bewegungsarmut etwas entgegen zu setzen, versuchen wir nach Möglichkeit, freie Zeiten, zu Spaziergängen zu nutzen. So auch Anfang  April.

Nach dem Mittagessen setzten wir uns ins Auto und fuhren nach Glauchau. Durch die Fotos eines Mitgliedes der Fotocommunity, bei der ich ebenfalls wöchentlich ein Bild, oder eine Montage veröffentliche, wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass es in Glauchau einen Stausee gibt. Eigentlich ist es eine Schande! Da lebe ich nun schon 62 Jahre lang, nur 17 km von Glauchau entfernt, war aber noch nie an diesem Stausee, ja wusste nicht einmal, dass es so etwas dort gibt!

An diesem Freitag wollten wir das also ändern. Das Wetter war nicht gerade ideal, zum fotografieren. Ein leichter Dunst lag über allem und die Sonne versteckte sich hinter einem diffusen Hochnebel. Nur ab und zu konnte man eine verwaschene Scheibe von ihr, am Himmel erkennen.

Wir kamen also nach Glauchau, fanden einen Parkplatz und machten uns, zu Fuß, auf den Weg zum Stauseewall. Dort begann dann ein langsames Umdenken. Wir ließen die Umgebung auf uns wirken und unsere Gedanken abschweifen, von der Pflege und anderen Verpflichtungen. Zwar fehlten noch überall das erwünschte Grün und die bunten Blumen. Alle vorhandenen Farben wurden durch die diffuse Lichtstimmung gedämpft. Und dennoch dauerte es nicht lange um die reizvollen Motive dieser Landschaft zu erkennen.

Kein Lüftchen regte sich. Das abgestorbene Riedgras des Herbstes streckte bewegungslos seine Samenstände in den Himmel. Als dann die schwache Sonne doch einmal ein wenig intensiver die Dunstschleier am Himmel durchbrach, leuchteten diese filigranen, erstorbenen Fruchtstände, im Gegenlicht. Ebenso eine Reihe von Rohrkolben, die schon begonnen hatten, ihre Samen, an Wollfocken dem nächsten Wind darzubieten.

So schlenderten wir, Hand in Hand, auf der zum Weg gestalteten Dammkrone, am Wasser entlang. Eine Bank lud uns ein, uns zu setzen und die zu Ruhe genießen. Ein Stück weiter erblickten wir jemanden, der nicht einfach nur den Weg entlang lief, sondern sich ungewöhnlich verhielt. Keine Frage, da war jemand, der mit seiner Kamera auf Motivsuche war!

Als diese Person näher kam, wurde deutlich, dass es sich um eine Frau handelte. Immer wieder blieb sie stehen, schaute durch den Sucher ihrer Kamera. Dann ging sie in die Hocke, blickte durch den Sucher. Ja, kein anderes Bild hatte ich, wenige Minuten zuvor auch abgegeben! Ein gegenseitiger Blick auf die Kamera, des jeweils anderen und wir grüßten uns freundlich – wir haben schließlich beide eine Nikon!

Wir schlenderten weiter. Zwei kleine Vögel zogen unseren Blick auf sich. Es waren Bachstelzen. Eine Vogelart, die wir in den vergangenen Jahren kaum zu Gesicht bekommen hatten. Doch auch bei uns im Garten war uns so eine Bachstelze, dieses Jahr bereits aufgefallen. Das Riedgras hörte auf und Bäume besiedelten den Uferstreifen. Der Weg traf auf einen breiteren, der entlang der Zwickauer Mulde verläuft und zu einem Wehr führt. An diesem Wehr teilt sich die Mulde in den ursprünglichen Arm, der sich durch Glauchau windet und der Flutrinne, die auftretende Hochwasser, außerhalb der Stadt umleitet. Nahe der Autobahn (A4) vereinigen sich beide Gewässer wieder.

Hier, an diesem Weg zum Wehr, fanden wir auch erste Blütenstände an vereinzelten Bäumen. Am landseitigen Hang des Dammes blühten unscheinbare weiße Pflänzchen, die wahrscheinlich zu den Steinbrechen (Saxifraga) gehören. Weiße Buschwindröschen, gelbe Sumpfdotterblumen und Butterblumen öffneten ihre Blüten ebenfalls der langsam helleren Sonne. Doch diese waren noch nicht allzu zahlreich und dominierend, so dass das leuchtende hellgrün der Trauerweiden, unseren Blick weit mehr gefangen nahm.

Damit waren wir auch schon wieder zurück, am Ausgangsort unserer Stauseewanderung. Für eine komplette Runde hatte es diesmal noch nicht gereicht. Doch, das haben wir uns, für ein andermal vorgenommen. Denn, wenn es noch etwas grüner geworden ist und vielleicht auch noch die Sonne ihr volles Licht spendet, wollen wir noch einmal an den Glauchauer Stausee fahren. Doch für diesen Tag war unsere Wanderung vorbei. Wir gingen zum Parkplatz und fuhren noch in einen Baumarkt. Dort kauften wir ein paar Salat- und Kohlrabipflanzen, für unsere Hochbeete. Anschließend ging es langsam nach Hause, wo ich meine Fotoausbeute sichtete und nachbearbeitet habe.

Jetzt, beim Schreiben und dem Betrachten meiner Fotos, erlebte ich diese schöne Zeit noch einmal. Das müssen wir wirklich wieder öfter machen!

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 31.05.2019. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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