Jürgen Skupniewski-Fernandez

Das indische Pentagramm 7

Das Polizeifahrzeug bog von der Rue Desroches auf die Volcy Pougnet Street und hielt unmittelbar vor dem, mit subtropischen Pflanzen, begrüntem Eingangsportal des Dr. AG Jeetoo Hospitals, im Zentrum von Port Louis. Constable

Elmire stieg aus dem Fahrzeug und öffnete die Beifahrertür. Das moderne und komplexe Krankenhaus ist ein langes mehrstöckiges Gebäude und gehört zu den besten Einrichtungen des Landes; zuständig für Patienten aus den Departements Pamplemousses, Rivière-du-Rempart, Port-Louis et Flacq. Hier werden in Zusammenarbeit mit den Behörden sämtliche rechtsmedizinisch relevanten Todesfälle zur Obduktion eingewiesen.

Maurice folgte dem Costable durch die Eingangstür. Die große lichtdurchflutete Halle war wohl temperiert.

„Monsieur Bertram, lassen sie uns gleich zum Information Desk gehen. Der leitende Arzt und der konsularische Vertreter der französischen Botschaft sind bereits eingetroffen“.

Das Information Desk strahlte ihnen im leuchtenden Orange entgegen. Sie durchquerten die lang gestreckte Halle. Zwei schlanke Herren kamen auf sie zu. Der eine im hellgrauen Jackett und weißen Hosen, der andere im weißen Kittel.

„Pierre de Groot, französische Botschaft“.

„Dr. Amal Abinash, Leiter der Autopsie“.

 

ZWEITES KAPITEL

 

Annabelle saß ausdruckslos vor Laurent. Er sah sie fragend an. Sie schien ihm irgendwie verloren vorzukommen, jetzt wo sie ihre beste Freundin Veronique unter diesen Umständen so plötzlich verlor.

„Wir kennen uns schon so viele Jahre, besuchten die International Business School in London und bummelten durch die Weltgeschichte. Irgendwie kamen wir auch nach Mauritius.

Die Insel gefiel uns auf Anhieb und wir haben uns in sie sofort verliebt. Diese Vielfalt an Kulturen, das friedliche Zusammenleben der Religionen“, sie hielt inne und schaute zu Laurent, der ihr in diesem Moment ein Glas Wasser reichte. Annabelle war eine schlanke, zartgebaute junge Frau. Die dunkelblonde Kurzfrisur stand ihr gut. Sie erinnerte ihn an einen frechen, aufgeweckten Bengel.

„Also Miss Durand, Ihre Freundin hatte am besagten Abend keine Verabredung mit Ihnen vereinbart und sie erschien auch nicht in Tamarin im Pilates Training, ist das richtig? Laut M. Bertram hatte sie aber angeblich nach dem Pilates Training die Absicht bei Ihnen zu nächtigen. Dies sei auch mit Ihnen so abgesprochen gewesen!“

„Ja, wie ich es schon sagte. Sie rief mich zwei Tage vorher an, dass sie nicht am Training teilnehmen wird und somit auch nicht bei mir übernachtet. Aber das kam diverse Male vor, dass sie relativ kurzfristig absagte“.

„Wusste Monsieur Bertram davon? Was hatte Madame Vervier denn privat so getrieben? Hatte sie einen Job oder überhaupt eine Tätigkeit? “.

Laurent hielt inne und schwieg. Er lehnte sich zurück und verschränkte entspannt seine Arme über den Kopf.

„Veronique hat Maurice erst vor; ich glaube, ich glaube, drei Jahren auf einen Flug von Paris nach Mauritius kennengelernt. So hat sie es mir zumindest erzählt. Es muss eine sehr emotional, spannende Geschichte gewesen sein, denn sie war ganz aufgelöst und total verknallt. Über ihr Privatleben sprachen wir nicht so viel. Sie arbeitete für ein internationales Marketingunternehmen, Green & Finch, und hat nicht viel Intimes preisgegeben. Darin war sie spitze. Wenn sie wollte, konnte sie sehr verschwiegen sein.“

Annabelle schaute den Chief Inspektor etwas verlegen an.

„Ein Verhältnis zwischen zwei beste Freundinnen sieht für mich aber anders aus. Scheint so, als hätten sie nebeneinander her gelebt?“

Sie drückte ihre Lippen fest zusammen, zog ihre Schultern hoch und schwieg.

„Ok, Miss Annabelle, hinterlegen Sie bei Sergeant Fortis bitte noch Ihre Personalien und Kontakte, dann können sie gehen. Wenn wir noch Fragen haben, dann melden wir uns. Halten Sie sich bitte für die nächsten Tage zur Verfügung und sehen Sie erst mal von Auslandsreisen ab. Die Ermittlungen laufen gerade an. Danke, dass sie sich die Zeit genommen haben“.

Laurent lächelte freundlich, erhob sich und öffnete ihr die Tür des Büros. Er reichte Annabelle die Hand und sie verabschiedeten sich.

 

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