Brigitte Waldner

Ich möchte einen Hund von dir

dachte sich die Hündin,
entlief auf das Nachbargrundstück
und legte sich dort empfängnisbereit auf die Wiese.
Der Nachbar, barfuß im Shorty-Pyjama um sieben,
diesmal ohne Fußfessel, bellte:
„Du hast deinen Hund aber super erzogen!
Du hast das Loch wieder aufgerissen!“
Nein, habe ich nicht,
den Hund hat das Tierheim erzogen,
und Löcher aufreißen kann ich als Frau gar nicht.
Das ist Männersache.
Diese Kraft habe ich nicht, Drahtgitter zu zerbrechen.

Am Loch im Zaun ist der Nachbar schuld,
er lässt sein Gartentor immer offen,
ein fremder Hund lief mehrmals hinein und
riss meinen Gartenzaun auf,
so dass er erheblich beschädigt ist
auf einer Länge von zwei Metern.
Der Nachbarshund bellte von fünf bis sechs Uhr morgens,
drei Tage hintereinander,
am Dreikönigstag und Folgetage,
es war stockfinster, nur Straßenbeleuchtung,
mitten im Winter im Schnee.
Der Nachbar, geweckt von seinem jungen Hund, schaute zu,
wie der fremde Hund, ein riesengroßer, übergewichtiger Berner Rüde,
den neuen Maschendrahtzaun zerfleischte
und über meine ein Meter hohe Mauer
auf mein Grundstück kletterte
und durch meinen Garten lief
und mir hier auch noch weitere Schäden verursachte.

Ich habe den Berner, gefühlte 80 kg,  dreimal schon beim Gartentor rausgelassen,
er hat mich nicht gebissen,
also hätte ihn der Nachbar auch aus seinem Garten vertreiben können,
zum Beispiel mit Schneebällen. Es lagen damals 60 cm.
Dem Nachbarn hat es gefallen, wie der Hund meinen Zaun zerfleischte.

Der Nachbar hat den Zaun bis heute nicht repariert,
fünf Monate sind bereits vergangen,
die Versicherung sagt, er sei zuständig,
da ihn zumindest eine Teilschuld trifft,
weil er trotz Wissens, den Hund nicht vertrieb und sein Gartentor nicht zumachte,
um den Schaden zu begrenzen,
die Versicherung bezahlt nicht.

Und jetzt schreit er mit mir wie betrunken,
weil mein Hund heute durch das Loch geschlüpft ist,
das macht er nur, weil er läufig ist.
Da setzt das Gehirn aus.
So oft ich das Loch zugemacht hatte,
wurde es wieder aufgerissen,
aber nicht von meiner Hündin.
Sie ist eine Brave. Sie nutzt nur das Loch,
das von fremden Hunden immer wieder nachts aufgerissen wird,
weil der Nachbar sein Gartentor selten zumacht.
Soll ich die Kosten tragen, wo andere schuld sind,
die Reparaturen soll ich als Frau machen, immer wieder,
wieso denn? Das ist endlos!

Geschrien hat er mit mir, primitiv und per du,
wie ein Polizist mit einem Schwerverbrecher nicht einmal umgeht,
dann ist er ins Haus gegangen.
Soll man so einen Mann ernst nehmen?
Ich dachte, jetzt kommt er gleich mit einer Waffe
und streckt uns beide nieder. Gefahr in Verzug!
Ich nahm meine 30 kg Hündin zwischen die Beine und
habe sie unverzüglich aus der Gefahrenzone herausgeholt,
sobald mir die Gattin des Schreiers das Gartentor geöffnet,
und mir erlaubt hatte, ihr Grundstück zu betreten,
(er war dazu wohl nicht in der Lage)
das ausnahmsweise diese Nacht abgeschlossen war,
so dass meine Hündin aus dem Garten nicht mehr herauslaufen konnte,
und einen Meter hoch, zurück über die Mauer, kann sie auch nicht springen.
Ich werde das Loch zum x.ten Male stopfen,
aber diesmal mit Stacheldraht.
Ein Mann, der bis vorigen Sommer noch eine elektronische Fußfessel hatte
und dessen bedingte Strafe wohl kaum schon abgedient sein kann,
will mich rügen. Wofür eigentlich? Wenn er schuld ist!
Hätte er nicht versagt, wäre der Hund nicht entlaufen.

© Brigitte Waldner

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