Hans Pürstner

INRI 2.0 Teil 15

 

Die Sonne brannte unbarmherzig auf das kleine Zeltdorf in der Wüste.

Chadera setzte sich neben Mirjam und seufzte: Ich halte das langsam nicht mehr aus. Wann fahren wir endlich wieder nach Haifa?"

"Halte durch, du bist doch noch jung. Ich weiß, dies ist eine schwere Prüfung für uns alle. Aber glaube mir, wenn du zurück in der Zivilisation bist, wirst du die Erfahrung hier nicht missen wollen!"

Mitleidig blickte sie die kleine Studentin an, wie sie müde, mit ausdrucksleerem Blick in die Wüste hinausschaute. Chadera schmiegte sich eng an Mirjam aus Magdala und fing leise an zu weinen.

"Ich möchte endlich wieder was Vernünftiges zu essen kriegen, nicht immer nur diesen Mehlbrei. Und duschen möchte ich. Stundenlang, mit warmem Wasser und Duschgel, mir diesen verfluchten Sand aus den letzten Ritzen des Körpers waschen!"

Mirjam strich ihr mit der rechten Hand tröstend übers Haar und versuchte sie zu beruhigen.

"Es sind ja nur noch drei Tage, dann kommt der Bus und holt uns ab, vertrau Joshua, er weiß was das beste für uns ist, glaub mir!"

Inzwischen hatte sich auch Hanna zu den beiden gesellt. Auch sie war nur mehr ein Schatten ihrer selbst. Chadera schaute sie misstrauisch an, alle wussten ja von dem kleinen Techtelmechtel zwischen ihr und Joshua. Sie wunderte sich nur über das Verhalten von Mirjam, die ja eigentlich als Joshuas Freundin galt. Nicht die geringste Spur von Eifersucht war in ihrer Miene zu erkennen, selbst dann nicht, wenn Hannah für alle sichtbar aus dem Zelt Joshuas geschlichen war, mit schuldbewusstem Blick.

Als hätte sie ihre Gedanken erraten sagte Mirjam weise lächelnd

"Ach Chadera, die Männer können halt nicht anders, sie müssen sich immer wieder neu beweisen, beweisen wie begehrt sie sind oder was auch immer. Aber meine Liebe zu Joshua ist viel tiefer als alles Sexuelles. Sein Geist, seine Güte und sein unendliches Wissen ist es, was mich zu ihm hin zieht!"

Mirjam erschrak leicht, als sie aufsah und Joshua erblickte, der unbemerkt von den dreien dazu gestoßen war.

"Ich bin froh, dass du so weise bist, meine Liebe" sagte er und setzte sich neben sie.

"Ich habe eine gute Nachricht für euch. Nach der Erfahrung mit dem letzten Camp vor drei Monaten habe ich den Bus der uns abholen soll, schon zwei Tage vor dem eigentlichen Termin bestellt. Das heißt, dass wir morgen früh nach Hause fahren!"

Der Jubelschrei der beiden Mädchen lockte auch die anderen aus den Zelten und binnen Sekunden hatte sich die Neuigkeit herumgesprochen.

Joshuas Freunde winkten Mirjam zu und begannen schon mal, die Sachen, die nicht mehr gebraucht wurden für den Transport zu verpacken.

"Mein Freunde, kommt alle her, ich habe euch etwas zu sagen", begann Joshua die letzte seiner Reden. "Ich weiß, die Zeit war schwer für euch, auch an mir und meinen Helfern ist sie nicht spurlos vorbei gegangen. Aber wenn ihr wieder zurück in Haifa seid oder wo auch immer, bei euren Computern, Fernsehern, wenn ihr wieder die Annehmlichkeiten der Zivilisation erleben könnt, werdet ihr erst richtig zu schätzen wissen, was ihr habt.

Vieles, was ihr bisher kritisiert habt wird euch ab jetzt nicht mehr so schlimm vorkommen. Ihr besitzt alle ein schönes Heim, Arbeit und könnt eure Familie ernähren. Meine palästinensischen Brüder haben es nicht so gut. Noch immer leben die meisten von ihnen in Lagern, ohne eigenen Grund. Arbeit finden sie nur als Taglöhner oder in schlecht bezahlten Berufen. Und alles nur, weil die Israelis sich auf ihrem Grund und Boden eingenistet haben. Selbst die internationale Kommission, die das Land seit einiger Zeit kontrolliert, hat das eigentliche Grundproblem noch nicht lösen können. Zwei Bevölkerungsgruppen, die ein Land für sich alleine beanspruchen.

Ich habe vor, in zwei Wochen in Tiberias am See Genezareth ein großes Happening zu veranstalten und Euch bitte ich ganz besonders herzlich, daran teilzunehmen. Es soll eine Art Versöhnungsfest werden zwischen Juden und Arabern. Ich werde allen zeigen, dass man auch mit gewaltlosen Mitteln etwas erreichen kann! Denkt an Mahatma Gandhi"

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.07.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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