Klaus-Jürgen Langner

Mein Alter

Ich Alter
habe gerade festgestellt, dass mein Alter selbst unheilbar ist. Und je älter ich werde, um so mehr wächst für mich die Einsicht, dass man „Alter“ auch zu recht als Lebens-abschnitt bezeichnet. Ja, natürlich ist „Alter“ ein besonderer Zustand aber nicht Anrede für jedermann.
Gibt es wirklich etwas das schlimmer ist als „alt werden?“ Ich glaube ja, nämlich sich selbst zu überleben.
Wenn ich gefragt werde wie alt ich denn nun sei, dann komme ich immer wieder in dieselben Schwierigkeiten. Ich kann niemandem genau sagen, wie alt ich bin seit ich festgestellt habe, dass sich mein Alter ständig verändert.
Ich bin aber über einen Zustand sehr froh. Ich habe mein eigenes kleines Reich. Ich brauche nicht in ein Pflegeheim wo mich „bereutes Wohnen“ erwarten würde.
Wenn ich zurück denke, dann war ich wohl so um die 70 Jahre als, als ich feststellte, dass  in der Jugend  der Grundsatz heißt: Nichts ist klar, aber alles ist möglich.  Danach hieß es aber:
Alles war klar aber fast nichts mehr möglich.
Und ich erkannte auch, dass jetzt schon nackte Vernunft eher unästhetisch wurde.
Aber ich habe in meinem Alter auch erhebliche Vorteile: Ich darf heute bleiben was ich geworden bin und muss nicht – wie die Jugend – erst noch werden muss, was ich mal sein soll.
Einige wollten mir klar machen: Das ganze Getue um das Alter sei lediglich eine Frage der Einstellung! Das stimmt ja auch, denn auf dem Arbeitsamt ist das etwas, das täglich tausendmal praktiziert wird.
Jetzt wo ich älter geworden bin habe ich eine neue Art von Schwierigkeit zu lösen.
Mein Kopf erklärt mir: „Ich kann endlich das tun, was ich nur will!“
Ich versuche allerdings manchmal vergeblich meinem Körper klarzumachen, dass der auch tut was ich will.
Jetzt im Alter ist es nämlich so, dass ich nicht mehr immer das tue, was ich will. Aber ich tröste mich dann damit, dass es jetzt auch fertig bringe, nicht unbedingt immer  noch zu wollen, was ich vielleicht doch noch tun könnte.
Ich finde es aber schade, dass ich meine erworbene Weisheit nicht vererben kann.
Aber immerhin kann ich sie hier wenigstens zur Diskussion stellen. Es stimmt doch:
Ich lebe heute noch weil ich einfach das Glück gehabt habe nicht schon früher zu sterben.
Don
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.03.2014. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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