Klaus-Jürgen Langner

Eschilpt Schönfeder und Sternchen

Tschilpi Schönfeder und Sternchen
 
Gestern früh bin ich beinahe aus dem Bett gestürzt, weil vor meinem Fenster ein unheimliches Gekreische verbunden mit Katzengeschrei zu hören war.
Was war los? Na klar, das war aus der Linde vor unserem Haus der kleine Tschilpi Schönfeder, seine besorgten Eltern und Sternchen unsere Katze.
Aber ich fange am besten ganz von vorne an!
Von meinem Liegeplatz vor dem Haus, meinem berühmten schwarzen Ledersofa aus, kann ich genau verfolgen wie weit die Eichelhäherfamilie Schönfeder bei der Aufzucht ihres diesjährigen einzigen Kindes gekommen war. Und weil ich ja in meinem Garten den „Platz der zwei Welten“ habe, kann ich mit jeder anderen Welt kommunizieren, weil ich den geheimen Trick kenne, von einer Welt in eine beliebige andere umzuschalten.
Also, ich muss schon sagen, leicht hatten es die Eltern mit Tschilpi grad nicht.
Aussehensmäßig war nichts Besonderes, Tschilpi sah aus wie fast jeder nackte Vogel mit gerade beginnendem Federflaum. Aber Tschilpi versprach ein, nun sagen wir mal, sehr eigener Charakter zu werden. Er wusste vieles besser, er war ein Träumer, und zugleich ein Draufgänger. Er konnte noch nicht viel selber tun, aber er wollte alles, am besten die ganze Welt erforschen und am besten auch sofort. Wenn er sich mit dem Spatzenkind von drei Ästen tiefer unterhielt, ach je, das war ein Gezwitscher.
Wann bist denn Du soweit mit Deinem Erstflug? Hallo, Spatzibubi ich rede mit Dir!“
Ach, das hat wohl noch Zeit! Jedenfalls sagen das meine Eltern, und die sind größer und haben Recht!“
Ach Papperlapapp, wer größer ist hat nicht unbedingt Recht. Sieh mal die Menschen, die sind noch viel größer. Und die machen so blöde Sachen. Und die besitzen auch ganz blöde Sachen“.
Was meinst Du damit?“
Na, ich weiß von dem da unten“ ( er meinte mich!!!°) der hat eine Laubsäge.
So ein unnötiger Quatsch, denn sogar ich weiß schon, dass das Laub von unserer Linde später von selbst abfällt! Also, wer größer ist, hat nicht unbedingt größeres Recht!“
Aber dann kam auch gerade Mutter Schönfeder und breitete die Flügel über Tschilpi, denn es war schon später Abend und sie sang ihn ein wenig in den Schlaf. Ganz sanft, so wie es nur Mütter tun können, wenn sie ihre unendliche Liebe zum Kind in die Tat umsetzen.
Und am nächsten Morgen tirilierte sich Tschilpi wieder in die Welt.
Hallo Nachbarn, ich habe schon die ersten Federn an den Flügeln. Ich mache bald meinen Erstflug!“
Du bleibst erstmal ganz brav in Deinem Nest und hast noch nicht einmal solche Gedanken“ rief ihn sein Vater zur Ordnung!
Ach was Papa, die Gedanken sind doch frei! Und ich habe geträumt, dass ich die ganze Welt erfliege, wenn ich erst mal meinen Erstflug mit Erfolg hinter mich gebracht habe. Dann hält mich niemand mehr hier in der mickerigen Linde!“
Vater Schönfeder klappte der Schnabel auf und zu, aber es war nichts zu hören; er war ganz einfach baff. Was hatte er da für einen Sohn aufgezogen.
Siehst Du da unten auf dem schwarzen Sofa von Don liegt ein Kissen. Und manchmal liegt da noch ein Wollknäuel. Und in dieses weiche Wollknäuel werde ich meine erste Landung machen. Ganz einfach.“
Vater Schönfeder klapperte etwas, das wie „ Aber Tschilpi, Du solltest doch lieber gar nichts riskieren. Schau ich lebe auch schon lange, aber ich bin auch immer ganz vorsichtig!“
Im Leben ist das A und O, das sogenannte Risiko“ das habe ich von irgendwo gehört, und das stimmt auch! Und ein Risiko geht immer der ein, der kein Risiko eingeht. Papa lass mich mal machen, ich bring das schon!“
Ach mein Junge, ich will doch nur, dass Du nicht zu Schaden kommst.“
Ihr habt mich in das Nest gesetzt und jetzt muss ich das Risiko eingehen irgendwann zu sterben. Das ist der Lauf der Welt!“ erwiderte der altkluge Besserwisser.
Mein Kind, Du bist noch viel zu jung, um solche Reden zuführen,“ wollte Vater Schönfeder seinen renitenten Sohn beruhigen. Aber der war jetzt erst recht vorlaut: „Ja, Papa, Du bist schon alt, aber wer alt wird, wird das Lernen verlernen und den Mut zum Mut verlieren“ schnabulierte der Jungmichel frech zurück. Und jetzt platzte dem erbosten Vater doch der Kragen. Er wollte nur einem möglichen Unglück vorbeugen und da erinnerte er sich, das beste Vorbeugungsmittel ist immer ein Tritt in den Hintern, und das tat er denn auch.
Aber der Tritt war wohl ein wenig zu heftig ausgefallen, denn Tschilpi flog über den Rand des Nestes und flatterte mit seinen unfertigen Flügeln auf das Kopfkissen auf meinem schwarzen Sofa zu und landete tatsächlich auf dem weichen Wollknäuel.
Na, wie hab ich das gedeichselt“ wollte Tschilpi gerade zu seinem Vater hinauf rufen, aber es war nicht mehr möglich, denn Tschilpi fühlte plötzlich, wie aus dem Wollknäuel Krallen herausfuhren und bekam einen Riesenschreck, als er merkte, dass er geradewegs auf Sternchen, unserer kleinen Katze gelandet war! Und jetzt geschah etwas ganz Seltsames. Der Moment, wo aus der augenblicklichen Angst ein nur kurzer Moment des Übermutes zu entstehen drohte war von einer solchen Komik, dass Tschilpi in ein überwältigendes Lachen und Kichern verfiel – und ehe sie sich richtig ereifern konnte verfing sich auch Sternchen in diesem Lachkoller und konnte fast nicht mehr aufhören.
Das war der Moment, als ich in die Situation platzte und den kleinen Tschilpi vorsichtshalber ergriff und zurück zur Linde brachte, wo mich der aufgeregte Familienvater derer von Schönfeder schon erwartete.
Ja, wenn einer von euch schon vorwitzig zu Ende denken wollte, das war es nicht. Ganz im Gegenteil, das war der Anfang einer langen Geschichte einer Freundschaft zwischen zwei Wesen, die unterschiedlicher nicht sein konnten.
Und wie treffend sagt dies ein deutsches Sprichwort aus: Der Unterschied von Rambazamba und Remmidemmi ist Wischiwaschi. Ich werde es euch in den nächsten Geschichten erklären!
Don 5. Juli 2012
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.04.2014. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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