Klaus-Jürgen Langner

Meine Gottesvorstellung

Meine Gottesvorstellung.
 
Vor ca. 500 Jahren war es eine Sensation, dass ein Teil der damaligen Christen sich daran machte, den Machtanspruch der damals allmächtigen katholischen Kirche zu brechen und sich eine eigene Religiosität anzueignen. Luther wollte dabei sicherlich keine neue Kirche gründen. Er wollte ja eine „Reformation“ also einen Wiederaufbau. Nach meiner Vorstellung heißt das, er wollte „ursprünglich gute Verhältnisse“, die durch Zeitablauf ver- oder überaltert waren wiederherstellen. Aber so ist das Ganze ja wohl nicht abgelaufen. Es ist wohl eine Versimplifizierung, wenn angenommen wird, dass es das gute Ursprüngliche wiederherzustellen galt.
Es gibt eine Erkenntnis, die ich auch teile: In Wahrheit kann sich nur das im Grundsatz gleich bleiben, was sich verändert. An die inzwischen eingetretene Veränderung muss sich auch so etwas scheinbar Zeitloses wie eine kirchliche Gottesvorstellung ändern.
 
Mit meinen Gedanken bin ich noch nicht ganz bis zu Ende gekommen in dieser Frage. Aber zurzeit gehe ich davon aus, dass meine Annahme für alle Menschen gleich welcher Kulturzugehörigkeit gilt: Trotz aller möglichen Unterschiede haben wir alle als Menschen das Bedürfnis nach Verwirklichung einer Religionsvorstellung .Das hängt zusammen mit unserem menschlichen „Sosein“ und dem „Eingebettet-sein“ in unserer Umwelt. Wir bestehen aus Geist und Leib. Dabei gehen die neuesten Erkenntnisse unserer Wissenschaftler davon aus, dass der materielle Leib auch nur eine besondere Erscheinungsform von energetischem Konstrukt ist. Aber das soll in einem weiteren Gedankengang später untersucht werden.
Wie alle anderen Lebewesen auf dieser Welt sind wir in unterschiedlicher Form, aber grundsätzlich alle abhängig von unserer Welt durch unsere Gestaltung mit einem Körper. Tiere und Pflanzen und andere Wesen  leben damit in instinkthafter Form, während wir Menschen ein Bewusstsein dieser Abhängigkeit haben können und damit entsteht die Voraussetzung von dem, was ich Religiosität nennen will. Diese Abhängigkeit muss ich niemandem beweisen, die erlebt jeder täglich. Niemand braucht dafür einen besondern Glauben, er braucht nur seine Sinne und seinen Verstand, um das für sich zu bemerken und zu notieren.
Ich gehe davon aus, dass ich wie alles andere, was mich umgibt, erschaffen wurde. Und ob ich diesen Schöpfer nun „Gott“ oder  sonst wie nenne ist nebensächlich. Ich brauche eben eine formale Bezeichnung, damit ich mit anderen darüber reden kann.
Wichtig wird es für mich erst jetzt, wo ich erkenne, dass ich meinen kulturellen Einflüssen schon mal nicht entrinnen kann, wenn ich anfange zu beschreiben, welche Gedanken ich über diesen Gott habe.
Aber was soll es, ich probiere es, so gut ich kann.
Ich bekenne mich also zu der Vorstellung von mir als einem Wesen aus Geist und Körper auf dieser Welt. Ich habe zwar viel Fantasie, aber etwas Genaueres kann ich zunächst noch nicht sagen. Es kann ja sein, dass ich irgendwann einmal den Körper, den ich mir im Laufe der Zeit von der Erde „entliehen“ habe, auch wieder der Erde „zurückgebe“.  Geistige Energie, die mich auch definiert, geht aber nach meiner Vorstellung (und  mir bekannter Wissenschaftler) nicht verloren. Was das bedeutet erkläre ich gerne, wenn wir uns alle gemeinsam mal ohne Körper begegnen.
Jetzt ist mein weltliches „Sosein“ das ausschlaggebende. Und da stelle ich fest, dass meine menschliche Erscheinung  die materielle und energetische Umwelt  benötigt so wie sie ist. Ich wäre so nicht denkbar in einer nichtmateriellen Welt.
Ich bin also ein Teil einer evolutionären Entwicklung. Darüber weiß die heutige Menschheit schon viel aber längst nicht alles so, dass wir diese Erscheinungsform etwa beherrschen würden. Die „Natur“ ist noch längst nicht voll erforscht. Diese Natur bringt die lebensnotwenigen Umstände zustande, die für die Menschheit nicht zu ersetzen sind.
Diese Erkenntnis ist vermutlich der Grund, warum in früherer Zeit so viele Gottesvorstellungen naturverbunden waren.
Diese für uns Menschen positiven Erscheinungen sind aber nicht für alle Ewigkeit garantiert. Ich bin nicht nur als einzelne menschliche Erscheinung „beendbar“  sondern die ganze Gattung Mensch und alle anderen Lebewesen auch.
Ich, als Teil der gesamten Menschheit erkenne, dass ich trotz meiner Abhängigkeit aber auch Freiräume habe, die ich auch bewusst gestalte und meine Freiheit auch lebe. Das bedeutet, ich weiß, um meine mögliche Fehlerhaftigkeit. Ich kann nämlich aus den mir zustehenden Freiräumen auch „nicht das Beste“ machen, also Fehler. Ich muss nämlich aus meiner eigenen Erkenntnis heraus entscheiden, was ich glaube, dass für mich gut ist.
Um der Mensch zu sein, der ich jetzt bin, brauche ich auch keine Anweisungen irgendeiner Autorität die mich anweist das zu tun und anderes zu unterlassen.
Wenn das jemand behauptet, den frage ich, ob dahinter nicht eine Absicht steckt, Macht über mich auszuüben.
Sobald mir dies klar wurde, konnte ich auch feststellen, dass die mir von meinen Eltern mitgegebene Gottesvorstellung Von einem dreieinigen „Gottvater“  nicht mehr länger überzeugend war.
Allerdings war es für mich schwierig, aus diesem Gedanken-Gebäude auszusteigen. Zu lange hatte ich damit gelebt.
Ich lebte und lebe jetzt noch gerne mit „leibhaftigen Personen“ zusammen.
Ja ich bin auf sie angewiesen. Und auf solche, die mir positiv gegenüber stehen fahre ich geradezu ab. Und mit meinem Vater kam ich sehr gut aus. Daraus kann ich verstehen, dass so ein „Gottvaterbild“ für einen Gott durchaus „nahe liegend“ war.
Aber nicht zwingend notwendig;  denn meine Mutter war eine starke Frau, die sich gerne auch als Urbild für eine Herrscherin zur Verfügung gestellt hätte. Und es hat schon etwas Beruhigendes, wenn ich mit solchen Wesen zusammen sein kann, die mir als „gütig“, und zwar als grundsätzlich gut meinend beschrieben werden. Und die mir Schutz gewähren, nicht so wankelmütig mit mir umgehen wie fremde Menschen, also so ein Vatergott ist schon ein möglicher Ausgangspunkt. Aber ein logisch zwingender Erkenntnisvorgang ist es dennoch nicht, denn ich kann diesen  Gottvater als Person noch nicht sinnlich erfassen, erleben.
Und es gibt auch noch die Überlegung für mich, ob nicht viele meiner erlebten „Schicksalsschläge“ nicht auch von diesem übermächtigen „Gottvater“ verursacht sein können.
Für mich waren eben nicht nur familiäre Traditionen bedeutsam für mein früheres Gottesbild sondern auch die Macht der katholischen Kirche mit all ihren Vorstellungen und Beeinflussungen. Ich hatte selbst gar keinen Entscheidungsspielraum für das Erschaffen „meines Gottes“. Der Pfarrer, die Schule und die gesamte Umwelt sorgte schon dafür, dass ich nicht auf die Idee kam, meine eigenen Erfahrungen mit „meinem“ Gott auszuprobieren, nein, mir wurde quasi vorgeschrieben, was von mir erwartet wurde an „Gottesanbetung“ gegenüber „Herr-Gott-Vater“! Und außerdem war es mir als noch jungem unfertigen Menschen persönlich ja auch verboten, ich sollte mir doch ja „kein Bildnis machen“ von Gott. Es gab schon genügend vorgefertigte, bereit zur Nutzung.
Erst später kamen mir auch  weitere Zweifel an der Personenhaftigkeit der Gottväter verschiedener Religionen. Wenn jemand von einer Person spricht, dann heißt das für mich immer: „Jemand hat einen körperlichen Leib“.
Ich  habe einen Gott mit Körper noch nicht selbst erlebt. Im Alten Testament erklären manche einen „Gott sprechen“ gehört zu haben. Etwas wenig, denn ich vermisse Beschreibungen, nach denen z.B. geschmeckt, gerochen, gesehen, getastet wird. Eine Gotteserfahrung mit diesen Sinnen habe ich noch nicht in der Literatur gefunden.
Aber viel mehr noch habe ich später Schwierigkeiten gehabt, wenn ich nachlesen konnte, was viele seiner jeweiligen Anhänger behaupten, in seinem Namen und auf sein Geheiß hin zu tun haben. Die davon  ausgehenden Qualen  sind vielleicht ebenso groß, wie die gespendete Güte und Liebe von anderen seiner Anhängern und Anhängerinnen.
Ich kenne viele Menschen, die auch heute noch zu leiden haben unter den Fehlern der kirchlichen Vertreter beider christlichen  Kirchen..
Da ist einmal mein früherer katholischer Priester, der später kleine, junge Mädchen „begrapschte“.
Aber auch und gerade  die Amtsenthebung meines früheren Freundes, des Hamburger Pastors Paul Schulz in den siebziger Jahren. erzeugte viel familiäres Leid, obwohl sich in diesem Fall die gesamte zuständige Organisation der protestantischen Kirche absolut lächerlich gemacht hatte. Paul war ein sehr intelligenter auch redegewandter und belesener Mensch mit vielen eigenen Ideen, die er auch in seiner kirchlichen Tätigkeit einzubringen versuchte. Ihm wurde vorgeworfen, er habe von der Kanzel etwas über Gott verkündet, was er als protestantischer Pastor niemals hätte verkünden dürfen. Als er während des Verfahrens immer wieder forderte, seine „Richter“ mögen doch positiv formulieren, was ein Pastor von der Kanzel lehren dürfe und als dies ihnen nicht möglich war, da verfielen sie auf die lächerliche Idee zu behaupten, das müsse er allein wissen, denn  er sei schließlich ein ordentlicher Pastor. Natürlich hatten alle erkannt welche Brisanz dahinter versteckt war, denn einmal so eine „Verkündigung“, und die nachfolgenden Amtsenthebungsverfahren  würden in die hunderte gehen müssen.
Für mich als Juristen ist diese Argumentation vergleichbar,  wie wenn in einem ordentlichen Gerichtsverfahren ein Richter meinen möglichen Mandanten verurteilen wollte. Weil er aber  nicht direkt sagen könnte weshalb er bestraft werden solle,  sei das nicht wichtig, denn als Mensch müsse er schon selbst wissen, weshalb er jetzt bestraft würde.
Eine Institution, die so etwas fertig bringt, ist allerdings nicht nur lächerlich, sondern hatte jegliche Achtung bei mir verloren.
So kam es, dass ich mir immer mehr eigene Gedanken über meine Gottesvorstellung zu machen getraute.
Zwei Themenbereiche waren es, die ich noch gedanklich durcharbeiten musste. Das eine ist die Stellung der Frau in der christlichen Lehre, am besten zu erklären am Beispiel der Gottesmutter Maria. Sie ist es, die nur recht am Rande in der Bibel erwähnt wird.
Und das andere ist die Einstellung der beiden christlich eingefärbten Religionen zur Gewalt; angefangen in der vorgeschichtlichen Zeit bis zum heutigen Tag.
 
Ich beginne zunächst einmal mit dem Versuch, die Sünde zu definieren.
Dazu ist nach christlicher Definition eine „willentliche Abkehr von Gottes gutem Willen nötig oder im Misstrauen Gott gegenüber“.
Beide Konfessionen aber gehen davon aus, dass der Mensch sündig bereits geboren wird. Er kann diesen Zustand nur durch den Vollzug der Taufe beenden. Wann sollte denn ein frisch geborenes Baby „sich von Gott abgekehrt“ haben? Hier erscheint mir ein „Machtanspruch“ einer kirchlichen Vereinigung ganz offensichtlich. Das macht es für mich nicht gerade verführerisch zu einer solchen Gruppierung „Ja“ zu sagen.
Wenn ich aber „in-der-Sünde“ bleibe, dann führt das dazu, dass ich wie alle anderen Sünder beim „Jüngsten Gericht“ meine gerechte Strafe bekomme. Ab in die Hölle! Es sei denn diese ist wegen Überfüllung geschlossen, denn die meisten Menschen sind nach meiner  Kenntnis nicht christlich  getauft auf der Welt.
 
Wenn ich mich jetzt erst einmal mit der Gottesmutter Maria beschäftige, dann stelle ich fest, deren Namen kommt aus dem hebräischen und bedeutet „Betrübnis“. Was soll denn so ein Namen für die Mutter von Gott bedeuten? Das hat mir bisher noch niemand überzeugend verdeutlichen können!
Diese „Frau Betrübnis“ (es gibt noch andere gleichen Namens: Maria Magdalena und andere) ist für mich am meisten in Erinnerung verblieben bei der Erscheinung des Engels Gabriel, der ihr die Geburt eines Gottes-Sohnes verkündet, ohne das ihr Verlobter „Josef“ sie vorher „erkannt“ hat. Später wird noch berichtet, dass sie bei der Kreuzigung ihres Sohnes zugegen ist. Aber sehr viel ist das nicht.
Wenn ich sie als Gottesmutter betrachten soll, dann hätte ich mehr Aufmerksamkeit erwartet. Auch das Verhalten ihres Sohnes lässt in den Berichten der Bibel nicht viel Achtung für sie erkennen. In der ganzen Bibel fand ich keine Stelle, wo er „diese Frau“ mit „Mutter“ anspricht. Mit 12 Jahren soll er sich ja schon von „dieser Familie“ abgesetzt haben, im Tempel geblieben sein und sich eine neue Familie gesucht haben „Frau, was habe ich mit Dir zu schaffen!“ (Johannes 2,4).
Diese Haltung hat sich für die Christen bis in die heutige Zeit ganz allgemein gegenüber allen Frauen fortgesetzt. Gott ist in allen Bereichen des Glaubens sobald er als Person angesprochen wird  ein „Herr, König und Vater“ usw. aber keine Göttin. Ich habe keinen großen Erfolg gehabt beim Suchen von weiblichen Bezeichnungen von dem christlichen Gott. Es soll aber ein kirchliches Weihnachtslied geben, das  behauptet Christus sei aus Gottvaters Schoß entsprungen. (Wer es kennt, der mailt mich bitte an!)
Nun, in den drei großen monotheistischen Religionen der Neuzeit gibt es keine Göttinnen mehr; nicht beim Judentum nicht beim Islam und auch nicht beim Christentum (genauso genommen ist das Christentum ja auch eine tritheistische Religion: Gottvater, Gottsohn und heiliger Geist).
Aber die Frauen als Gottvorstellungen haben es in der Frühzeit unserer Geschichte zu sehr vielen Erscheinungen gebracht. (Heute finden wir Männer nur noch unsere Partnerinnen als anbetungswürdige  Wesen, aber nicht gleich als Göttinnen!) 
Aber auch als kirchliche Würdenträger werden heute bei den „Katholiken“ Frauen überhaupt nicht geduldet.  Und bei den „Evangelischen“ nur sehr widerwillig. Immerhin gibt es wenigstens dort Pastorinnen.
Ich stelle für mich fest, dass die vorherrschende Grundeinstellung der beiden „Christlichen Kirchen“ zum Thema „Frau“ auch heute noch sehr überarbeitungswürdig ist.
 
Das Thema Gewalt ist in der Bibel ein genauso großes wie auch im sonstigen Leben. Die Bibel zeigt, dass Gott Gewalt für sich für rechtens hält. Die menschliche Gewalt mag er gar nicht und er beansprucht für sich das Recht Gewalt auszuüben, um die menschliche Gewalt zu  vernichten.
Das ganze Dilemma fängt doch schon damit an, dass Adam und Eva sich gegen Gott auflehnen. Die Folge ist Ausweisung aus dem, was Gott für die Menschen eigentlich vorgesehen hatte. Ab in die normale ungeordnete Welt. Das Paradies wird eingemottet.
Danach wird vom Brudermord des Adam berichtet. Gewalt schon zwischen den ersten Menschen. Dann werden sehr viele der von Gott geschaffenen Menschen so böse, dass Gott zur „Sintflut“ greift und fast alle Menschen ertrinken lässt, um einen Neuanfang zu starten. Von göttlicher Gerechtigkeit kann ich bis hierher noch nichts entdecken. Eher erkenne ich dass Gott auch die Todesstrafe als Ausgleich für begangenes Unrecht ansieht. Das bedeutet „Vergeltung“ ist ein gerechter Ausgleich für den Gott der Liebe. Wirklich?
Später erzählt uns die Bibel die nette Geschichte von Sodom und Gomorra. Gott benutzt „Schwefel und Feuer“ um sie vollständig zu zerstören. Abraham versucht Gott noch einmal gnädig zu stimmen, aber der lässt lieber das Feuer wüten anstatt verschonende Gerechtigkeit zu praktizieren.
Später als Gott es zuließ, dass sein Volk, die Israeliten, vom Pharao versklavt wurde, da wird Moses ausgeschickt um diese Verfolgten zu retten und Jahwe unterstützt ihn, indem er ein ganzes Heer der Verfolger im geteilten Roten Meer verschwinden lässt. Das ganze lässt mich vermuten, dass das die Tat eines national begrenzten Kriegsgottes war, der ein Volk rettet, indem er ein anderes vernichtet  Zu seiner Ehre singt dann Mirjam  (Im jüdischen Glaubensbekenntnis): „Lasst uns Jahwe singen, denn er hat eine herrliche Tat getan, Ross und Mann hat er in das Meer gestürzt!“
In der Bibel wird dann erzählt, wie die Israeliten sich ihren Staat  eroberten. Da wurden die benachbarten Völker mal eben ausgerottet und Frauen und Kinder wurden nicht verschont. Selbst wenn später dann ein Friedensangebot und gescheiterte Verhandlungen vor der Vernichtung  erwartet wurden, bleibt es für mich nicht nachvollziehbar, dass heute noch die Bibel voll von grauenhaften Forderungen ist, die seinerzeit nicht nur als gerecht, sondern als gottgewollt angesehen wurden. Die damaligen Herrscher richteten sich auch danach wie z B. König David, der seinen Konkurrenten Uriah beseitigte um seine Witwe zu heiraten und all seinen Besitz dazu nahm.
Eine Sammlung vieler Zitate zu diesem Thema befindet sich am Schluss meiner Ausführungen.
In einem beschreibenden Geschichtsbuch wären all diese Darstellungen eben nur Beschreibungen einer früheren Kulturepoche gewesen, die heute als überholt und verabscheuungswürdig betrachtet werden könnten. Die Bibel ist aber nach eigener Darstellung etwas ganz anderes.
Wie und wann entstand denn überhaupt die Bibel?
Das Alte Testament war jahrhunderte lang mündlich weitergegeben worden, ehe im 9. Jahrhundert eine schriftliche Fixierung begonnen wurde.
Der gesamte Text war wohl nach ca. eintausend Jahren überarbeitet und die erste Fassung eines hebräischen / aramäischen Textes stand fest. Da kamen im Jahre 70 nach Christus die Römer,  zerstörten Jerusalem und den gesamten Tempel. Jüdische Gelehrte (die Masoreten) erneuerten langsam wieder alle noch erreichbaren Schriften und dieser Text ist jetzt nach weiteren Übersetzungen die Grundlage des alten Testaments.
Auch die Grundlagen  für das Neue Testament wurden über Jahrzehnte hinweg nur mündlich überliefert. Nach fast 100 Jahren wurden dann hier auch Schriftstücke gefertigt. Aber erst Ende des 2. Jahrhunderts stand der wesentliche Umfang des Neuen Testamentes in griechischer Sprache fest. Um- und übergearbeitet wurde aber ständig bis heute.
Nachdem ich mir dies genauer vor Augen geführt hatte, war mir klar, wie viel ich in der heutigen Bibel nach so langer Zeit und so vieler Übersetzungen an direkten Aussagen von der historischen Person Jesus noch wieder finden kann.
Ich billige jedem seine eigene Meinung über die Forderung von einigen Menschen zu, die heute noch auf einer verbindlichen wörtlich zu befolgenden Anweisung des Bibeltextes bestehen.
 
Aber Was ist Wahrheit?“ fragt schon in der Bibel Pontius Pilatus beim Verhör Jesu (Joh 18,38 EU).
Es gibt viele inzwischen auch als Fehler anerkannte Stellen in der Bibel. Sie sind manchmal mathematische Verirrungen und bekannt ist auch, dass die Angaben über die Zeit der Geburt von Jesus sehr wahrscheinlich falsch sind.
Das ist für mich kein Wunder. Das kann ich auch akzeptieren, bei dem Alter der Schriften! Für mich ergibt sich aber, dass ich deshalb nicht die Bibel als wörtlich oder auch nur inhaltlich maßgebende Grundlage ansehen kann wie ich mein Leben einzurichten habe. Wer das anders sieht, wird seine Gründe dafür haben und ich achte seine Entscheidung, wie auch ich in Anspruch nehme, dass andere meine Entscheidung ebenso achten sollen.
Das bedeutet aber, dass ich die Ausgestaltung meines Gottesbegriffes noch nicht beenden kann.
Ich bin im Augenblick der Auffassung, dass ich meine Realität selbst gestalte und deswegen auch selbst verantwortlich bin für das, was für mich zurzeit alles geschieht. Aus der Auswahl der gesamten Möglichkeiten entstehen meine Bereiche meiner Welt dort wo ich eine Resonanzfähigkeit in mir aufgebaut habe. Alles das, wofür ich keine Affinität habe, existiert für mich nicht. Das ist sehr bequem, weil ich es so in der meiner Hand habe, meine Umwelt selbst zu gestalten. Ich brauche ja nur mich dort zu ändern, wo ich es möchte. Das ist viel einfacher als die ganze Welt zu ändern, dort wo sie mir nicht passt.
Allerdings habe ich damit auch keinen „anderen“ mehr, dem ich „die Schuld geben kann“, für mein Versagen.
So gesehen bin ich ja vielleicht schon ein kleines Teil  von meinem persönlichen Schöpfergott.
Aber der sieht jetzt nicht gerade christlich aus. Selbst wenn ich jetzt noch manches Mal in die Kirche gehe. Deswegen bin ich noch längst kein Christ. Ich werde ja auch keine Briefmarke wenn ich mal in die Post gehe!
Um mehr für mein noch nicht fertiges Gottesbild zu erkennen muss ich noch viel weitere Gedankenarbeit leisten. Und dabei habe ich sogar die Ahnung, dass das nur die Vorbereitung ist. Denn ich vermute, dass ich außer meinem Verstand auch noch der Mithilfe meines Herzens bedarf um ihn zu finden.
Wenn ich die Welt um mich herum betrachte und all die Menschen beobachte, da kommt mir manchmal der Verdacht dass Gott entweder noch herumexperimentiert, oder aber ganz einfach ein wenig mit uns spielt.
Dem Ausspruch, dass wir Menschen die Krone der Schöpfung seien, kann ich manchmal nur dann zustimmen, wenn es sich dabei  um eine Dornenkrone handelt
Vielleicht haben meine hier niedergelegten vorläufigen Gedanken ja andere dazu gebracht, selbst einmal über das Thema nachzudenken. Dann freue ich mich über eine Kontaktaufnahme.
Don, 04. 05. 2014

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.05.2014. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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