Engelbert Blabsreiter

Mo....dee... mecht i a hom

 

Aufzeichnungen einer außerirdischen Intelligenz, zur Entwicklung der menschlichen Rasse auf dem Planeten Erde und einem geheimnisvollen Virus der alle Menschen infizierte :

Uluru war schon seit Tagen unruhig und voller Sorge um ihren Mann Umdi. Er war mit anderen nicht von der Jagd zurückgekehrt. Hoffentlich ist ihm nichts passiert, dachte sie während sie in der Höhle auf das Feuer achtete.

Um sich die Zeit zu vertreiben, hatte sie mit einem spitzen Knochen Löcher in Schneckenhäuser hineingebohrt, um sie auf ein Lederschnürchen, das sie aus einem Stück Hirschleder geschnitten hatte aufzufädeln. Das Gebilde gefiel ihr und sie war überzeugt, dass die Kette böse Geister abwehren würde. Zur besseren Wirkung, hängte sie sich diese Kette um den Hals. Und tatsächlich.... sie hatte das Gefühl beschützt zu werden. Umdi hatte ihr damals, als er um sie warb, viele dieser schönen Schneckenhäuschen geschenkt und mit dieser Kette um ihren Hals, fühlte sie sich dem abwesenden Umdi auch etwas näher.

Als plötzlich vom Höhleneingang bekannte Geräusche und Stimmen zu ihr drangen, klopfte ihr Herz vor Aufregung sofort schneller und sie sprang sogleich auf, um ihren Mann zu begrüßen. Umdi kam mit mehreren anderen Männern von der Jagd heim und hatte große Fleischteile auf der Schulter und den Rücken gebunden. Er sah sehr erschöpft aus und inspizierte Uluru eindringlich.

Sofort fiel ihm die Kette mit den Schneckenhäusern um ihren Hals auf und die anderen Männer rissen ebenfalls erstaunt und neugierig ihre Augen weit auf.

Alle mussten die Kette mit ihren Fingern berühren und inspizieren. Umdi passte es gar nicht, dass die anderen Männer Uluru berührten und schlug voller Eifersucht auf die Rivalen ein. Der daraus entstehende Streit endete mit einer wilden Keilerei und mehreren Verletzten.

Schon wenige Tage später hatten alle Frauen der Sippe ähnliche Ketten um den Hals, wobei die Männer plötzlich keine Zeit mehr hatten, um für Nahrung zu sorgen. Sie mussten ihre Zeit damit verbringen, schöne Schneckenhäuser für ihre Frauen zu suchen. Natürlich wollte jede Frau die schönsten Schneckenhäuser für sich beanspruchen. Und somit war ein neuer Trend geboren.
Weil die Frauen von ihren Männern immer andere und neue Schneckenhäuschen wollten, die sie bei anderen Frauen entdeckten, zeigten sie mit den Fingern auf die gewünschten Exemplare und sprachen zu ihren Männern:
Mo..dee......mecht i a hom!
Damit bürgerte sich mit der Zeit der Begriff Mode dafür ein, wenn ein neues Schmuck oder Kleidungsstück das Gefallen der weiblichen Bevölkerung fand. :-)

Als Umdi wieder auf die Jagd gehen wollte, machte ihm Uluru Vorwürfe, dass eine andere Frau viel schönere Schneckenhäuser von ihrem Mann bekommen hatte als sie. In Zukunft würde sie sich nur noch dem Mann zuwenden, der die schönsten Schneckenhäusern anzubieten hätte. So strengte sich Umdi immer mehr an, diese Schneckenhäuschen zu finden.

Bald jedoch, waren alle Schnecken ausgerottet und so wollten alle Frauen schöne Muscheln um ihren Hals und ihre Handgelenke tragen. Einer der Männer hatte nämlich aus Frust darüber, keine Schneckenhäuser mehr zu finden, einfach ein paar schön glänzende Muschelschalen als Ersatz mitgenommen.

Prompt wollten alle Frauen, schöne glänzende Muschelschalen als Schmuckgegenstand an ihrem Körper tragen. Nur.... die Muschelschalen und Schneckenhäuser machten die Beschenkten nicht satt. Die Männer hatten jetzt wegen der Befriedigung der Designwünsche ihrer Frauen keine Zeit mehr zum Jagen. Diese waren nur noch damit beschäftigt, ihr Aussehen zu verschönern und sich gegenseitig, mit immer schöneren Schmuckstücken auszustechen, anstatt Beeren und Wurzeln zu sammeln.

Dadurch zog heimlich der Hunger in die Sippe ein. Der spärliche Inhalt der Schneckenhäuser und Muscheln, konnte sie auf Dauer nicht am Leben erhalten. Sie wurden immer magerer und konnten keine isolierenden Fettpolster, für den langen und kalten Winter ansammeln. Schon nach wenigen Wochen des Winters, waren sie zwar reich verziert, starben jedoch wegen der fehlenden Fettschicht und aus Mangel an Vorräten den Hungertod.

Trotzdem konnten sich Teile der Bevölkerung in vielen tausend Jahren, von der damaligen viral modischen Katastrophe erholen und vermehren. Auch wenn der Modevirus immer wieder ausbrach, gelang es ihm nicht die menschliche Rasse zu vernichten.

Ein Staatsmann namens Mao Tse Tung , entschied zur Vermeidung modischer Exzesse durch den Virus, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt, alle Männer und Frauen einheitliche Uniformkleidung tragen mussten. Auf Schmuckgegenstände jeglicher Art, musste ebenfalls verzichtet werden, da dies dekadent sei. So sahen plötzlich alle Menschen des Landes gleich aus und niemand durfte einen anderen im Aussehen, oder Design der Kleidung übertreffen. Alle waren zufrieden damit, dass sie sich modisch glichen und niemand bezüglich der Kleidung mehr Wert war, wie der andere. Nach einigen Jahren jedoch, zog Langeweile in die Gemüter der Bevölkerung ein und so versuchten einige Individuen, sich durch bestimmte Accessoires von den anderen zu unterscheiden.
Der Virus….. brach wieder aus….

Männer zierten ihre grauen Uniformen mit zahlreichen Orden und Frauen schmückten sich mit bunten Ehrenbändern, für treuen Dienst für den Staat.

Aufgrund der langen Abstinenz von modischen Eindrücken vermehrte sich der Modevirus erneut und steckte die Bevölkerung explosionsartig an. Die graublaue Einheitsuniform, wurde durch bunte und zum Teil gewagte Designerkleidung ersetzt. Die virale Durchseuchung setzte sich daraufhin, in ungeahntem Ausmaß epidemisch fort.

Über einen sogenannten Catwalk, staksten Spindeldürre und ausgehungerte junge Exemplare der weiblichen Gattung Homo Sapiens, zur Präsentation von modischer Kleidung, einen schmalen Laufsteg entlang. Aufgrund ihres steifen Auftretens und der spärlichen Kleidung wäre jedoch die Zuordnung zur Gattung Homo Erectus passender gewesen.

Es war nicht ganz klar, ob die Damen so schlank sein mussten weil die verwendeten Stoffe so sündhaft teuer waren und damit Stoff gespart werden konnte, oder weil die Fortbewegung mit dieser hochhackigen, filigranen und wackligen Fußbekleidung, nur bis zu einem gewissen Gesamtgewicht möglich war, ohne sich dabei die Knochen zu brechen. Die Stoffe waren sogar so teuer, dass er in einigen Fällen nicht einmal ausreichte, um gewisse erotische Körperteile zu bedecken.

Und trotzdem, war die Nachfrage bei der weiblichen Bevölkerung so groß, dass sie in den Einkaufstempeln in einer Warteschlange standen, und an sogenannten Wühltischen sich sogar darum schlugen.

Die Männer waren immer noch überwiegend damit beschäftigt, Wertgegenstände in Form von Geld zu sammeln, damit sie die modischen Wünsche ihrer Frauen befriedigen konnten und sich die Frauen nicht anderen Männern, mit schöneren Muscheln…äähh Kreditkarten zuwandten.

Trotz zahlreicher Untersuchungen durch modernste High Tech Analysegeräte gelang es nicht den Virus ausfindig zu machen und zu isolieren.

So kam es letztendlich zu einer weltweit umspannenden viralen Katastrophe, der die Bevölkerung hilflos erlag. Manches weibliches Exemplar hauchte sein Dasein mit einem Fingerzeig und den letzten Worten....

Modee…. mecht i a hom…. aus.

©2017 Engelbert Blabsreiter

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.06.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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