Petra Zeugner-Schünke

und es gibt sie doch..

ULM - Jetzt ist das passiert, was viele schon wussten. Sie wussten, dass es sie gibt, doch sie wurden

nicht gehört oder als Spinner abgetan.

Doch nun wurde uns aus sicherer Quelle folgendes berichtet:

Angefangen hatte alles an einem nebelig trüben Morgen im Frühherbst.

Der Himmel war in ein diffuses eisgraues Licht getaucht, nichts regte sich und es sah aus, als wenn

eine riesige Kuppel über die Stadt gestülpt war. Die Straßen waren noch fast leer und es lag ein

eigenartiger Geruch, wie von verbrannten Kräutern in der Luft.

Die Beobachtungen der 43 jährigen Zeugin Yvonne K. wurden auf Nachfragen von mehreren

unabhängigen Personen bestätigt. Nach einer halben Stunde klarte es dann auf.

Am Abend des gleichen Tages wurde am See, welcher am Stadtrand liegt, eine weitere eigenartige

Beobachtung gemacht. Der 36 jährige Forstwirt Volker D. berichtete über einen sehr großen,

tiefstehenden Vollmond. Davor auf dem Steg soll eine Frau gestanden haben, die den Eindruck

erweckte, den Mond zu berühren. Als Volker D. am Ort des Geschehens ankam, sei die Frau nicht

mehr da gewesen und der Mond wieder ganz normal.

Doch damit nicht genug. Am nächsten Abend war die 84 jährige Adelheid F. zur Abendmesse in der

Kirche. Beim Verlassen will sie Schüsse gehört haben, die sich aber als Fehlzündungen eines

startendes Autos erklären ließen. Auch andere Kirchgänger hörten es.

Sie erzählte, dass sie vor Schreck nach oben schaute und dort, neben dem Wasserspeier, auf einem

Sockel an der Dachkante habe sie ihn gesehen, den Engel. Er habe zu ihr hinuntergeschaut und mit

der Hand eine weit ausladende Bewegung gemacht. Daraufhin habe sich der Himmel verdunkelt und

es roch nach verbrannten Kräutern.

Am Himmel erschienen mehrere fliegende Objekte, die wie im Sturm hin und her schleuderten.

Auch hier fragten wir bei mehreren Personen nach, die sich zur gleichen Zeit dort aufgehalten haben.

Die Aussagen der Adelheid F. wurden wiederum von allen bestätigt.

Die alte Dame berichtete nun weiter, dass sie sich einen Moment auf der Bank ausruhen wollte,

als ein gut gekleideter junger Mann mit langen Haaren sich zu ihr setzte.

Er habe sich mit Uriel vorgestellt und gemeint, dass das, was sie gesehen hat, jederzeit auf der Erde

geschehen kann, wenn die Menschen nicht aufhörten, die Erde, ihre Mitmenschen und sich selbst zu

zerstören. Dann hat er seine Hand auf ihre Schulter gelegt und eine warme Welle durchströmte ihren

Körper. Seitdem hatte sie keine Schmerzen mehr. Als er wieder ging, ist eine weiße Feder von seinem

Jackett gefallen, direkt vor ihre Füße.

(Die Feder liegt der Redaktion vor. Anhand von DNA-Untersuchungen, konnte keine Übereinstimmung

mit einem auf der Erde existierenden Lebewesen festgestellt werden. Auch die ärztliche Untersuchung

der alten Dame ergab, dass alle vorher diagnostizierten Erkrankungen vollständig ausgeheilt waren.)

Bei weiteren Recherchen ist es der Redaktion gelungen, einen jungen Mann ausfindig zu machen, der

uns in etwa das Gleiche berichtete, wie der Forstwirt von See.

Henrik L., 19 jähriger Abiturient, wollte mit ein paar Freunden das Wochenende am See genießen.

Als er dort eintraf, stand auf dem Steg eine Frau, dem riesigen Vollmond zugewandt und streckte ihre

Hand dem Mond entgegen. Nur das in diesen Tagen kein Vollmond war, sondern abnehmender

Mond. Auch hätte Henrik L. noch nie so einen nahen Mond gesehen. Genau wie beim ersten Mal

verschwand die Frau, als Henrik L. darauf zugehen wollte, und alles war wieder ganz normal.

Weiter berichtete Henrik L., dass ein gut gekleideter junger Mann auftauchte und ihn zu sich winkte.

Er zeigte auf ein Haus und Henrik L. sei zu diesem Haus gegangen und habe ins Fenster geschaut. Er

konnte sich nicht erinnern, dass dort jemals ein Haus gestanden hätte.

Es habe von innen sehr viel größer gewirkt, als von außen und bestand aus nur einem Raum. In

diesem Raum habe ein großes Bett gestanden und darauf lag ein blondes kleines Mädchen von

vielleicht 8-10 Jahren. Um das Kind flogen weiße Tauben, absolut lautlos.

Henrik L. wollte nicht mehr weiter erzählen, weil er sich, wie er sagte, lächerlich vorkam. Doch

nachdem ihm von Seiten der Redaktion versichert wurde, dass ihm Glauben geschenkt würde,

berichtete er weiter.

Auf seine Frage an den jungen Mann, was mit dem Kind sei und warum er ihm das zeigte, sagte

dieser, sie sei seine Tochter.

Henrik L. fiel aus allen Wolken, wie er sich ausdrückte, doch der Mann habe ihn

beruhigt und ihm seine Hand auf die Schulter gelegt. Eine warme Welle habe ihn durchströmt und

er sei auf einmal ganz ruhig geworden. Dann habe der Mann gesagt, sie sei noch nicht geboren und

das würde sie auch nicht, wenn sich in der Welt nichts ändere. Dann sei er gegangen und alles war

wieder wie es vorher war, und Henrik L. stand am See.

Auf Anfragen der Redaktion, was er mit seinem Wissen jetzt anfangen wolle, erwiderte Henrik L.,

er will helfen die Welt besser zu machen, er wüsste zwar noch nicht ganz genau wie, aber er müsse es

unbedingt tun.

Auf die Frage warum er das tun müsse, und ob er das alles wirklich glaube, zog er ein kleines Kästchen

aus seinem Rucksack und öffnete es. Darin lag auf rotem Samt gebettet eine einzelne weiße Feder

und Henrik L. sagte, er wolle schließlich irgendwann mal seine Tochter kennenlernen.

B.Z. – (Name ist der Redaktion bekannt)

 

© Petra Zeugner 2015

 

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