Georges Ettlin

Ode für einen Toten


Der Tote liegt so seltsam stille da, nachdem die Krankenpflegerin ihn sterben sah. Es gibt nichts Schöneres als die
schöne, edle Leiche, drum niemals  gleich von seinem Bette weiche: Sie schreckt dich nicht , greift niemals dir an deine
Beine, denn der Mann ist richtig tot, so wirklich wie ichs meine: Der schöne Tote steht nicht plötzlich auf nach seinem letzten Schnauf
und folgt dir niemals nach, nachdem sein klares Auge brach.
Elfenbeinern schimmert seine zarte Haut und wie das Blau vom Enzian, so  leuchten noch im Tode seine mattend` Augen, die
wohl zum Sehen nichts mehr taugen, doch schaut der Tote dir jetzt niemals hinterher und dies zu merken fällt dir schwer ?
Du fühlts sein Blick, doch der ist leer !
Der Tote sagt nichts, klagt nichts, schimpft dich niemals aus, erzeugt dir auch kein Ekel und kein Graus, doch in seinem
leeren Bette will dann niemand liegen, der Tod in dem Spital dann ist wohl sehr geheim und frägst du nach, so wird gelogen, dass die Balken biegen.
Bedenke, auch dem Toten wachsen Fingernägel, Haare von dem Bart noch immer, sein Erscheinen wirkt dann immer schlimmer.
Und doch, er lässt im Sterbezimmer dich in Ruh. Und hörst du noch sein letzter Schnauf, dann zeige deinen Rocksaum nicht,
da schaut er drauf.  Der Tote war ein Mann und wohl auch voller Liebe, unterschätze nicht Magie und Triebe: Vielleicht aus Liebe 
er wohl  gerne noch am Leben bliebe !

***

c/ G.E.
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.12.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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