Heinz-Walter Hoetter

Der Fall T-Bird (Teil 7)


 

Random & Shannon

Ermittlungsagentur NEW YORK

 


 


 


 

Der Fall T-Bird (Teil 7)


 


 

Jimmys Club befand sich an dem weniger eleganten Ende der Promenade von Terrania Bay City. Es war ein ziemlich heruntergekommener Betonbau, der auf eisernen Füßen in den flachen Sandstrand über das Wasser hinaus gebaut war. Direkt davor lag ein ziemlich großer Parkplatz, der, obwohl die Uhr erst zehn vor sieben zeigte, schon total mit Gleitern aller Art vollgestopft war. Manche dieser bulligen Vehikel ohne Räder sahen schon ziemlich mitgenommen aus und man merkte gleich, dass hier überwiegend wohl weniger betuchte Leute verkehrten.

 

Der Parkwächter kam näher. Es war ein dicker, älterer Mann, der übers ganze Gesicht gut gelaunt grinste. „Hier ist das Parken gebührenfrei,“ rief er mir zu und wies mir eine Parknische für meinen Sportgleiter zu, dessen langer Bug wenige Augenblicke später von der freien Arretiervorrichtung gepackt und unverrückbar festgehalten wurde, wie das überall so üblich war.

 

Ich stieg aus und ging über den schmalen Landungssteg zu dem Lokal und trat sofort an die Bar. Die Theke lief auf der einen Seite der ganzen Länge nach durch den Raum. An den Wänden hingen, was ich hier nicht erwartet hätte, nämlich moderne Plasma-Bildschirmgemälde, die von Zeit zu Zeit das dargestellte Thema wechselten. Es war auch eine kleine Grill-Braterei vorhanden, hinter der gerade auf mehreren elektrischen Spießen fette Hähnchen brutzelten.

 

Das Lokal war mehr als gut besucht. An der Bar lehnten elf oder zwölf Männer, tranken verschiedenfarbig aussehende alkoholische Getränke und griffen hin und wieder in vor ihnen stehenden Schalen mit exotischen Gewürzen.

 

Durch den leicht flimmernden, transparenten Energievorhang am anderen Ende des Raumes konnte ich auf eine von einem wuchtigen, reich verzierten Sandsteingeländer umgebende Veranda sehen, von der ein sandfarbenes Sonnensegel die strahlende Abendsonne abhielt. Auf drei Viertel der großzügig angelegten Verandafläche standen runde Tische in unterschiedlicher Größe mit vier oder sechs bequemen Stühlen davor. Auf einem leicht erhöhten Holzpodest, umgeben von schmalen, mit schönen Kletterrosen bewachsenen Marmorsäulen, tanzten mehrere Paare verliebt zu einer dezent im Hintergrund spielenden Vier-Mann-Kappelle.

 

Ich war von der angenehmen Atmosphäre dieses abseits gelegenen Lokals überrascht, das von draußen nicht den allerbesten Eindruck auf mich gemacht hatte. So kann man sich täuschen, dachte ich für mich.

 

Da ich hoffte, mit Fuller in ein ernstes Gespräch zu kommen, entschloss ich mich dazu, drinnen zu bleiben und mich von der Menge auf der Tanzveranda fernzuhalten. Ich warf vorsorglich einen flüchtigen Blick auf die Gäste, um mich zu überzeugen, dass er noch nicht da war. Meinen verabredeten Gesprächspartner konnte ich allerdings nirgends sehen. Ich wollte weiterhin auf ihn warten und wählte einen Ecktisch im Barraum neben einem großen, offenen Fenster, setzte mich und machte es mir in einem der Korbsessel bequem.

 

Ein Kellnerandroide eilte fast geräuschlos herbei, wischte mit einem weißen Tuch über den Tisch, nickte mir freundlich zu und fragte mich nach meiner Bestellung. Ich schaute erst gar nicht in die Getränkeliste, sondern bestellte mir gleich eine Flasche vom besten Whisky mit Eis und zwei Gläser. Ein paar Minuten später stand alles auf dem Tisch.

 

Kurz danach kam Ralph Fuller plötzlich um die Ecke und schaute sich im Barraum um. Als er mich sah, kam er fröhlich grinsend auf mich zu. Er trug eine ausgebeulte Flanellhose und ein am Hals offenstehendes Hemd. Seine dünne Sommerjacke hing ihm lässig über die Schulter. Als er die Flasche Whisky sah grinste er noch breiter.

 

„Hallo, mein Guter“, sagte er entspannt und gelassen, „Sie haben ja schon die Flagge gehisst. Konnten Sie nicht auf mich warten?“

 

„Die Flasche ist ja noch nicht offen“, antwortete ich. „Setzen Sie sich zu mir! Sie sind doch jetzt ein freier Mann. Wie fühlt man sich da?“

 

Ralph Fuller blähte seine Backen auf und winkte ab.

 

„Ach wissen Sie Mr. Random, Sie haben ja keine Ahnung, wenn Sie nicht das gleiche durchgemacht haben wie ich. Ich muss ein Dummkopf gewesen sein, weil ich so lange dageblieben bin.“ Dann sah er die Flasche an, die vor uns auf dem Tisch stand. Er tippte mit dem Zeigefinger der rechten Hand auf den Verschluss.

 

„Haben Sie die Absicht, die heute noch aufzumachen oder ist die nur zum Anschauen da?“

 

„Nein natürlich ist sie das nicht. Bitte entschuldigen Sie meine Unaufmerksamkeit“, sagte ich, öffnete schnell die Flasche, warf jeweils einen Klumpen Eis in unsere Gläser und goss ein. Wie stießen an und nickten einander zu. Der gekühlte Whisky war für mich die reinste Wohltat, besonders nach dem üblen Vorfall in Captain Fletchers Büro.

 

Fuller und ich zündeten uns Zigaretten an, ließen uns noch tiefer in die Korbsessel fallen und genossen die gemütliche Runde.

 

„So kann man leben“, sagte Fuller. „Wenn es etwas gibt, was mir besser gefällt als alles andere, dann ist es, irgendwo herumzusitzen, wo man das Rauschen des Meeres im Hintergrund hören und einen guten Whisky dazu trinken kann. Na ja, ich gebe zu, es gibt Zeiten, da verdrängt eine Frau alles andere im Leben. Aber wenn ich mich einmal richtig ausruhen und entspannen möchte, dann will ich keine dabei haben. Ich sage Ihnen auch warum, Mr. Random. Weiber reden und schnattern oft wie die Gänse, der Whisky tut das nicht. Ich muss schon sagen, das war eine großartige Idee von Ihnen.“

 

Ich nickte bejahend mit dem Kopf und drückte ihm so meine Zustimmung aus. Dann griff ich wieder zur Whiskyflasche.

 

„Hier ist noch einer für Sie“, fuhr ich fort. „Wenn wir ein paar Gläser von dem guten Zeug getrunken haben, könnten wir uns zum Beispiel an den Brathähnchen versuchen. – Was meinen Sie, Fuller?“

 

„Ja. Da haben Sie absolut Recht. Die Freilandhühner in diesem Teil der Küste sind die besten ihrer Art“, sagte er. „In anderen Lokalitäten gibt’s zwar auch Hähnchen. Sie bekommen sie allerdings mit drei Kellnern, einem silbernen Besteck und schönen Orchideen. Wenn Sie nach dem Essen die Rechnung kriegen, fallen Ihnen die Augen aus dem Kopf. Hier wird einem zwar alles einfach und ohne großen Aufwand vorgesetzt, aber dafür sind die Hähnchen schmackhaft, gut und billig. Ich bin mindestens zweimal die Woche hier. Manchmal mit einem Mädchen, manchmal allein. Selten mit meiner Frau.“

 

Ich musste über Fuller lachen. Der wusste wenigstens, wie man’s macht. Wenn ich an all die Dummköpfe denke, die sich in den vornehmen Nepplokalen ausnehmen lassen und das Vier- bis Fünffache für etwas bezahlen, das sie anderswo besser und billiger haben könnten, fiel mir dazu einfach nichts mehr ein. Prestige und Selbstdarstellung ist eben alles. Das Komische ist, keiner von ihnen würde es wagen, sich hier sehen zu lassen, weil die reichen Freunde sonst denken könnten, man müsste sparen, und in Terrania Bay City, die Stadt der Millionäre und Milliardäre, ist Sparen eine unverzeihliche Sünde.“

 

Ich goss Fuller erneut ein und fügte meinem Glas ebenfalls einen Schluck hinzu, um bei ihm die Vorstellung zu wecken, ich tränke eben soviel wie er. Ich schaute ihn dabei an.

 

Dann wollte ich etwas loswerden, das mir am Herzen lag.

 

„Haben Sie vielleicht von dem Mann gelesen, der heute morgen am Strand ermordet aufgefunden wurde?“ fragte ich beiläufig, während ich die Flasche Whisky auf den Tisch vor uns zurückstellte.

 

„Ja. In der Zeitung“, antwortete Fuller. „Warum fragen Sie?“

 

„Die Sache ist, dass er mein Partner war. Ich habe nämlich da so eine Vermutung, dass er irgendwann in den letzten Tagen Ihren Ex-Chef Breedy aufgesucht hat. Sie haben ihn nicht zufällig gesehen? Übrigens hieß er Shannon, Mark Shannon.“

 

Fuller zeigte auf einmal Interesse.

 

„Das war Ihr Partner? Und der soll beim Alten gewesen sein? Ob ich ihn gesehen haben könnte? Das ist immerhin möglich, da ich den größten Teil der Woche am Tor gestanden bin. Wie sah denn der Mann aus?“

 

Ich beschrieb Mark mit größter Sorgfalt. Vor allen Dingen wies ich auf seine Haarfarbe hin, das flammendrot gewesen war. Ich dachte daran, dass dieses Merkmal jedem Wachmann aufgefallen sein muss, der draußen am Tor stand und Shannon eventuell gesehen hat. Einen Mann mit roten Haaren vergisst man so schnell nicht.

 

„Natürlich“, sagte er plötzlich, „ich kann mich an ihn erinnern. Ein ziemlich großer Mann mit auffallend rotem Haar. Stimmt haargenau. Mein Kumpel Corney ließ ihn durch. Ich stand gerade an der Schranke und verstand seinen Namen nicht. – Ja, genauso war es und nicht anders.“

 

„Sind Sie sich ganz sicher? Haben Sie den Mann wirklich gesehen? Das ist für mich ganz wichtig. Es kann möglich sein, dass Sie es vor Gericht beschwören müssen.“

 

Fuller leerte genüsslich sein Glas und sagte dann mit aller Bestimmtheit: „Und ob ich das beschwören kann. Ihr Partner kam vergangenen Dienstag. Ein großer, rothaariger Mann mit kurzem Haarschnitt. Er trug einen hellgrauen Sommeranzug und steuerte einen dieser schnittigen zweisitzigen Sportgleiter. Den gleichen Typ übrigens, den Sie fahren. – Mann, so was vergesse ich nicht.“

 

Das genügte mir völlig. Die Schilderung über das Fahrzeug beseitigte meine letzten Zweifel. Ich hatte also doch recht gehabt. Mark war bei Breedy gewesen. Das war jetzt klar. Die nächste Frage, die mich beschäftigte, lautete ganz einfach: „Weshalb?“

 

Fuller sah mich an und verlangte schon wieder ein volles Glas. Ich kam seiner Aufforderung nach. Der Whisky war für mich nur noch Nebensache.

 

Dann sagte er: „Sie sagen, dass Ihr Partner ermordet wurde?“

 

„Ja. Die Polizei ist der Ansicht, dass er sich mit dem falschen Mädchen eingelassen hat und von irgendeinem kriminellen Kerl daraufhin fertig gemacht worden ist. Gar nicht mal so unwahrscheinlich, denn Mark hatte eine große Schwäche für Frauen. Er war kein Kostverächter.“

 

„Sieh mal einer an. Was soll man dazu sagen? Mussten Sie deswegen zur Polizei?“

 

„Klar doch. Zuletzt war ich bei einem gewissen Captain Fletcher. Kennen Sie den?“ fragte ich Fuller.

 

„Der ist mir bestens bekannt. Er kam mehrmals auch zu Breedy hinaus. Mindestens fünf bis sechs Mal im Jahr. Wahrscheinlich, um seinen Anteil zu kassieren. Sie würden sich wundern, wie viele Nachtclubs und Hurenhäuser hier existieren, nur weil dieser Fletcher die Augen zudrückt.“

 

„Da frage ich mich, was Nachtclubs und Hurenhäuser mit Breedy zu tun haben?“

 

„Sie wissen einfach zu wenig über Lee Breedy, Mr. Random. Er besitzt den größten Teil der Stadt. Sein Reichtum ist gigantisch. Überall scheint er seine Finger drin zu haben. Vielleicht kassiert Mr. Breedy nicht unmittelbar bei den Ratten, aber er bekommt Mieten, und Fletcher kriegt seinen Anteil.“

 

„Breedy ist doch verheiratet, oder nicht?“

 

„Soviel ich weiß, hat der Kerl mindestens schon vier Ehen hinter sich. Seine jetzige Frau ist eine gewisse Elisabeth Brand, eine ehemalige Schauspielerin. Haben Sie sie schon mal gesehen oder von ihr gehört?“

 

„Mir ist einiges über sie zu Ohren gekommen. Könnte sein, dass ich sie auch schon mal in irgendeiner Boulevardzeitung auf einem Foto gesehen habe. Wenn ich mich recht erinnere, war sie früher mal eine echte Schönheit.“

 

„Das ist sie auch heute noch. Aber ihre Stieftochter kann sie nicht das Wasser reichen. Die sollten sie erst mal sehen. Das Aufregendste, was mir je unter die Augen gekommen ist…, und was Frauen anbelangt, da kenne ich mich aus.“

 

„Stieftochter? Wohnt sie bei ihrem Vater?“

 

Fuller schüttelte mit dem Kopf.

 

„So viel ich weiß nicht mehr. Seit wann, kann ich nicht genau sagen. Aber jedes Mal, wenn der Alte eine Party gab, stand seine hübsche Tochter, sie heißt übrigens Violetta, im Rampenlicht, und kein Mensch kümmerte sich um die andere. Das mochte Breedys Frau nicht. Die beiden stritten sich wohl deshalb auch so häufig, und irgendwann packte Violetta die Koffer und zog von zu Hause aus. Sie hat jetzt irgend so ein Appartement weit oberhalb von Terrania Bay City, wo nur die Reichen und die Superreichen wohnen. Wir nennen diese Gegend ‚Schwalbennest’, weil es sich um ein abgesperrtes Wohngebiet handelt, hoch droben auf dem Plateau mit herrlichem Ausblick über die ganze Stadt bis weit hinaus aufs offene Meer. Aber das ist nicht ihre einzige Adresse. Die Reichen und Superreichen besitzen überall Immobilien, wo sie gelegentlich auch wohnen. Trotzdem, ich habe mitgekriegt, dass der Alte sie ganz schlimm vermisst. Ehrlich gesagt, ich auch. Violetta war der einzige Lichtblick in der riesigen Villa. Ihre Stiefmutter Elisabeth dagegen war mir zuwider, genau wie der alte Nörgler Breedy. Nie konnte man die beiden zufrieden stellen, immer nur am Maulen.“

 

Je länger wir uns unterhielten, umso mehr erfuhr ich von Ralph Fuller. Er wusste viel über Mr. Breedy und seiner Familie. Da der ganze Abend noch vor uns lag, hatte ich überhaupt keinen Grund dazu, ihn zu drängeln. Wir redeten viel und kamen vom Boxen, über Fußball, Wasserski und Segeln schließlich wieder beim altbekannten Thema an: Die Frauen.

 

So gegen neun war die Flasche Whisky leer. Mittlerweile war die Sonne ganz untergegangen und es wurde langsam dunkel.

 

Ich winkte nach dem Kellner, und wenige Augenblicke später kam er zu uns.

 

„Ich möchte noch zwei Hähnchen mit allen Zutaten bestellen“, sagte ich.

 

„Jawohl Sir“, bestätigte er, „kommt sofort!“ Er dreht sich um und ging wieder.

 

Sowohl Fuller als auch ich waren inzwischen ziemlich angeheitert und in bester Stimmung.

 

Ich schaute durch offene Fenster auf die Lichter von Terrania Bay City. Von hier aus sah die Stadt beeindruckend aus. Ein riesiges Lichtermeer, leuchtend in allen Farben.

 

Dann wandte ich mich wieder an Fuller, der mit glasigen Augen auf sein Essen wartete.

 

„Kommt der alte Breedy denn mit seiner jetzigen Frau gut aus?“ fragte ich. Fuller zuckte mit den Schulter.

 

„Ehrlich gesagt, mit dem kann niemand richtig auskommen“, antwortete er. „Der hat mit der Geldmacherei soviel um die Ohren, dass er sich um Frauen nicht kümmert. Sie findet ihren Spaß sicherlich woanders.“

 

„Hat sie einen ganz bestimmten Liebhaber?“

 

„Nun, ihr gegenwärtiger Favorit ist ein ziemlich athletischer, lockenköpfiger Fleischkloß, der sich Ron Summer nennt. Keine Ahnung, was das für ein Landsmann ist.“

 

Während Fuller sprach, bemerkte ich plötzlich einen Mann, der an unseren Tisch getreten war. Im ersten Moment dachte ich, es sei der Kellner, der uns das Essen bringen wollte. Der Whisky hatte meine Sinne etwas benebelt und so reagierte ich etwas zu spät, als ich Fuller vor Schreck keuchen sah. Ich schaute genauer hin.

 

Direkt vor unserem Tisch stand der Androide T-Bird und sah mich böse an. Hinter ihm befanden sich noch zwei weitere Typen, die sehr kräftig aussahen und uns offenbar den Weg versperren sollten. Sie waren groß, schwer, dunkel und standen breitbeinig und drohend hinter ihm. Der Ausdruck seiner wilden, kleinen Augen jagten mir einen Schauer über den Rücken.

 

Die Gäste verstummten nacheinander in dem großen Raum. Die Köpfe wurden herumgedreht und alle blickten in unsere Richtung.

 

Ich befand mich in einer schlechten Position. Der Tisch stand zwischen mir und T-Bird, und es war kein sehr großer Tisch. Hinter mir war eine Wand. Fuller dagegen hatte einen günstigeren Platz. Er saß rechts von mir und hatte keine Wand hinter sich.

 

Einige der anwesenden Leute in dem Lokal verließen jetzt ihre Plätze. Sie spürten offenbar, dass es gefährlich werden würde.

 

Dann sagte der Androide mit rauer Stimme: „Sie kennen mich noch…, oder? Ich kann Typen wie Sie nicht leiden. Und wenn er dazu noch ein Lump aus Fleisch und Blut ist, schon gar nicht.“

 

Ich blickte rüber zur Bar, wo ich einen großen Farbigen stehen sah, der uns beobachtete. Er war gebaut wie ein Boxer, und sein großes, zerschlagenes Gesicht zeigte ein vages, etwas verlegenes Lächeln.

Er kam hinter der Theke hervor, durchschritt den ganzen Raum, umging die zwei Männer und stand schneller neben T-Bird, als ich mit Worten schildern kann.

 

Freundlich sagte der kräftige Barkeeper zum Androiden: „Wir wollen hier keinen Ärger, Mann. Wenn Sie und Ihre Freunde was Geschäftliches miteinander zu besprechen haben, dann tun Sie das bitte draußen vor dem Lokal.“

 

T-Bird drehte sich herum, um den Farbigen anzusehen. In seinen Augen glühten rote Punkte, die ihm einen leicht wahnsinnigen Ausdruck verliehen.

 

Ich sah noch, wie seine Schulter etwas abfiel, dann sauste seine Faust hoch und schoss voll ins Gesicht des völlig überraschten Mannes. Der taumelte zurück und stürzte ächzend auf Hände und Knie. Blut tropfte aus Mund und Nase.

 

Alles geschah jetzt sehr schnell. Ich legte mein Gewicht gegen den Tisch und stieß ihn mit aller Kraft gegen den Androiden, der von dem Schlag, den er gerade geführt hatte, etwas aus dem Gleichgewicht geraten war.

 

Die harte Tischkante traf ihn am Oberschenkel, und er fiel nach hinten gegen die beiden Männer, die ihn begleiteten.

 

Dadurch hatte ich mehr Bewegungsspielraum. Ich sprang auf, packte noch im gleichem Moment meinen Korbsessel, hob ihn hoch und schwang ihn in Schulterhöhe wie eine Sense hin und her, wodurch ich ein noch größeres Aktionsfeld bekam.

 

Auch Fuller war mittlerweile auf den Beinen und hatte ebenfalls seine Sitzgelegenheit weit hochgerissen. Er ließ den Korbsessel überraschend auf den Kopf des ihm nächststehenden Schlägers niedersausen und schlug ihn damit zu Boden.

 

Zur gleichen Zeit schmetterte ich den meinigen gegen den Kopf des Androiden. Der Korbrücken krachte plötzlich auseinander, und ich hatte auf einmal nichts als ein abgesplittertes Stück Holzbein in der Hand, das gegenüber einer Bestie wie T-Bird nichts mehr wert war als ein kleiner Zahnstocher.

 

Der Cyborg taumelte etwas, stürzte dann knurrig auf mich los. Seine rechte Faust fuhr hoch. Wenn ich zurückgetreten wäre, hätte er mich erwischt. Aber ich sprang vor und traf ihn mit meiner Faust mitten ins künstliche Gesicht. Es war ein guter, harter Schlag, der ihm den Kopf nach hinten riss. Ich wich von ihm seitlich zurück und stieß dabei ungewollt gegen den zweiten Rausschmeißer, der mich mit der flachen Hand von sich weg schob, sodass ich T-Bird wieder entgegen stolperte, der mich abermals angriff. Es gelang mir, sein Handgelenk mit beiden Händen zu erfassen. Durch eine schnelle, halbe Drehung bekam ich seinen Arm über meine Schulter, riss ihn nach unten und schnellte Sekundenbruchteile später wieder hoch. Mit der Geschwindigkeit einer Rakete schoss der Androide über meinen Kopf hinweg und landete mit einem lauten Krachen auf dem harten Fußboden, dass der ganze Raum dröhnte. Ich wunderte mich darüber, wie leicht diese Kunstmenschen waren.

 

 

Dann blickte ich herum und hielt nach Fuller Ausschau. Er lehnte an der Wand, seine Nase blutete. Es hatte ihn übel erwischt. Ich trat zu ihm, packte ihn am Arm und schrie: „Kommen Sie, wir müssen hier raus!“

 

Einer von T-Birds Schläger war mir dicht auf den Fersen. Mit Fuller zusammen war ich aber einfach zu langsam. Der Kerl erreicht mich. Im letzten Moment konnte ich dem Schlag mit dem Totschläger, den er gegen meinen Kopf führte, ausweichen. Ich nutzte die Gelegenheit, rammte ihm meine Rechte gegen seine Rippen und trat ihm dann die Füße unter dem Körper weg. Ich ließ mir nicht die Zeit hinzusehen, wohin er fiel, sondern packte Fuller und zog ihn quer durch das Lokal zum Ausgang.

 

Draußen waren wir nicht viel besser dran. Vor uns lag der hell erleuchtete Parkplatz, der jetzt nicht mehr so voll war. Fuller hatte ganz schön was abbekommen und schien kurz vor dem Zusammenbruch zu stehen.

 

„Verdammt noch mal Random, hauen Sie ab! Den Androiden können Sie nicht ohne Waffe besiegen. Er wird bald hier sein und Sie erwischen.“

 

Ich packte Fuller noch fester am Arm und zog ihn über meine Schulter. Dann schleppte ich ihn halb tragend im Laufschritt zu meinem Gleiter. Hinter mir hörte ich plötzlich schnelle Schritte. Sie verrieten mir, dass ich nicht sehr weit kommen würde. Ich ließ Fuller deshalb los und dreht mich um.

 

Und tatsächlich. Der Androide T-Bird stand draußen vor dem Lokal, hielt kurz Ausschau und kam dann mit großen Schritten auf mich zu.

 

„Los, laufen Sie zu meinem Fahrzeug Fuller! Es ist der Sportgleiter da drüben“, rief ich ihm zu, „ich übernehme das schon.“

 

Ich gab ihm einen schnellen Stoß, und er taumelte weiter, während ich den Cyborg beobachtete. Er bewegte sich mit der Geschwindigkeit und der Leichtfüßigkeit eines Berufsboxers. Es dauerte nicht lange, und er war bei mir. Ich machte schnell einige Schritte nach hinten, wich ihm dadurch aus und schlug einen Kreis, damit das Licht von der Lampe über uns ihm in die empfindlichen Augensensoren fiel. Sein Gesicht war seltsam verzerrt. Ich wusste, dass diese Kunstmenschen gefährlich waren, aber man konnte ihnen Schaden zufügen und sie vorübergehend außer Kraft setzen. Ich tauchte unter einer Rechten von T-Bird weg, die mir bestimmt den Kopf abgerissen hätte. Sie verfehlte zum Glück ihr Ziel. Das machte ihn nur noch wütender. Wie ein schnaubender Bulle kam er auf mich zu, rannte dabei direkt in meine Faust, dass es ihm den Kopf ein zweites Mal nach hinten riss. Sofort rammte ich ihm die rechte Handkante gegen den Hals, wo seine empfindlichen Sprachsensoren untergebracht waren. Auch das steckte der Androide weg, der nicht nachgab und sofort wieder zuschlug. Ich entkam abermals seinen vernichtenden Schlag, den er aus dem Stand ansetzte. Ich sprang zurück und warf einen schnellen Blick nach Fuller, der aber verschwunden war. Ich entschied, es sei an der Zeit, mich zurückzuziehen.

 

Das war ein Fehler. Ich hätte den Androiden T-Bird nicht aus den Augen lassen sollen. Wenn er seine Schläge auch vorher mehr oder weniger signalisierte, so besaß er doch die Schnelligkeit eines Fliegengewichtlers. Er erwischte mich mit einem Kinnhaken, den ich für einen Sekundenbruchteil zu spät kommen sah. Trotzdem schwächte ich die Wucht des Schlages durch Mitgehen zu einem Teil ab, aber er war immer noch hart genug, um mir den Kopf zu vernebeln. Als er sich auf mich stürzte, ließ ich mich ihm entgegen fallen, packte ihn um seine schlanken Oberschenkel, stand auf und hob ihn hoch. Er rutschte über meinen Rücken und glitt auf seinem kunstfleischigem Gesicht über die schmutzige Teerdecke des Parkplatzes.

 

Ich war auf den Füßen und rannte, ehe sich der T-Bird wieder so richtig aufrichten konnte, über den Parkplatz in Richtung meines Gleiters, wo ich eine Stimme hörte: „Hey, Random, hierher!“ Fuller saß bereits auf dem Beifahrersitz.

 

Ich sprang hinter den Steuerknüppel und drückte den Startknopf der Turbine, die im gleichen Augenblick laut aufheulte, da ich den Gashebel ganz nach vorne gedrückt hatte.

 

Der Androide T-Bird war inzwischen bis auf etwa zwanzig Schritte näher gekommen, sein völlig zerschundenes Gesicht aus übel zugerichtetem Kunstfleisch drückte ohnmächtige Wut aus. An seiner rechten Backe hing das Material in hässlichen Fetzen herunter.

 

Der Bug des Sportgleiters löste sich aus der Parkarretierung und das schwere Fahrzeug schoss sofort nach hinten direkt auf T-Bird zu, der mit einem gewaltigen Hechtsprung zur Seite einer direkten Kollision mit der stabilen Heckpartie des Gleiters zuvor kam. Ich schaltete die Turbine auf vorwärts und raste nur wenige Zentimeter schwebend über dem Boden raus aus dem Parkplatz hinaus auf den breiten Boulevard. Die Antigravitationsspulen konnten nach so kurzer Zeit ihre volle Leistung nicht schnell genug aufbauen. Der Gleiter berührte mehrmals hintereinander den harten Fahrbahnbelag. Funken sprühten, als ich meinen Sportgleiter mit gefährlicher Neigung in die nächste Seitenstraße steuerte, die nur von einigen Straßenlampen trübe ausgeleuchtet wurden. Ich verringerte das Tempo ein wenig, um mich Fuller zuzuwenden.

 

„Wie stark sind Sie verletzt?“ fragte ich ihn.

 

„Ich werde es überstehen“, antwortete er mir.

 

„Wo ist hier das nächste Krankenhaus? Ich bringe Sie dorthin.“

 

„Fahren Sie die Straße runter bis zur nächsten Kreuzung, wo Sie nach links abbiegen. Dann immer geradeaus, bis Sie direkt auf ein helles Glasgebäude zufahren. Das ist das Krankenhaus“.

 

Ich beschleunigte das Tempo. Fünf Minuten später fuhr ich vor dem Zentralkrankenhaus von Terrania Bay City vor.

 

Ich half Fuller beim Aussteigen.

 

„Jetzt kann ich mir alleine helfen, Random. Es war dämlich von mir, dass ich mich da eingemischt habe. Ich hätte mich nicht mit Ihnen einlassen sollen.“

 

„Es tut mir wirklich leid, Fuller. In diese dumme Geschichte wollte ich Sie nicht reinziehen. Sie können Breedy anzeigen. Zeugen waren genug anwesend.“

 

„Ach was, Random. Das würde mir nicht viel nützen. Ich bekäme nur noch mehr Ärger. Ich packe mein Zeug zusammen und verlasse mit meiner Frau die Stadt. Wir haben ein kleines Sommerhäuschen auf der anderen Seite der Bay. Hier habe ich die Schnauze voll.“

 

Mit unsicheren Schritten ging er davon.

 

Ich beobachtete ihn, bis er durch den Eingang verschwunden war, dann wendete ich meinen Gleiter und schwebte mit Höchstgeschwindigkeit davon. Unterwegs schaltete ich den Sat-Navigator ein, der mir die kürzeste Strecke zu meinem Hotel anzeigte.

 

Erst als ich in der Stille meines Zimmers war und meine Verletzungen kühlte, fiel mir ein, dass ich mein Abendessen verpasst hatte. Ich spürte meinen Hunger. Ich bestellte mir ein paar Truthahn-Sandwiches mit Roggenbrot und ein gekühltes Bier. Während ich darauf wartete, streckte ich mich auf meinem Bett aus und überlegte, was ich nun an diesem Tag erreichte hatte.

 

Ich dachte nach und war mir nach wenigen Gedanken im klaren darüber, dass ich in ein Wespennest herumgestochert hatte. Ich fragte mich voller Zweifel, wie lange ich noch leben würde, wenn ich mit meinen Nachforschungen so weitermache wie bisher.

 

Früher oder später würde ich diesem Schlägerandroiden T-Bird wieder über den Weg laufen, und dann käme ich bestimmt nicht wieder so leicht davon. Ich musste dabei auch an Ralph Fuller denken und zog unwillkürlich eine Grimasse.

 

Selbst wenn es mir gelang, Breedys T-Bird und seine Gorillas aus dem Weg zu gehen, blieb immer noch dieser Captain Fletcher.

 

Wenn er den geringsten Verdacht schöpfte, dass ich meine Ermittlungen fortsetzte, würde er irgendeine Beschuldigung gegen mich frisieren, und damit könnte er mich festnageln und einlochen. Ich machte mir deshalb keine Illusionen, dass ich dann in großen Schwierigkeiten wäre und so schnell nicht aus den Knast kommen würde.

 

Wie es also aussah, musste ich irgendeine Art Schutz finden, wenn ich einigermaßen sicher weitermachen wollte, aber wie und wo ich den bekommen sollte, war mir schlichtweg ein Rätsel. Gab es überhaupt jemanden in Terrania Bay City, der mächtiger als Breedy war und Fletcher dazu zwingen konnte, mich in Ruhe zu lassen? Mir schien das momentan sehr unwahrscheinlich. Wenn es diese Person irgendwo gab und ich auf meine Seite bringen konnte, waren alle meine Probleme gelöst.

 

Letztendlich ließ ich diese Frage jedoch fallen und richtete meine Gedanken auf das, was ich bisher entdeckt hatte. Mit hundertprozentiger Sicherheit wusste ich, dass Mr. Breedy meinen Partner Mark Shannon engagierte, und das der Multimilliardär Breedy tatsächlich hinter einem Teil der dunklen Machenschaften in dieser Stadt stand. Er war verheiratet mit einer Schauspielerin namens Elisabeth Brand, die sich mit einem gewissen Ron Summer außerehelich herumtrieb. Außerdem gab es da noch Violetta, die Tochter Breedys. Er liebte sie offenbar über alles. Von ihr wusste ich sogar, wo sie wohnte. Ich griff deshalb nach dem Telefonbuch und musste feststellen, dass ihre Wohnung in einem der vornehmsten Viertel von Terrania Bay City lag. Ich legte das Telefonbuch wieder weg, als es an der Tür klopfte. Der Kellner brachte mir meine Bestellung, Truthahn-Sandwiches mit Roggenbrot und Bier. Er starrte etwas verwundert in mein malträtiertes Gesicht, sagte aber nichts, was sein Glück war, denn meine Stimmung erreichte einen absoluten Tiefpunkt. Der Kellner bemerkte das und verschwand so schnell er konnte.

 

Als er fort war, stand ich vom Bett auf, setzte mich an den Tisch, aß meine Sandwiches und trank mein Bier dazu.

 

Erst jetzt bemerkte ich, dass jemand aus dem Nebenzimmer Marks Besitz herüber gebracht und alles in einem sauberen Stoß in einer Ecke aufgebaut hatte. Sein Anblick erinnerte mich daran, dass ich seiner Frau schreiben musste. Nachdem ich fertig gegessen und mir eine Zigarette angezündet hatte, ließ ich den Informationsandroiden kommen und diktierte ihm eine elektronische Nachricht vor. Ich bot darin Marks Frau eine angemessene Summe als Entschädigung für den Verlust ihres Mannes. Vorsorglich hatte ich einen niedrigeren Betrag genannt, weil ich wusste, dass sie lange und erbittert feilschen würde, um mehr aus mir herauszuholen. Sie hatte mich nie leiden können, und ich wusste, wie viel ich ihr auch gab, sie würde nie zufrieden sein.

 

Nachdem die Nachricht an Marks Ehefrau fertig war, bat ich den Informationsandroiden darum, sie so schnell wie möglich zu übermitteln.

 

Der nickte und sagte: „Sir, die Information wurde soeben an den zentralen Informations- und Nachrichtenserver weiter geleitet. Hat Ihre e-Mail diesen Datenknotenpunkt und die entsprechenden Sicherheitsstufen passiert, erscheint sie schon wenige Sekunden später in druckfertiger Version auf dem Hauptmonitor des Empfängers. – Haben Sie sonst noch einen Wunsch?“

 

„Nein, im Moment nicht. Sie dürfen jetzt wieder gehen“, antwortete ich dem steif dastehenden Androiden, der sich sofort auf der Stelle umdrehte und das Zimmer verließ.

 

Ich setzte mich schließlich vor Marks Koffer, drückte solange mit den beiden Daumen an den verchromten Kofferschlössern herum, bis sich eines nach dem anderen öffnete. Ich durchsuchte seine Sachen so sorgfältig wie möglich, um mich davon zu überzeugen, dass sich nichts dazwischen befand, was seine Frau möglicherweise empören könnte. Tatsächlich entdeckte ich einige klassisch angefertigte Fotos und mehrere Kopien elektronisch abgespeicherter Briefe, die bewiesen, dass Mark sie schon seit mehr als einem Jahr betrog. Ich legte die Dinge zusammen und warf alles in den kleinen Müllbehälter, der neben mir auf dem Boden stand. Sein Inhalt würde früher oder später in einer Verbrennungsanlage landen.

 

Als ich den Koffer selbst durchsuchte, fand ich durch Zufall unter der stabilen Stoffverkleidung verborgen eine flache Schachtel aus hartem Spezialkunststoff mit drei würfelartig aussehenden Mikrochips darin, die eigentlich meines Wissens nach noch als streng geheime Neuentwicklungen galten, da ich solche Dinger schon mal auf einem Foto in irgendeiner Fachzeitschrift für Roboterelektronik gesehen hatte und angeblich in der militärischen Nutzung von Androiden eingesetzt werden. Zudem war diese Schachtel etwas ganz Besonderes. Sie war auf der Unterseite dunkelrot und trug auf dem durchsichtigen Deckel in Gold die Aufschrift „Robot Master Club (RMC)“. Direkt darunter stand eine Rufnummer.

 

Ich drehte die flache Kunststoffschachtel mit den Händen nach allen Seiten und dachte daran, wie ausgerechnet Mark in den Besitz dieser seltsam aussehenden Chips gelangen konnte, dann richtete ich mich auf, verließ mein Zimmer und fuhr mit dem Fahrstuhl runter in die Hotelhalle.

 

Unten angekommen ging ich auf den Empfangschef Ron Bristol zu und fragte ihn nach dem Hausdetektiv Treaves.

 

„Ich denke mal, er wird sich jetzt um diese Zeit in seinem Büro aufhalten“, sagte er und starrte mich von Kopf bis Fuß an. „Gehen Sie eine Treppe tiefer und dann rechts. – Ist Ihnen etwas zugestoßen, Mr. Random?“

 

„Wegen meiner blauen Flecken und Hautabschürfungen im Gesicht? Ach was, das hat nichts auf sich. Irgend jemand muss wohl etwas dagegen haben, dass ich mich in dieser Stadt aufhalte“, sagte ich ihm, ließ ihn mit offenem Mund stehen, ging die Treppe zu Treaves Büro hinunter, das ehr einem kleinen Abstellraum glich.

 

Ich fand Treaves sitzend hinter einem kleinen Tisch vor, wie er gerade Patience legte. Er blickte auf, als ich unter der Tür stehen blieb.

 

„Mr. Random? Was führt Sie zu mir?“ fragte mich der Hausdetektiv, der mich im gleichen Augenblick aus ungläubigen Augen anstarrte.

 

Ein kleine Pause trat ein.

 

„Wie schauen Sie denn aus? Jemand hat wohl Ihr Gesicht nicht gefallen, was?“ meinte er, ohne dabei jedoch sonderliches Mitgefühl zu zeigen.

 

„Da könnten Sie sogar Recht haben, Treaves“, beugte mich vor und ließ die schmale Kunststoffschachtel vor ihn auf den Tisch fallen.

 

Er hob sie auf, betrachte sie von allen Seiten, runzelte die Stirn und zog seine Augenbrauen nach oben.

 

„Woher kommt das?“

 

„Ich fand diese Schachtel mit den drei Würfel ähnlichen Chips darin, versteckt im Koffer meines ermordeten Partners Shannon“, klärte ich Treaves auf und fuhr fort: „Ich will dafür wetten, dass er niemals auch nur einen Fußbreit von „Robot Master Club“ betreten hat und trotzdem im Besitz dieser Dinger war. Können Sie mir das irgendwie erklären?“

 

„Ehrlich gesagt…, kann ich nicht. Aber vielleicht hat ihn jemand mitgenommen, was ja immerhin möglich sein kann, Mr. Random. Eine andere Version wäre die, dass ihr Kollege die Schachtel quasi hat mitgehen lassen, sozusagen als Beweis dafür, dass er doch da drinnen war.“

 

„Wo befindet sich dieser so genannte „Robot Master Club“ eigentlich?“ fragte ich ihn.

 

„Irgendwo am Rande von Terrania Bay City in Richtung Landesinnere, also weg vom Meer, soviel ich weiß. Sie müssen immer auf der breiten Ausfallstraße bleiben, bis Sie an eine Abzweigung kommen, die Franklin Allee heißt. Dort sollten sich entweder der Club oder zumindest das Büro befinden. Sicher bin ich mir allerdings nicht. Das müssen Sie schon selbst rauskriegen, Random.“

 

Ich bedankte mich bei Treaves für seine Hinweise, wünschte ihm noch eine gute Nacht, nahm die schmale Kunststoffschachtel samt wertvollen Inhalt wieder an mich und begab mich nach oben direkt auf mein Zimmer. Der Tag war anstrengend gewesen und jetzt war es Zeit, schlafen zu gehen. Bevor ich mich ins Bett legte, verstaute ich die Schachtel wieder im Koffer.

 

***

Fortsetzung folgt!

Teil 7

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Werner Leder pflegt seit frühester Jugend Meditation und Kontemplation. Über Jahrzehnte sammelte er Eingebungen,Gedanken und Intuitionen aus der Zwiesprache mit Gott-Vater und Jesus. Durch sein mutiges Glaubensbekenntnis,vor den Menschen,wurde er bald als Außenseiter abgestempelt. Das aber hinderte ihn nicht sich noch mehr und intensiver mit Gott zu befassen. Die "Freundschaft" Gott-Mensch dauert bereits über Jahrzehnte. Und noch immer empfängt Werner Leder Worte,Bilder und Eindrücke nicht nur in der "Stillen Stunde", sondern auch während alltäglicher Arbeitsverrichtungen. Immer und immer wieder sagte Jesus zu ihm: "Bewahre meine Worte,schreibe auf was du hörst,siehst und empfindest,und zu gegebener Zeit veröffentliche alles mit all euren Möglichkeiten. ICH BIN der ICH BIN von Ewigkeit zu Ewigkeit. Trinke das Wasser aus der Quelle des Lebens. ICH BIN die Quelle. Amen. So sei es!"

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