Günter Weschke

Ein Tag im Paradies

Ein Tag im Paradies.

Bereits um sechs Uhr am Morgen bin ich aufgestanden, habe kaum geschlafen, was auch kein Wunder ist, waren es doch auch in der Nacht noch immerhin fast dreißig Grad, daher der wenige Schlaf.
Schnell unter die Dusche, was aber auch keine Abkühlung brachte, - lauwarm -, hier wird man ganz schnell zum -Warmduscher-.
So, aber erst einmal die Kaffeemaschine eingeschaltet, schon nach kurzer Zeit, zieht ein aromatische Duft durchs Haus.
Ein Blick aus dem Fenster zeigt, die Sonne erscheint als Halbkugel, da sie gerade aus dem Meer entsteigt und man kann genau erkennen, wie schnell sie das tut.
Hier in Australien geschieht das Aufgehen der Sonne in relativ kurzer Zeit, ebenso ein Sonnenuntergang, die Sonne ist weg und es ist dunkel,
Wo ich gerade eben diese zwei Zeilen geschrieben habe, ist die Sonne auch schon aufgegangen.
Das wird wieder ein herrlicher Tag werden, stahlblauer Himmel und eine Luft voller Blumendüfte, die Vielfalt der Farben ist fast unbeschreiblich.
Jetzt hätte ich doch beinahe meinen geliebten Kaffee vergessen.
So lieber Tag, mach dich bereit, ich komme.
Ich habe hier in Queensland, also an der Ostküste, auf der Insel Magnetik - Island, ein Haus gemietet, es ist nah am Indischen Ocean und liegt in einem kleinen Regenwald, in dem auch ein paar große Mango Bäume stehen.
Wir haben jetzt Ende November, hier ist es Sommer und die Früchte an den Bäumen versprechen eine gute Ernte.
Da ich nun nicht bereit bin, da hinauf zu klettern, werde ich zum Dieb.
Kakadus, fressen liebend gern reife Mangos, sie stellen sich dabei sehr geschickt an. Mit ihren Krallen greifen sie die Frucht und drehen sie dann ab. Die Früchte fallen auf den Boden und da stehe ich, bewaffnet mit einer großen Tasche, sammel ich auf, was da so herab fällt.
Natürlich sind die Fruchtabdreher, über mein Erscheinen nicht gerade erfreut, und werfen mir die gröbsten Schimpfworte an den Kopf, da ich aber ihre Sprache nicht verstehe, kümmert es mich nicht.
So, meine Tasche ist voll, “Danke meine lieben Freunde!”
Zurück im Haus, Putze ich das Obst und verstaue es im Kühlschrank, die australischen Kühlschränke sind meist riesig, da ja fast alles dort gelagert werden muss.
Jetzt nehme ich mein bereitgelegtes Angelzeug und mache mich auf den kurzen Weg zum Meer.
Ich schwelge in Blumendüften, überall raschelt es, die australische Tierwelt ist überschaubar, abgesehen von tödlichen Giftschlangen, die es hier haufenweise gibt, muss man sich vor Giftspinnen und Krokodielen vorsehen, auch gibt es den gefährlichen Kugelfisch, der ist essbar, aber nur einmal.
An den denke ich heute aber nicht, ich beobachte kleine Felsenkängurus, die sich vor mir in kleine felsige Hügelchen flüchten, sie sind allerliebst und ich werde ihnen ab morgen, ein paar Leckereien mitbringen.
Ich rieche das Meer, es hat einen besonderen Duft, nach Fisch und Algen, nach toten Vögeln, die bei der Futtersuche auf dem Meer, den Rückflug nicht mehr schafften und jämmerlich ertranken.
In der Nähe des Wassers stehen auch Palmen, es sieht wie eine kitschige Inszenierung aus, wunderschön und leicht gebeugt, stehen sie im gelblichen feinen Sand, den das Meer hier, in mühevoller Arbeit,
herangeschafft hat.
Es ist fast still hier, das Meer rauscht nicht, nur ab und zu springt ein neugieriger Fisch aus dem Wasser um zu schauen, ob die Luft rein ist und nicht etwa ein vorwitziger Angler, sein Mordwerkzeug auswirft.
Ich war bereits einige Male hier, auch vor Jahren, auch heute sehe ich wieder “mein” Fischadler Paar, wie es, mit ausgebreiteten Flügeln, sich von der Therme tragen lässt, ein Anblick, den ich jeden Tag genießen werde.
Vom gegenüber liegendem kleinen Inselchen, höre ich streitlustige Papageien.
So, die Rute ist bereit, und ich werfe die Schnur, mit leckerem Köder, weit aufs Meer, na ja, so weit nun auch wieder nicht.
Gemütlich setze ich mich auf einen größeren Fels, schaue aufs Wasser und werde urplötzlich von diesem heruntergerissen.
Ein ziemlich großer Fisch hat den Köder aufgenommen und nun steckt der Angelhaken im wulstigem Oberkiefer bombenfest.
Als ich versuche, die Spule mit der Angelschnur, zu Drehen, bekommt der Fisch fast einen Tobsuchtsanfall, er versucht, so schnell wie nur Möglich, vom “rettendem Ufer” fortzukommen.
Dann springt er aus dem Wasser und ich sehe einen silberfarbenen Körper, ziemlich groß.
Der Kampf beginnt, ich lasse etwas Leine nach und sofort versucht der Fisch abzutauchen, das möchte ich natürlich nicht und beginne, die Rute anzuheben, auf dem höchsten Punkt, senke ich wieder die Rute, und spule dabei gleichzeitig die Leine auf.
Auf diese Weise hole ich den Fang immer näher ans Ufer heran.
Ein Kampf zwischen Genie und Natur!
Da der Strand sehr flach ist, brauche ich keinen Kescher und kann den Fisch, der sich jetzt kampflos ergibt, ans Ufer ziehen.
Er schaut mich aus großen Augen an, also, nicht so, Sentimentalitäten kann ich mir nicht leisten, ich zeigte ihm noch mein großes Messer…
Es war eine -spanische Makrele-, sehr schmackhaft, festes und trotzdem auch zartes Fleisch, etwa einen Meter lang und vier Kilo schwer.
Den Fisch habe ich am Wasser geschuppt, ausgenommen und dann ging es nach hause.
Es war inzwischen auch sehr heiß geworden, so dass ich froh war, wieder im schattigen Garten zu sein.
Dann ging es den Mangos an den Kragen, zerkleinern und im Mixer zu Püree verarbeiten, süß und saftig, gemixt mit weißen Rum.
Am Nachmittag beobachtete ich zwei Kookaburras, wir sagen auch Lachender Hans, zu ihnen.
Sie haben ein grauschwarzes Federkleid, sind etwas größer als unsere Tauben, aber sehr robust gebaut. Sie sind furchtlos und greifen sogar größere Vögel an.
Ich sah also, wie sie ein Wildhuhn angriffen, mit ihrem starken Schnabel und den Krallenbewehrten Füßen, waren sie richtige Kämpfer.
Das Huhn versuchte dann aber zu Fliehen, wurde von ihnen verfolgt, zu Boden gebracht und zum Teil gefressen.
Also, es ist hier ein richtiges Paradies!
Am Abend habe ich im Garten den Grill angeheizt.
Den vorbereiteten Fisch drauf verteilt, eine Flache Weiswein geöffnet, aus dem Haus erklang eine wunderschöne Melodie, über mir war das Kreuz des Südens, umgeben vom prächtigstem Sternenhimmel der Welt.
Dazu erklangen aus dem Büschen, unbekannte Tierstimmen, so, als wollten sie, der Melodie, einen Rahmen geben.
Übrigens, der Fisch war einfach köstlich.
Es ging ein wunderschöner Tag zu Ende, ein Tag, wie im Paradies.

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