Brigitte Waldner

Speiseeis, Fischsoße und Weinbeuschel


Wenn Männer wüssten, womit Frauen kochten,
würden sich einige Paare trennen.

Wenn Restaurantgeher wüssten, womit Köche kochten,
würden sie dort nicht mehr hingehen.

Wenn Mütter wüssten, womit Speiseeis zubereitet wird,
würden sie ihren Kindern keines mehr kaufen.

Ich habe gerne Eis gegessen,
am liebsten dreihundert Gramm pro Tag.
Ich hatte mal kein Eis und keine Lust,
zum Supermarkt zu fahren und versuchte
im Internet ein einfaches Rezept zu finden,
wie man es selber macht, ohne Eismaschine.
Ich schaute mir die Zutatenliste an
und mir verging der Appetit.

Da esse ich lieber gefrorene Beeren
und tiefgefrorenen Fruchtsaft.
Ich schaute mir auch an,
wie Eisdielen "hausgemachtes" Eis machen
und industrielle Erzeugung von Speiseeis,
das man in Supermärkten erhält.
Ich war davon nicht begeistert.
Was macht Pflanzenfett im Speiseeis?

Ich vergas auch schon,
die Eispackung sofort einzufrieren.
Dann war das Eis nur mehr klebrige Soße,
die grauslich schmeckte und eine schlimme Farbe hatte.
Auch nachträgliches Einfrieren
verbesserte die Qualität nicht.
Es wurde insüß und unessbar.

In einem beliebten Drei-Sterne-Restaurant
des ehemaligen Schulkollegen von mir
verzehrte ich mal Fisch
mit einer leckeren, weißen Soße.
Ich fragte nach dem Rezept dieser Soße,
man hat es mir nicht gesagt. Geschäftsgeheimnis.
Als ich zuhause meinen nächsten Fisch hatte,
gab ich etwas Naturjoghurt drüber,
das hat genau gleich geschmeckt.
Die Mutter war verblüfft, was ich konnte.
Ich habe es ihr natürlich sofort verraten.
Naturjoghurt war es, wozu das Geheimnis?
Geheimnis zufällig geknackt.

Die Restaurants kaufen in Lebensmittelgroßmärkten ein.
Dort kommt man nur als Geschäftskunde hinein.
Mir hat einmal jemand seine Karte gegeben,
dann habe ich mich dort umgeschaut und gesehen,
was Restaurantbesitzer für ihre Köche einkaufen.
Das Eis gibt es in fertigen Pasten in 60 Sorten,
in großen Behältern, sie halten zwei Jahre nach dem Öffnen
und müssen nicht einmal gekühlt werden,
alle anderen Lebensmittel sind in großen Dosen erhältlich.

Das Weinbeuschel kommt auch aus der Dose,
das wird nicht frisch gemacht,
sonst ginge es ja auch nicht so schnell.
Ein Fünf-Sterne-Restaurant hatte Weinbeuschel auf der Speisekarte,
das hat einer gegessen, der mich davon kosten ließ.
Ich kaufte mir im Supermarkt am nächsten Tag eine Dose,
die Speise hat genau gleich ausgesehen und geschmeckt
und keine 25 Euro gekostet pro Portion.
Der Chef des Hauses hatte gesagt,
sie hätten es selber gemacht und tiefgefroren.

Den Job zu kriegen, ist oft schwer,
ein Koch zu sein dagegen nicht mehr,
es gibt ja alles schon fertig in Dosen,
man muss nur damit umgehen können.
Na, dann guten Appetit!

© Brigitte Waldner

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