Heinz-Walter Hoetter

Zerstörte Hoffnung

 

 

 

 

Man schreibt das Jahr 1941.

 

Liselotte Mayer war eine junge Frau, die in einem kleinen Dorf in der Nähe der bayerischen Alpen lebte. Wenn morgens die Sonne über den Bergen aufging und ihre ersten warmen, goldgelben Lichtstrahlen das darunter liegende Tal überfluteten, ging sie nach draußen auf die Terrasse, um den neuen Tag zu begrüßen.

 

Wie immer, wenn sie das tat, nahm sie zuerst einen tiefen Atemzug, um ihre Lunge mit der frischen Voralpenluft zu füllen. Dann ging sie in ihren weiläufigen Garten, wo überall bunte Blumen blühten und betrachte die Schönheit der Natur um sich herum.

 

Etwas weiter unterhalb ihres Gartens war ein kleines Wäldchen, dessen grüne Blätter der Bäume ihr wie kleine Händchen in der sanften Brise zuzuwinken schienen.

 

Vor dem Wäldchen befand sich noch ein schmaler Wiesenstreifen, der von einem plätschernden Bach durchlaufen wurde, dessen Wasser kristallklar in der Morgensonne glitzerte.

 

Obwohl Sommer war, lag auf den hohen Gipfeln der majestätischen Berge immer noch Schnee. Beim Anblick der gewaltigen Bergkette am Horizont, die von der unbändigen Kraft der Natur zeugte, überkam Liselotte immer wieder ein Gefühl der Freude und Faszination über den Zauber der Schöpfung dieser Welt um sie herum.

 

Nachdem Liselotte im Garten die Blumen gegossen hatte, ging sie zurück ins Haus, wo sie im Wohnzimmer eine Platte von Elektrola auf den Plattenspieler legte, mit dem Titel „Lili Marleen“ und sang es leise mit.

 

Vor der Kaserne bei dem großen Tor
Stand eine Laterne und steht sie noch davor
So wollen wir uns da wieder seh´n
Bei der Laterne wollen wir steh´n
Wie einst, Lili Marleen.“

 

Der Plattenspieler lief noch, als sie singend nach oben ins Bad ging, um sich für den kommenden Tag frisch zu machen. Dabei dachte Liselotte immer wieder an ihren Hans, der als Soldat an der Ostfront kämpfte und ihr wunderschöne Liebesbriefe zukommen ließ. Hans war davon überzeugt, dass er zu seiner geliebten Liselotte zurück kommen werde. Dann würden sie sofort heiraten, sobald er den nächsten Heimaturlaub bekäme.

 

Doch diese Hoffnung wurde schon bald böse zerstört.

 

Noch am Nachmittag des gleichen Tages kam der Postbote bei ihr vorbei und überbrachte Liselotte die Benachrichtigung über den Tod eines Soldaten als Feldpostschreiben der Wehrmacht, in der geschrieben stand:

 

Sehr verehrte Frau Liselotte Mayer!

 

Es tut uns sehr leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass ihr Verlobter Hans Aschermann nach einer erlittenen Verwundung kurz nach der Einlieferung am Hauptverbandsplatz verschieden ist. Der Soldat Hans Aschermann war allzeit ein guter Kamerad und ist den Heldentot gestorben. Wir bedauern den Verlust sehr und werden ihn in guter Erinnerung behalten. Bitte nehmen Sie mein und der Kompanie tiefstes Mitgefühl entgegen.

 

Ihr

 

Werner Treufel, Leutnant

 

***

 

Am nächsten Tag fanden Nachbarn Liselotte erhängt in ihrem Garten. Sie hat den Tod ihres Verlobten Hans nicht verkraftet und den Freitot gewählt.

 

Auf dem Wohnzimmertisch lag noch die Todesnachricht, wo auf der Rückseite geschrieben stand. „Wir werden uns wiedersehen, mein Geliebter. Ich komme bald.“

 

ENDE

 

 

(c)Heiwahoe

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