Heidelind Matthews

Ich bin verliebt

Regen und Wind wüten um die Wette. Wobei der ärgerliche Windgesell seinen Vetter,
den Regen, vor sich hertreibt.
Der Himmel trägt ein graues Kleid und paßt sich damit dem brodelnden Wasser an.
Die Grashalme auf der Steilküste zittern vor Angst. Nur die Möwen bleiben unbeeindruckt.
Auf dieser Steilküste steht unser Ferienhaus. Es sind ungefähr vier Meter bis zum Rand.
Verlasse ich das kleine Haus, steigen die Möwen ähnlich einem Helikopter zu mir empor und
scheinen im Wind stehen zu bleiben.

Der Wind zerrt am Haus. Die Balken ächzen vor Schmerzen. Die aufgepeitschte Nordsee kocht.
Die meterlangen Wellen rollen unaufhörlich dem Ufer entgegen; immer wieder und wieder.
Dieses Schauspiel fasziniert mich.
Vom Fenster aus gleicht es einer Zeitlupeneinstellung. Doch der Anblick täuscht.
Ihre Kraft wird um so deutlicher, je näher man dem Wasser kommt. Da wo gestern noch
der Strand zum Spazierengehen einlud, steht heute überall das Wasser. In der Ferne
erhebt sich eine Nebelbank.
Die Laternen auf der Veranda schaukeln im Wind. Der Regen prasselt gegen das Fenster.
Winzige Sandkörner kleben am Glas.

Immer wieder treibt es mich vor die Tür, wo der Wind unter meine Kleidung kriecht,
das Haar zerzaust, der Regen mein Gesicht wäscht und meine nackten Füße küsst.
Ich sollte mich wehren mit Strümpfen, Regenjacke und Mütze. Doch das hätte nicht
den gleichen Effekt. Ich könnte es nicht wirklich spüren.

Gestern Nacht saßen wir noch auf der Holzbank hinter dem Haus und hörten dem
heulenden Wind zu. Der Mond malte eine goldene Straße auf die wilde Nordsee.
Wir drängelten uns aneinander. Der Nordseerock erzeugte bei mir Gänsehaut,
mein Herz hüpfte vor Begeisterung und wenn ich in meine eigenen Augen blicken
könnte, würde ich sagen, sie glänzten vor Freude.

Kein Mensch könnte mich je in den Süden locken. Gerade hier an der Nordsee
in Dänemark fühle ich mich ganz einfach frei. Ich liebe die salzigen Küsse des Windes
und meines Mannes. Würde gerne den Wind umarmen. Geht nicht; nehme meinen
Mann.

(c) 2005

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