Francois Loeb

VERLOREN

Verlust oder Fundsache? in meiner Wochengeschichte zu entschlüsseln!


Mit Konzentration, aber auch mit Lässigkeit lese ich am Sonntag mein Sonntagsblatt, dem ich seit Jahren trotz aller online Angebote treu ergeben bin. Jogge jeden Sonntagmorgen die 3,8 km zum nächsten Zeitungsautomat um das Blatt zu erwerben. Auf dem Rückweg dann zur Bäckerei. Einstellen in die Schlange. Schlagzeilen überfliegen. Schweisstropfen fallen lassend. Mich schlangenförmig vorwärtsarbeitend. Die Nachbarin mit kurzem Nicken grüssen. Ein langes könnte falsch verstanden werden. Als unsittliche Annäherung. Ist ja heutzutage nicht einfach, das Leben. Aber ich halte mich an die Regeln. Auch kein Augenkontakt. Der könnte meine Begehrlichkeit verraten. Begehrlichkeit nicht nach ihr, der Nachbarin. Begehrlichkeit nach den so köstlichen Croissants deren Geruch mich bereits in der Schlange, Position 13, falls ich mich nicht verzähle, eingefangen haben. Jetzt ist so ein Tölpel am Tresen. Scheint den ganzen Laden auskaufen zu wollen. Einkaufswägelchen bei sich. Lädt ein, und ein. Nun kramt er in der Geldbörse. Zählt, und zählt. Will scheinbar kein Herausgeld. Genau bezahlen. Ein genauer Mensch, der die Schlange aufhält. Ein Schlangenbeschwörer? Da kann ich mich schon jetzt an die Kleinanzeigen auf der letzten Seite meines Leibblatts heranmachen. Die Zeit totschlagen. Totschlag? Mord?
Das Stichwort. Da gibt mir mein Verstand einen Stoss ans virtuelle Schienbein. Vernunft auch am Sonntagmorgen! Auch wenn der Chef nicht zuhört. Nicht anwesend ist. Oder steht auch er in der Schlange? Hoffentlich hinter mir. Wenigstens einmal im Leben hinter mir. Ich vor ihm. Da! Ein Inserat das meine Pupillen magisch anzieht. Nicht ausziehen, gibt mir meine sittliche Warn-App zu verstehen. Tief eingebaut in meinem anerzogenen Gewissen. ‚VERLOREN‘, lese ich. Mit dickem Ausrufezeichen. Schrift 11 Punkte. Ausrufung 18 Punkte! Was ging da verloren? Die Schlange wandert. Ich bin der Nächste. Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst! Was verloren. Meine Geldbörse. Nein sie ist hier. Die Kleinanzeige lässt mich nicht in Ruhe. Ich bin von ihr gefangen. Gebunden. „Sie wünschen?“ ja, was wünsche ich? „Zu wissen was verloren ging“. Die Bäckerin schaut mich entgeistert an. „Ist Ihnen nicht gut?“ „Doch doch“, erwidere ich, „sehr gut sogar, nur etwas heiss.“ „Croissants wie immer?“ Erlösende Worte. Doch der Teufel reitet mich. „Nein, will wissen was verloren ging!“ Breite die Zeitung aus, tippe mit dem Zeigefinger auf die Anzeige. „Das muss ich wissen. Deshalb, zum Donnerwetter bin ich angestanden. Habe die Schlange ertragen.“ Muss etwas überlaut die Worte ausgestossen haben. Gemurmel in der Schlange. Wusste nicht dass Schlangen Murmeln können. „Lesen sie doch selbst“, bemerkt die Bäckerin. „VERLOREN die Suchmaschine. Wer hilft uns diese ohne Suchmaschine wiederzufinden?“ , zitiert sie.
„Haben Sie die Anzeige aufgegeben?“ Statt ins Croissant beisse ich in die Sonntagszeitung. Verliere mich in ihrem Geschmack. Druckerschwärze verliert sich farbig in meinem Gaumen.


Als Sommerlektüre empfehle ich auch wenn kein Geburtstag anklopft

Happy Birthday Babyboomers!
Geburtstage sind etwas Besonderes vor allem, wenn über eine Million deutschsprachige Babyboomer ihren 50. feiern. Zu diesem Anlass spielt François Loeb auf originelle Weise mit dem unerschöpflichen Thema des Wiegenfests. Es geht um runde und vergessene Geburtstage, Geburtstage von Menschen und anderen Erdbewohnern, Geburtstagswünsche und -feiern, den Geburtstag im eigentlichen und übertragenen Sinne. In über 40 Kurzgeschichten wird von amüsanten und skurrilen Ereignissen rund um den Ehrentag erzählt. Mit schrägen Wendungen und witzigen Einfällen wird der Leser immer wieder überrascht, begeistert und aus der banalen Realität des Alltags entführt. Eine Hommage an alle Geburtstagskinder dieser Welt! Auch ein ideales Geburtstagsgeschenk!
Gute Sommerzeit wünscht herzlichst
Ihr François Loeb
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.09.2020. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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In Schattennächten: Prosa und Reime von Rainer Tiemann



Was wäre ein Tag ohne die folgende Nacht? Die tiefschwarz, aber auch vielfarbig sein kann. In der so manches geschieht. Gutes und Schönes, aber auch Böses und Hässliches. Heiße Liebe und tiefes Leid. Dieser stets wiederkehrende Kreislauf mit all seinen täglichen Problemen wird auch in diesem Buch thematisiert. Schön, wenn bei diesem Licht- und Schattenspiel des Lebens vor allem Liebe und Menschlichkeit dominieren. In Prosa und Reimen bereitet der Autor ernsthaft, aber auch mit einem Augenzwinkern, diverse Sichtweisen auf. Auch ein Kurzkrimi ist in diesem Buch enthalten. Begleiten Sie Rainer Tiemann auf seinen Wegen „In Schattennächten“.

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